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30.07.2013Betriebspanel Brandenburg 2012: Baaske: Fachkräftebedarf steigt weiter | 068/2013

Die Nachfrage nach Fachkräften steigt in Brandenburg weiter an. Im 1. Halbjahr 2012 wurden 54.000 neue Stellen angeboten, 5.000 mehr als ein Jahr zuvor. Ein Viertel der offenen Stellen blieb unbesetzt. Gleichzeitig wurden noch nie so viele Fachkräfte zum nächstmöglichen Termin gesucht. Das geht aus dem Betriebspanel Brandenburg 2012 hervor, das Arbeitsminister Günter Baaske heute in Potsdam vorstellte. Dafür wurden 992 märkische Betriebe von Juli bis Oktober 2012 befragt. Die Daten wertete das Institut für sozialökonomische Strukturanalysen (SÖSTRA) aus.

Im ersten Halbjahr 2012 wurden in Brandenburg rund 41.000 Fachkräfte eingestellt, 5.000 mehr als ein Jahr zuvor. Fast jeder vierte Betrieb hat neue Arbeitskräfte für qualifizierte Tätigkeiten eingestellt. Die Nichtbesetzungsquote von 24 Prozent lag um drei Punkte niedriger als im Vorjahr.

Baaske: „Der Arbeitsmarkt in Brandenburg entwickelt sich weiterhin positiv. Die Nachfrage nach Fachkräften war in Brandenburg 2012 so hoch wie noch nie seit Beginn der Panelerhebung Mitte der 90er Jahre. Wer gute Fachkräfte will, der muss auch ‚Gute Arbeit‘ unterstützen. Dazu gehören faire Löhne, Vollzeitstellen, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie betriebliche Aus- und Weiterbildung. Das sind die Schlüssel zur Deckung des Fachkräftebedarfs.“

Dr. Vera Dahms von SÖSTRA: „Frauen sind für Brandenburger Betriebe ein Potenzial, dass zunehmend genutzt wird, um den betrieblichen Bedarf an Fachkräften zu decken. Frauen in Brandenburg sind gut qualifiziert und besetzen zunehmend Stellen für qualifizierte und hochqualifizierte Tätigkeiten. Da gibt es aber noch Reserven in den Betrieben.“

Seit 2006 steigt die Anzahl der Betriebe leicht an. Im Jahr 2012 waren es rund 66.000, das sind 3.300 mehr als 2006 und 400 mehr als 2011. Fast die Hälfte aller Brandenburger Betriebe zählt zu den Kleinstbetrieben mit weniger als fünf Beschäftigten. Die Zahl der Beschäftigten in den Betrieben ist auf 916.000 gestiegen, das sind etwa 72.000 mehr als im Jahr 2006 und 11.000 mehr als 2011. Etwa zwei Drittel des Zuwachses entfielen auf einen Anstieg sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung, insbesondere Teilzeitbeschäftigung. Aber auch geringfügige Beschäftigungen haben zugenommen.

Für über 2.000 märkische Betriebe müssen bis Ende 2014 neue Chefs gefunden werden. In weiteren knapp 2.000 Betrieben steht die Übergabe der Geschäftsführung in den folgenden Jahren an. Insgesamt sind rund 7 Prozent aller märkischen Betriebe und damit über 40.000 Beschäftige in absehbarer Zeit von einer Betriebsnachfolge betroffen. Von allen Betrieben des Jahres 2012 wurden etwa 30 Prozent allein in den Jahren 1990 bis 1993 gegründet. Die Gründerinnen und Gründer dieser Jahre sind heute, also gut 20 Jahre später, etwa 50 bis 70 Jahre alt. In vielen Fällen dürfte allein altersbedingt eine Betriebsnachfolge anstehen.

Baaske: „Die Inhaber sollten sich rechtzeitig Gedanken über ihre Nachfolge machen. Die Herausforderung durch eine anstehende Betriebsnachfolge wird oft unterschätzt, obwohl für den reibungslosen Wechsel eine langfristige Vorbereitung notwendig ist. Davon hängt der Erhalt tausender Arbeitsplätze ab.“

95 Prozent der befragten Betriebe, die von einer anstehenden Nachfolge betroffen sind, gehen davon aus, dass die Geschäfte tatsächlich weiter geführt werden. Allerdings hatte fast ein Drittel von ihnen noch keine konkrete Vorstellung darüber, wie eine Nachfolgeregelung aussehen könnte. Bei den anderen zwei Drittel präferieren gut 40 Prozent eine Übergabe innerhalb der Familie.

Frauen sind in Führungspositionen noch immer deutlich unterrepräsentiert. Problematisch ist vor allem die erste Führungsebene. Hier beträgt der Anteil von Frauen 29 Prozent. Der Wert hat sich seit 2004 nicht verändert. Nur im öffentlichen Bereich ist der Anteil von 28 auf 40 Prozent stark gestiegen. Baaske: „Frauen müssen noch stärker Führungspositionen in der Wirtschaft übernehmen können. Hier haben sie nach wie vor einen erschwerten Zugang. Das muss sich dringend ändern.“ Auf der zweiten Führungsebene, die auch umfassende Entscheidungsbefugnisse besitzt, sind 49 Prozent der Positionen mit Frauen besetzt.

Die Ausbildungsbeteiligung ist rückläufig. 56 Prozent der Betriebe haben eine Ausbildungsberechtigung (2011: 57 %). Aber nur 38 Prozent davon bildeten im Jahr 2012 aus, im Vorjahr waren es noch 42 Prozent. Damit liegt Brandenburg fünf Prozentpunkte unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Baaske: „Auch wenn es für Betriebe zunehmend schwieriger wird, ihre Lehrstellen zu besetzen, ist diese Entwicklung fatal. Wir brauchen sogar noch mehr Ausbildungsplätze, auch wenn die Schülerzahlen sinken. Das klingt zwar paradox – aber wenn Jugendliche ihren Traumberuf nicht in Brandenburg lernen können, ist die Gefahr groß, dass sie die Heimat verlassen. Sie zurückzuholen, erfordert mehr Kraft.“

Der steigende Fachkräftebedarf spiegelt sich in der Übernahmequote wieder: 62 Prozent der Ausbildungsabsolventen wurden 2012 von ihren Ausbildungsbetrieben übernommen. Das ist der Höchstwert seit 1996 mit Beginn der Panelerhebung (2011: 57 %). Baaske: „Die eigene Ausbildung ist und bleibt der beste Schlüssel zur Fachkräftesicherung. Die Betriebe, die selbst ausbilden, investieren damit in ihre Zukunft und sichern so ihre Wettbewerbsfähigkeit.“ Bei der Übernahmequote liegt Brandenburg damit auch zum ersten Mal über dem Durchschnitt der Ost-Länder von 59 Prozent, im Westen lag die Quote bei 66 Prozent.

Der monatliche Bruttodurchschnittslohn lag laut Betriebspanel im Juni 2012 wie bereits im Vorjahr bei 1.960 Euro. Auch der Abstand zum Lohnniveau im Westen veränderte sich im Durchschnitt nicht: die Lohnangleichung lag bei 81 Prozent im Vergleich zu Westdeutschland (2012: 2.430 Euro). Baaske: „Berücksichtigt man die längeren Arbeitszeiten im Osten, dann bekommen die Märkerinnen und Märker sogar nur 76 Prozent des Westniveaus. Das ist im Wettbewerb um Fachkräfte zu wenig. Die Lohnangleichung muss endlich vorankommen. Hier sind die Tarifpartner gefragt.“

23 Prozent der brandenburgischen Betriebe sind tarifgebunden. Damit erreicht die Tarifbindung mehr als die Hälfte aller Beschäftigten.

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) führt mit dem Brandenburger Arbeitsministerium seit 1996 jährlich die repräsentative Arbeitgeberbefragung für das Betriebspanel durch. In dieser Längsschnitterhebung werden jedes Jahr dieselben Betriebe befragt. Die Befragung erfolgte durch TNS Infratest Sozialforschung, den Auswertungsbericht für Brandenburg erstellte SÖSTRA. Die Analyse wird aus Mitteln des ESF gefördert.

Der Gesamtbericht im Netz: www.masf.brandenburg.de.

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