Das Ministerium

Unsere Themen

Landesbeauftragte

Landesstelle

Service

Grußwort der Ministerin zur Eröffnung der 9. Familien-Bildungsmesse 2014 am 4. Dezember 2014, IHK Potsdam

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Dr. Tobias ,
sehr geehrte Frau Prof. Meier-Gräwe

ich hab mich sehr auf diese Eröffnungsveranstaltung gefreut. Zwar bin ich nicht neu im politischen Geschäft, aber neu in dem Amt der Familienministerin. Und so ist auch „Familie“ kein Neuland für mich. Ich war über 2 Wahlperioden im Deutschen Bundestag als Mitglied des familien- Ausschusses und der Kinderkommission für Familienpolitik mit zuständig. Deshalb freue ich mich, dass diese Familienbildungsmesse am Anfang meiner Amtszeit als Ministerin steht.

Vor zwei Jahren hat der Diskurs über die Aufgaben der Familienbildung begonnen. Ich begrüße es sehr, dass dieser fortgeführt wird, denn der Familienbildung wird in den kommenden Jahren eine wachsende Bedeutung zukommen. Der Druck in der Lebens- und Arbeitswelt von Eltern wächst - aber auch der auf Kinder und Jugendliche in den Schulen und Bildungseinrichtungen. Auch wenn die Vereinbarkeit von Familien und Beruf in aller Munde zu sein scheint, brauchen viele Familien Unterstützung, wünschen sich Eltern, Kinder und Jugendliche Angebote, den Alltag zu gestalten, ihn besser zu meistern oder ihn so zu strukturieren, dass mehr Zeit füreinander ist. Auch dafür gibt es ein immer breiter werdendes Verständnis.

Wenn ich mich so im Saal umblicke, ist zu spüren: Familie geht alle an! Das Interesse ist groß, und viele sind gekommen, um ihre Projekte zu präsentieren; um zu gucken, wie andere es machen, was sie besser machen und wie wir diese Aktivitäten zur Familienbildung insgesamt wirksamer vernetzen können. Sie alle hier und alle Mistreiterinnen und Mitstreiter im Land sind ein „familienpolitisches Pfund“, mit dem wir wuchern können und wuchern werden…

Ein Ziel, das auch fest im Koalitionsvertrag der Landesregierung verankert ist, in dem es heißt: „Die Familienbildung wird gestärkt.“ Eine gute Grundlage, denke ich, auf der wir unsere Vorhaben auf diesem Gebiet realisieren können.

Herzlichen Dank auch dem Hausherrn IHK Potsdam und Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Tobias, dafür, dass Sie Ihre Räumlichkeiten für diese Messe zur Verfügung stellen. Und das nicht zum ersten Mal – und so ist auch dies ein deutliches Indiz für das große Interesse der Wirtschaft an einem familienfreundlichen Brandenburg. An Familien, die in der Lage sind, berufliche und familiäre Pflichten unter einen Hut zu bekommen und ihre Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten erziehen können. 

Familienbildung, meine Damen und Herren – das ist nichts, dass man nach Gutdünken und erst recht nicht Kassenlange betreiben kann. Ganz im Gegenteil: Dies gehört im großen Konzert der familienpolitischen, kinder- und familienfreundlichen Maßnahmen zu den fundamentalen Grundlagen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Es ist in Zeiten rasant verändernder Arbeits- und Lebenswelten dringlicher denn je geworden, den Familien gerade auch mit wirksamen Bildungsmaßnahmen bessere berufliche Perspektiven zu geben, die auch Freiräume für Familienzeit lassen. 

Familie ist da wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Und sie leisten Großartiges – auch wenn ihr Zusammenhalt längst andere Formen angenommen hat. Familien heute sind nicht mehr nur von Kirche und Staat beglaubigte Bündnisse, sondern existieren in vielerlei Formen. Wachsende Mobilität, andere Lebensperspektiven verändern bisherige Traditionen – die familiären Bande sind in Bewegung. Doch überall dort, wo Kinder gesund und behütet aufwachsen, ist Familie – ob mit oder ohne Trauschein, Patchwork oder in gleichgeschlechtlichen Gemeinschaften. Ihr dauerhafter Bestand und ihre Entwicklung fordern uns alle in neuer Weise heraus. 

Es war und ist unser Ziel, alles zu tun für tragfähige familiäre Beziehungsstrukturen. Humanistische Erziehung und soziale Bildung sind wichtige Grundpfeiler dieser Strukturen. Auch deshalb ist Familienpolitik wie kein anderer Politikbereich ein zentraler Nerv unserer Gesellschaft. Wir brauchen ein stabiles, eine dauerhaftes gesellschaftliches „Bündnis für Familien“, um die Qualität unseres Gemeinwesens zu entwickeln und seine Zukunftsfähigkeit zu sichern. 

Gemeinsam liegt uns sehr viel daran, die Möglichkeiten für Familien zu erhalten und zu vergrößern. Die meisten Familien meistern ihr Leben in gesicherten materiellen Verhältnissen. Gleichzeitig machen viele Studien deutlich, dass Familien mit Kindern ein größeres Armutsrisiko tragen.   Arbeitslosigkeit, durch Krankheit bedingte Einkommensausfälle, versäumte Bildungschancen, versäumte Qualifizierung, gering entlohnte Beschäftigung, Schulden, Scheidung oder Trennung sind ein Berg von entstehenden Ängsten und realen Problemlagen, die oft von den Betroffenen allein nicht mehr abzutragen sind. Doch es darf keine Last und schon gar kein Armutsrisiko sein, Kinder zu haben. Dabei geht es ja nicht allein um die finanzielle Lage der Familie – es geht um die Startchancen für die Kinder! Daher bleibt es ein wichtiges Anliegen unserer Politik, die Lebenssituation insbesondere von Langzeitarbeitslosen, Alleinerziehenden, Geringqualifizierten zu verbessern. 

Eine wichtige Weichenstellung dafür ist auch die Familienbildung. Und da hat Brandenburg einiges vorzuweisen; fest verankert im „Familienpolitischen Programm“ und Ihnen sicher bestens bekannt:

  • die landesweiten Familienseminare „Auskommen mit dem Einkommen“;
  • die Elternbriefe; Bestandteil des Begrüßungspakets für „frische“ Eltern;
  • die Aktivitäten der lokalen „Bündnisse für Familien“; landauf, landab aktiv; 55 inzwischen;
  • der „Familienpass“ mit seinen rabattierten Kultur- und Bildungsangeboten;
  • die Arbeit der FamilienpatInnen und Hebammen in den „Netzwerken Gesunde Kinder“ (NGK);
  • die Angebote der Eltern-Kind-Gruppen und –zentren  (EKG, EKZ)
  • Eltern-Universitäten, Wanderausstellungen u.v.m.

Dies alles und weitere Maßnahmen werden wir auch weiterhin unterstützen. Doch wir müssen und wollen auch weiter blicken und das gesamte Potenzial der Familienbildung nutzen. Mit diesem Ziel hatte das Familienministerium eine wissenschaftliche Untersuchung in Auftrag gegeben. Vor zwei Jahren legte seine Hauptautorin, Frau Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe von der Uni Gießen, den Bericht vor. Mittlerweile ist sie eine gute Bekannte des Hauses und wird heute auch das Impulsreferat geben.

Ihr umfassender Bericht löste eine rege Diskussionswelle aus; Workshops und Fachgremien erörterten die aufgeworfenen Fragen. Heraus kam ein Papier, das im Mai 2014 im zuständigen Landtagsausschuss diskutiert wurde. Frau Nancy Ehlert, federführendes Mitglied des Redaktionsteams, wird nachher noch ausführlicher zum Diskussionspapier berichten. An dieser Stelle allen Mitgliedern des Teams nochmals herzlichen Dank für das große Engagement, ihre Ideen und Vorschläge, die Wege und Ziele der Familienbildung in Brandenburg beschreiben. 

Uns geht es vielmehr darum, für gute Bedingungen zu sorgen, die Familienbildung vielschichtig ermöglichen und Diskussionspodien dafür anzubieten – wie es heute hier geschieht. Denn die gesetzliche Verantwortung für Inhalte und Organisation von Angeboten der Familienbildung liegt in kommunalen Händen – verankert im SGB VIII. Zuständig sind die örtlichen Träger der Jugendhilfe. Darauf hat der Städte- und Gemeindebund in seiner Stellungnahme auch ausdrücklich und ausführlich hingewiesen. 

Wichtig ist mir die Gesamtsicht auf das Thema und dass wir in diesem Spannungsfeld zwischen Familie und Gesellschaft gemeinsam agieren. Denn die Bedürfnisse von Familien verändern sich und werden sich weiter drastisch verändern. Bisheriges Denken, bisherige Methoden helfen da wohl kaum weiter. Wir werden unser Denken neu sortieren, unsere Handeln neu ausrichten müssen und gemeinsam ausloten, wie die Bildungsangebote noch wirksamer aufgestellt und den Familien die Zugangswege dahin erleichtert werden können.   

Die dabei zu lösenden Fragen sind ja nicht abstrakt, sondern sehr konkret: Teilzeitarbeit, Freistellung von Eltern, flexible Arbeitszeiten, flexible Betreuungsangebote, individuell zugeschnittene Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote. Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine der wichtigsten Weichenstellungen hin einem kinder- und familienfreundlichen Land – und diesen Anspruch haben wir! 

Wir haben die Herausforderungen angenommen und sind auf dem Weg. Wir sind dabei, einen Prozess zu organisieren, der nachhaltig klären wird, was Familienbildung ist, was sie leisten kann und wo wir in Brandenburg stehen. 

Meine Damen und Herren!

Wir werden heute noch einige Berichte aus der Praxis hören – erfolgreiche Beispiele und gewiss auch weniger erfolgreiche. Wichtig ist, dass alles auf den Tisch kommt. Wir stehen auf einem soliden Fundament – und darin hat mich auch der Messerundgang vorhin einmal mehr gestärkt. Das breite Spektrum an Beratungs- und Bildungsangeboten zur Stärkung familiärer Kompetenzen verdeutlicht, dass wir gemeinsam noch viel erreichen können. 

Ich danke allen, die diese Veranstaltung organisiert haben, und allen, die uns mit ihren Berichten teilhaben lassen, nochmals ganz herzlich. Ich wünsche Ihnen einen interessanten Tag, mit vielen anregenden Gesprächen und vielen neuen Impulsen für die künftige Arbeit!

Herzlichen Dank!

Kontakt

Marina Ringel
Pressesprecherin

Telefon: 0331 866-5040
Telefax: 0331 866-5049
Mobil: 0170 453 86 88
E-Mail:
marina.ringel@masgf.brandenburg.de