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Ergebnisse der Modellprojekte nach dem AGnES-Konzept

Die Modellprojekte nach dem AGnES-Konzept in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt

Ergebnisse der Modellprojekte
1 Patienten, Tätigkeiten, Qualität, Akzeptanz
2 Qualifikation der nichtärztlichen Fachkräfte
3 Leistungsspektrum
4 Juristische Bewertung
5 Gesundheitsökonomische Analyse
 

Ergebnisse der Modellprojekte 

1 Patienten, Tätigkeiten, Qualität, Akzeptanz

Bis zum 2. Oktober 2008 hatten 1.545 Patientinnen und Patienten an einem der Modellprojekte nach dem AGnES-Konzept teilgenommen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten beträgt 78,7 Jahre. Die teilnehmenden Patientinnen und Patienten sind zum größten Teil multimorbide (durchschnittlich 6 Diagnosen pro Patient, Bereich 1-33) und nicht oder nur eingeschränkt mobil. Bei diesen Patientinnen und Patienten wurden von den AGnES-Fachkräften insgesamt 10.112 Hausbesuche durchgeführt. 

Etwa 50 Prozent der im Rahmen der Hausbesuche durchgeführten Tätigkeiten erstrecken sich auf die Erhebung diagnostischer Parameter, etwa 35 Prozent bestehen aus der Beurteilung des körperlichen und psychischen Gesundheitszustandes, der Dokumentation von Krankheitssymptomen und medizinisch relevanten Ereignissen sowie der Beratung zu einer Vielzahl von gesundheitsbezogenen Themen. Hinzu kommen medizinische Tätigkeiten wie beispielsweise Blutentnahmen, Injektionen, Wund- und Dekubitusbehandlungen.

Die Akzeptanz bei den teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzten sowie Patientinnen und Patienten ist sehr hoch:

  • 92 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte bewerten die Qualität der gemeinsamen medizinischen Betreuung von Hausärztin/Hausarzt und AGnES-Fachkraft als vergleichbar mit einer üblichen hausärztlichen Betreuung. 
  • 90 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte befindet, dass sich das AGnES-Konzept entlastend auf ihre Tätigkeiten auswirkt. 
  • 88 Prozent der Hausärztinnen und Hausärzte sind der Meinung, dass sich der Einsatz der AGnES-Fachkräfte positiv auf die Mitwirkungsbereitschaft der Patientinnen und Patienten bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen (Compliance) auswirkt. 
  • 99 Prozent der Patientinnen und Patienten sind der Meinung, dass die AGnES-Fachkräfte kompetente Ansprechpartnerinnen für Gesundheitsfragen sind. 
  • 94 Prozent der Patientinnen und Patienten können sich vorstellen, dass die Hausärztin/der Hausarzt Hausbesuche nur noch bei dringendem medizinischem Bedarf durchführt und eine AGnES-Fachkraft die restlichen Hausbesuche übernimmt. 

2 Qualifikation der nichtärztlichen Fachkräfte

Für die erfolgreiche Umsetzung des AGnES-Konzeptes ist eine spezifische Qualifizierung der AGnES-Fachkräfte von zentraler Bedeutung. Auf der Basis der Modellprojektergebnisse wurde hierfür das spezielle AGnES-Curriculum konzipiert.

Das AGnES-Curriculum ist auf die Übernahme von delegierten ärztlichen Leistungen in der Häuslichkeit der Patientinnen und Patienten gerichtet und baut auf der vorhandenen Primärqualifikation, der erworbenen Berufserfahrung und ggf. bereits abgeleisteter Fort- und Weiterbildungen auf. Als Primärqualifikationen kommen grundsätzlich Gesundheits- und Krankenpflegekräfte sowie Arzthelferin/medizinische Fachangestellte in Betracht. In den Modellprojekten nach dem AGnES-Konzept waren/sind 32 Gesundheits- und Krankenpflegekräfte und 6 Arzthelferinnen tätig.

Aus dem Kanon der Haupt- und Untermodule des AGnES-Curriculums werden die für die jeweils zu qualifizierende Fachkraft erforderlichen Bausteine individuell zusammengestellt. Hierdurch soll unabhängig von der Primärqualifikation ein vergleichbarer Qualifikationsstand erreicht werden. Darüber hinaus umfasst das AGnES-Curriculum ein 12-wöchiges Praktikum in einer Hausarztpraxis. Die nach diesem modularen Curriculum qualifizierte AGnES-Fachkraft kann das gesamte in den Modellprojekten ermittelte Leistungsspektrum übernehmen.

3 Leistungsspektrum

Nach Analyse der Modellprojekte und der juristischen Prüfung der Delegierbarkeit können die in den Modellprojekten erbrachten Leistungen zusammenfassend in folgende drei Leistungsbereiche unterteilt werden:

  • AGnES-Grundleistungskomplex:
    » standardisierte, umfassende Einschätzung und Beurteilung des Gesundheitszustandes 
    » Ausführung delegierter ärztlicher Leistungen 
       (z. B. Erhebung diagnostischer Parameter, einfache Labortests, Durchführung standardisierter Testverfahren, 
       Entnahme von Untersuchungsmaterial, Beratungs- und Koordinierungstätigkeiten und 
       Durchführung therapeutischer Maßnahmen) 
  • Indikationsspezifische Module:
    » Modul geriatrisches
    » Assessment Modul für Palliativmedizin 
  • Weitere Module:
    » Modul Arzneimittelkontrolle
    » Modul Sturzprävention
    » Modul Telecare 

Die Leistungsbereiche unterscheiden sich dahingehend, dass der AGnES-Grundleistungskomplex bei jedem Hausbesuch und bei allen Patientinnen und Patienten durchgeführt wird, die indikationsspezifischen Module bei Patientinnen und Patienten mit spezifischer Indikation durchgeführt werden und die weiteren Module der Verbesserung der Mitwirkungsbereitschaft der Patientinnen und Patienten bei diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, der Prävention und der alternativen/substituierenden und/oder weiterführenden/intensivierten Überwachung dienen.

4 Juristische Bewertung

Zentrales Ergebnis der juristischen Bewertung ist, dass für die Durchführung des umfänglichen Leistungsspektrums im AGnES-Konzept, entsprechend der evaluierten Modellprojekte, die Zusatzqualifikation nach dem AGnES-Curriculum erforderlich ist. Der dafür notwendige zusätzliche Qualifizierungsinhalt und -umfang unterscheidet sich zwischen den Primärqualifikationen der Gesundheits- und Krankenpflegekräfte und der Medizinischen Fachangestellten/Arzthelferinnen. Nach erfolgreichem Abschluss können die nach dieser individuell zusammengestellten modularen Curriculum qualifizierten AGnES-Fachkräfte alle AGnES-Tätigkeiten übernehmen.

5 Gesundheitsökonomische Analyse

Eine leistungsgerechte Vergütung für die arztentlastenden Tätigkeiten der AGnES-Fachkräfte ist für die erfolgreiche Überführung in die ambulante medizinische Regelversorgung von grundlegender Bedeutung.

Für die gesundheitsökonomische Analyse wurde modellhaft, basierend auf empirischen Untersuchungen und Erfahrungen, die notwendige Vergütung einer AGnES-Fachkraft berechnet. In die Berechnung sind die Kapazität der AGnES-Fachkraft sowie die Personal- und Sachkosten eingeflossen. Bei der modellhaften Berechnung wurde eine kompensatorische Finanzierung durch zusätzliche, umsatzsteigernde Tätigkeiten der Hausärztin/des Hausarztes berücksichtigt, da das AGnES-Konzept in erster Linie für unterversorgte oder von Unterversorgung bedrohte Regionen entwickelt wurde. In solchen Regionen muss von den Hausärztinnen und Hausärzten ein größerer Patientenstamm betreut werden.
 

1) Modellprojekt "AGnES" in Mecklenburg-Vorpommern, Modellprojekt "Gemeindeschwester" in Brandenburg, Pilotprojekt AGnES Sachsen-Anhalt/Mopra und Modellprojekt "Gemeindeschwester AGnES" in Sachsen

Letzte Aktualisierung: 21.11.2013

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