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Einleitung

(Stand: 30. August 2011)

A. Einleitung

  1. Herausforderungen für die brandenburgische Familien- und Kinderpolitik
  2. Der Vorsorgende Sozialstaat als Leitbild
  3. Lebenslagenbezogener Fokus auf Kinder und Eltern
  4. Familien- und Kinderpolitik betrifft alle

Familie gehört zu den wichtigsten Grundpfeilern unserer Gesellschaft. Sie ist das von den meisten Menschen gewünschte Lebensmodell, die kleinste soziale Einheit, die Grundlage des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sie ist gleichzeitig der Schlüssel für ein wirtschaftlich und sozial stabiles Gemeinwesen. Kinder sind die Hoffnungsträger für die Zukunftsfähigkeit der Gemeinschaft. Familien- und Kinderpolitik hat daher im Land Brandenburg einen besonders hohen Stellenwert. Eine familiengerechte Infrastruktur, gute Bildungsangebote und eine tolerante, aufmerksame Gesellschaft sind Voraussetzungen für ein familienfreundliches Land - zugleich aber auch für vorsorgende Sozialpolitik.

 

1. Herausforderungen für die brandenburgische Familien- und Kinderpolitik

Eine der zentralen politischen Herausforderungen der kommenden Jahre ist für Brandenburg die demografische Entwicklung mit ihren vielfältigen Auswirkungen. Niedrige Geburtenraten, Wanderungsverluste, gesamtgesellschaftliche Alterung und Bevölkerungsrückgang sind in vielen Kommunen bereits spürbar und verändern das Land. Das betrifft insbesondere den äußeren Entwicklungsraum Brandenburgs.

Zentrale Aufgabe der brandenburgischen Familien- und Kinderpolitik bleibt, Kindern und Jugendlichen ein gesundes Aufwachsen, eine gute Bildung und qualifizierte Ausbildung zu sichern. Wie Chancen und Lebensalltag für Familien verbessert werden können, hängt wesentlich von den lokalen Rahmenbedingungen ab. Mit ihren Aktivitäten unterstützt die Landesregierung daher die Anstrengungen der Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Gestaltung familien- und kinderfreundlicher Kommunen.

Brandenburg soll zu einer der familien- und kinderfreundlichsten Regionen in Europa werden. Das ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Damit bekennt sie sich auch zu dem Anspruch, Ursachen von Armut und sozialer Benachteiligung zu bekämpfen. Niemand soll ausgegrenzt werden. Allen Kindern soll von Anfang an die Teilhabe an der Gesellschaft mit gleichen Chancen ermöglicht werden - unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Lage, Herkunft und Geschlecht. Dass die Angebote im Bereich der Kindertagesbetreuung so gut angenommen werden, zeigt die Akzeptanz dieser Politik. Chancengerechtigkeit innerhalb des Gemeinwesens erfordert, dass Entwicklung und Stärkung der jungen Generationen über die gesamte Bildungskette intensiv begleitet werden.

 

2.      Der Vorsorgende Sozialstaat als Leitbild

Um allen eine größtmögliche Teilhabe zu sichern, hat sich die Brandenburger Landesregierung dem Leitbild des Vorsorgenden Sozialstaats verpflichtet. Sozialstaatlichkeit muss einerseits denjenigen Familien finanzielle Sicherheit bieten, denen es an ökonomischer Unabhängigkeit fehlt. Aufbauend auf den in den Sozial- und Sozialversicherungsgesetzen des Bundes geregelten finanziellen Hilfen muss sie andererseits rechtzeitig in die Befähigung des Einzelnen vorsorgen. Das gelingt mit einer hochwertigen sozialen Infrastruktur, mit Unterstützung in sozialen und wirtschaftlichen Risikolagen sowie mit lebensbegleitenden Investitionen. Dazu gehören neben der Stärkung von Familien hochwertige Bildungsangebote, positive Rollenvorbilder und „soziale Leitern“. Mit einer lebensphasenbezogenen Politik kann auch die individuelle Existenzabsicherung für Mütter und Väter mit Kindern gestützt werden - ohne eine bestimmte Form von Familie zu präferieren. Nachhaltige Familien- und Kinderpolitik schafft die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und familienergänzende Infrastrukturen, mit denen Kinder gesund aufwachsen können. Eltern finden darin auch Unterstützung, um in die Bildung und Erziehung ihrer Kinder zu investieren.

Eine vorsorgende Familien- und Kinderpolitik berücksichtigt flexible Lebensläufe und stellt Erwerbs- und Fürsorgetätigkeit einander gleich. Kinder gehören zum eigenen Leben. Politische Rahmenbedingungen müssen dementsprechend gestaltet werden. Die Sicherung der entsprechenden Entwicklungspotentiale vor Ort dürfen dabei die langfristigen und globalen Verflechtungen nicht außer Acht lassen.


3.      Lebenslagenbezogener Fokus auf Kinder und Eltern

Die Grundlagen für gesundes Aufwachsen werden in den Familien gelegt. Kinder erfahren in der Familie viel über die Welt. Sie lernen gesellschaftliche Werte, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenzen. Kinder sind auf die kontinuierliche und zuverlässige Zuwendung ihrer Mütter und Väter und anderer Bezugspersonen angewiesen. Vor allem die Eltern sind es, die ihren Kindern Werte vermitteln und ihnen die Teilhabe an Bildung ermöglichen.

In einer Familie, der es wirtschaftlich schlecht geht, kann auch das Familienleben leiden. Die hohe Zahl von Müttern und Vätern, die im Land Brandenburg Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld sowie Kinderzuschlag, Wohngeld oder Sozialhilfe erhalten, verdeutlicht hier die für alle Gebietskörperschaften schwierige Ausgangslage. Mithin muss weiterhin alles getan werden, damit Bedürftigkeit erst gar nicht entsteht.

Finanziellen Transferleistungen - etwa bei Arbeitslosigkeit oder als Ausgleich für die Fürsorge für Kinder und Ältere – sind nötig für eine nachhaltige Familienpolitik. Eine vorsorgende Sozialpolitik muss hingegen auch im Blick haben, wie Familien bei ihren Erziehungsaufgaben unterstützt werden können. Nicht allein die ökonomische Situation von Familien ist wichtig, sondern auch die Ursachen und Wirkungen der individuellen Lebenslagen. Das berücksichtigt die Landesregierung in ihrer Förderung von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehört auch eine geschlechterspezifische Sichtweise - es geht um Chancengerechtigkeit für Mädchen und Jungen, für Mütter und Väter in allen Lebensphasen.

 

4.      Familien- und Kinderpolitik betrifft alle

Familien brauchen die ganze Rückendeckung der Gesellschaft. Vorsorgende Familienpolitik investiert in das Umfeld und die Infrastruktur für Familien. Kinder sollen von Anfang an Zugang zu kulturellen Ressourcen und individueller Förderung haben. Wesentlich ist dabei die gegenseitige Unterstützung im Generationenverbund. Fürsorge-, Bildungs- und Erwerbszeit im Lebenslauf sind familienbewusst zu gestalten. Mütter und Väter brauchen in der Organisation des Alltags Zeit für die eigene Familie. Vor allem müssen ihre Erziehungskompetenzen so gestärkt werden, dass das Leben mit Kindern oder familiäre Konfliktsituationen sie nicht überfordert.

"Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen" lautet ein afrikanisches Sprichwort – was bedeutet, dass Familien- und Kinderpolitik wirksamer funktioniert, wenn ein breites Spektrum von Akteuren mit freiwilligem und professionellem zivilgesellschaftlichen Engagement einbezogen wird. Dazu gehört u.a. auch ein tragendes Netz aus Eltern und anderen Bezugspersonen, bedarfsgerechten und hochwertigen Angeboten der Kindertagesbetreuung, Schulen, außerschulischen Bildungs- und Unterstützungsangeboten. Eine ganzheitliche Familienpolitik betrifft viele Politikfelder - Jugendhilfe, Bildung, Gesundheit, Soziales, Gleichstellung, Senioren, Migration und Integration, aber auch Arbeits- und Wirtschaftspolitik, Stadtentwicklung und Förderung des ländlichen Raums, Finanzen sowie Verbraucherschutz. Familienpolitik aus einem Guss erfordert über den Dialog aller Politikbereiche hinaus nicht nur das gesellschaftliche Verständnis für Familien mit Kindern, sondern auch das Zusammenwirken mit Kommunen, Unternehmen, freien Trägern, Berufs-, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie Kirchen – kurzum das enge Zusammenspiel des gesamten Gemeinwesens. Wesentlicher Ansatz der Landespolitik bleibt es daher, über etwaige Vorbehalte hinweg ressortübergreifend zu handeln und für eine themenorientierte Zusammenarbeit zu sorgen.