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Soziale Unternehmen in Brandenburg – Chancen und Entwicklung

Rede von Almuth Hartwig-Tiedt,
Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg

anlässlich der Tagung „Zur Neugestaltung eines nachhaltigen Öffentlich geförderten Beschäftigungssektors (ÖBS)“ des Kommunalpolitischen Forum Land Brandenburg e.V. am 25. April 2015 im Landtag, Potsdam

Soziale Unternehmen in Brandenburg – Chancen und Entwicklung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst möchte ich mich herzlich für die Einladung bedanken. Ich freue mich sehr, dass ich mit Ihnen heute über die - wie der Veranstaltungstitel sagt - Neugestaltung eines nachhaltigen öffentlichen geförderten Beschäftigungssektors diskutieren darf.

Als Einstieg möchte ich gerade an diesem Ort - dem Landtag - an unsere Landesverfassung erinnern. Im Artikel 48, Absatz 1 heißt es:

„Das Land ist verpflichtet, im Rahmen seiner Kräfte durch eine Politik der Vollbeschäftigung und Arbeitsförderung für die Verwirklichung des Rechts auf Arbeit zu sorgen, welches das Recht jedes einzelnen umfasst, seinen Lebensunterhalt durch freigewählte Arbeit zu verdienen.“

Ich möchte hervorheben, dass die Landesverfassung von der Verwirklichung des „Rechts auf Arbeit“ spricht. Wir sind als Landesregierung also dazu verpflichtet, uns den Problemen der Arbeitslosigkeit zu stellen und dafür einzutreten, dass jede Brandenburgerin und jeder Brandenburger einer beruflichen Tätigkeit nachgehen kann, die den Lebensunterhalt sichert. Hierfür sind auch die Instrumente der Arbeitsförderung einzusetzen, zu denen grundsätzlich auch die öffentlich geförderte Beschäftigung gehört.

An der Notwendigkeit eines öffentlich geförderten Arbeitsmarktes scheiden sich in der politischen Diskussion immer wieder die Geister. Sie wird nicht zuletzt deshalb so kontrovers diskutiert, weil zum Teil falsche oder ungenaue Vorstellungen über Zielgruppen, Aufgaben und Ausgestaltung dieses Förderinstruments bestehen. Deshalb ist es mir wichtig zu betonen, dass sich geförderte öffentliche Beschäftigung immer auf besonders benachteiligte Personengruppen, die schwer vermittelbar sind, fokussieren sollte. Ihre Aufgaben sind die Erhaltung und Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit sowie die Vermeidung sozialer Exklusion bzw. die Wiederherstellung sozialer Teilhabe. Letztlich soll sie den Betroffenen eine existenzsichernde Beschäftigung bieten. In diesem Sinne sind die geförderten Stellen als sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit existenzsichernden Löhnen auszugestalten. Langzeitarbeitslosen mit sogenannten mehrfachen Vermittlungshemmnissen kann so wieder eine neue Perspektive gegeben werden. Die Annahme einer solchen Beschäftigung sollte außerdem freiwillig sein. Unterm Strich geht es darum, Menschen aus einer zum Teil jahrelangen Arbeitslosigkeit herauszuholen und ihnen eine sinnvolle Beschäftigung zu anständigen Bedingungen als einzige realistische Perspektive zur Arbeitslosigkeit zu geben.

Als Argument gegen öffentlich geförderte Beschäftigung wird häufig ins Feld geführt, dass sich die Arbeitslosen in dem geförderten Bereich einrichten und keine Anstrengungen mehr unternehmen würden, in den ersten Arbeitsmarkt zurück oder neu hinein zu finden. Es wird sogar behauptet, dass eine Förderung zur Stigmatisierung des Arbeitslosen führen würde. Diese Argumente sind zynisch! Nicht die Annahme einer geförderten
Beschäftigung wirkt stigmatisierend, sondern die lange Arbeitslosigkeit mit all seinen negativen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, auf die Gesundheit und die soziale Teilhabe der Betroffenen. Auch die Auswirkungen auf die Familie, vor allem die Kinder, werden meistens unterschätzt. Weitere Gegenargumente sind befürchtete Mitnahme- und Verdrängungseffekte. Diese Sorgen muss man ernst nehmen, wenn man einen nachhaltigen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt schaffen bzw. ausbauen will und ausreichende Akzeptanz erzielen will. Deshalb gilt, dass die Beschäftigungsfelder nach strengen Maßstäben ausgewählt werden müssen, sodass keine reguläre Beschäftigung verdrängt wird und die regionale Wirtschaft nicht durch Wettbewerbsverzerrungen beeinträchtigt wird. Es kommt hier auf eine sorgfältige, regional differenzierte und mit den Akteurinnen und Akteuren vor Ort abgestimmte Auswahl der Tätigkeitsbereiche an. Dabei müssen wir davon abkommen, die geforderte Zusätzlichkeit  zu eng zu sehen. Wir brauchen eine neue Definition der Zusätzlichkeit, weg von der Zusätzlichkeit der Arbeiten, hin zur „Zusätzlichkeit“ der Beschäftigung.
Zusätzlich ist die Arbeit, die in der Region über die Mechanismen des Marktes von den Unternehmen nicht geschaffen wird. Zusätzlich kann auch die Arbeit sein, die von der Kommune aufgrund der Haushaltssituation nicht mehr finanziert werden kann. Hierüber muss Konsens bei den lokalen Arbeitsmarktakteurinnen und -akteuren erzielt werden.

Gebraucht wird aber vor allem ein solider finanzieller Rahmen für öffentlich geförderte Beschäftigung. Da haben sich in den letzten Jahren die Rahmenbedingungen auf Seiten des Bundes leider eindeutig verschlechtert. Die Reform der Arbeitsförderinstrumente im SGB II und III  2011 sowie Kürzungen im Eingliederungstitel erschweren unser arbeitspolitisches Handeln auf Länderebene.
Mit der nachhaltigen Finanzierung von Beschäftigung von arbeitslosen, benachteiligten Personen wäre der Landeshaushalt allein schnell überfordert. Hier geht es nicht ohne die Hilfe des Bundes. Deshalb setzen wir uns auf Bundesebene auch immer wieder für die Verbesserung der Rahmenbedingungen ein, etwa für die Möglichkeit, passive Mittel des Bundes für Arbeitslosengeld II für die Finanzierung von Beschäftigung zu aktivieren. Ich gebe zu, das sind gleich mehrere dicke Bretter, die zu bohren sind. Aber das ist es wert.

Ich möchte mich im Folgenden auf die Frage konzentrieren, welche Rolle soziales Unternehmertum für öffentlich geförderte Beschäftigung spielen kann. Hierzu werde ich einen kurzen Überblick über die Entwicklung sogenannter sozialer Unternehmen in Brandenburg geben, um dann im Anschluss Chancen zu skizzieren, die soziale Unternehmen für die Bekämpfung von Arbeitslosigkeit bieten können.

Zunächst einmal:
Was sind eigentlich soziale Unternehmern?
Was unterscheidet sie von anderen Unternehmen?

Es ist festzustellen, dass es eine einheitliche Definition für soziale Unternehmen nicht gibt. Der deutsche Begriff Sozialunternehmen, der in der aktuellen Debatte beispielsweise auch in den Dokumenten der Europäischen Union zu den Strukturfonds verwendet wird, lässt sich aber aus dem englischen Begriff des Social Entrepreneur bzw. Social Entrepreneurship ableiten. Er taucht in den 60er und 70er Jahren verstärkt im angelsächsischen Raum auf und wurde in den 80er und 90er Jahren weitestgehend von dem ehemaligen McKinsey-Berater Bill Drayton geprägt, der 1980 mit ASHOKA die weltweit wohl wichtigste Organisation für soziales Unternehmertum gegründet hat. Die Organisation ASHOKA fördert soziale Unternehmerinnen und Unternehmer über Stipendien und Beratung und unterstützt beim Anschluss an Netzwerke im sozialen Sektor sowie in Wirtschaft und Wissenschaft, damit sie ihre Projekte verbreiten können. Eine weitere wichtige Organisation für Social Entrepreneurs ist die von Klaus Schwab, Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums, ins Leben gerufene Schwab Foundation. Auch sie unterstützt weltweit Sozialunternehmerinnen und -unternehmer und kürt seit 2006 den „Social Entrepreneur des Jahres“. Dieser eher wirtschaftsliberale Hintergrund ist wichtig, um die Philosophie des Sozialunternehmertums (wie im EU-Förderkontext verbreitet) verstehen zu können.

Gemeinsames Merkmal der sozialen Unternehmen im Sinne der Social Entrepreneurs ist, dass soziale Belange unternehmerisch bewältigt werden sollen. Ihr Unternehmenszweck wird nicht primär in der Gewinnerzielung gesehen, sondern in der Schaffung eines gesellschaftlichen Nutzens. Sozialunternehmerinnen und -unternehmer wollen mit neuen bzw. innovativen Ansätzen möglichst nachhaltige Lösungen für soziale oder gesellschaftliche Probleme finden und dabei unternehmerisch handeln. Das Unternehmen erwirtschaftet am Markt seine Kosten und ist damit profitabel, wobei der Profit weitgehend im Unternehmen verbleibt bzw. dem Unternehmensziel zugeführt wird. Der Erfolg des Unternehmens wird schließlich an der gesellschaftlichen Veränderung und nicht am finanziellen Gewinn gemessen.

Hier wird also eine fast vollständige Analogie zu einem am Mark tätigen Unternehmen hergestellt; mit einer einzigen Änderung: Die Gewinne sollen nicht (primär) dem Profit des Unternehmers bzw. der Unternehmerin dienen, sondern der Realisierung des sozialen Unternehmenszwecks. Es geht also um eine andere - hier soziale - Grundphilosophie des Unternehmertums, wobei die Handlungslogik weitestgehend unternehmerischen Regeln unterliegt. Betriebswirtschaftliche Denk- und Handlungsweisen sollen das Sozialunternehmen angelsächsischer Prägung dominieren.

In Deutschland waren soziale Unternehmen bislang eher im Kontext der Entwicklung und Herausbildung des  Wohlfahrts- und Sozialsystems des 19. Jahrhunderts zu betrachten. Der deutsche Sozialstaat hat ausgeformte Institutionen wie Sozialversicherungen, Wohlfahrtsverbände oder Wohnungsbaugenossenschaften hervorgebracht, die traditionell zwischen sozialer, zivilgesellschaftlicher und ökonomischer Logik agierten. Organisationen in diesem sogenannten Dritten Sektor (häufig wird hier auch der Begriff Sozialwirtschaft verwendet) handeln nach ihrem Selbstverständnis sowohl als Dienstleistungserstellende als auch Interessenvertretung und tragen wesentlich zur sozialen Integration der Gesellschaft bei.[1] Die traditionellen Wohlfahrtsorganisationen haben einen enormen beschäftigungspolitischen Stellenwert. Allein in Brandenburg beschäftigen sie über 65.000 Personen sozialversicherungspflichtig.[2] Seit dem letzten Jahrzehnt unterliegen sie jedoch einem enormen Ökonomisierungsdruck. Die Einführung marktförmiger Anreize in der Finanzierung dieser Wohlfahrtsorganisationen erzeugte einen erheblichen Wettbewerbs- und Rationalisierungsdruck, der zum einen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in vielen Fällen verändert, zum Teil  verschlechtert hat und zudem den Blick auf rein monetäre Aspekte einengt. Gleichzeitig treten verstärkt neue Akteurinnen und Akteure  auf den Plan, die stärker auf unternehmerische Lösungen für soziale und ökologische Probleme setzen: die Social Entrepreneurs bzw. Sozialunternehmerinnen und –unternehmer.

Im Idealfall sollen marktbasierte Einkommen für selbsttragende Lösungen sorgen. Das entlastet die öffentlichen Kassen. Inwieweit dies tatsächlich gelingt, ist immer kritisch zu beobachten. Wachsam sollten wir sein, damit die Logik des Marktes und des Wettbewerbs nicht dazu führt, dass sich der Sozialstaat immer weiter aus der öffentlichen Daseinsvorsorge zurückzieht und ersetzt wird, durch Wohltätigkeitsstrukturen in den Händen privater Unternehmen. Der Staat darf seine soziale Verantwortung gegenüber der Bevölkerung nicht aufgeben und hat für einen sozialen Ausgleich zu sorgen.

Mir ist es wichtig, auch die möglichen Schattenseiten eines, wie ich finde, falsch verstandenen sozialen Unternehmertums im Auge zu behalten, damit die politisch gewollte Förderung von sozialen Unternehmen da einsetzt, wo sie sinnvoll ist und Lücken schließt. Im Bereich der Arbeitsförderung sehe ich hier Potenzial, das auch fachlich gerechtfertigt ist und langzeitarbeitslosen Menschen wieder eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt erschließen kann.

Im Folgenden möchte ich über die sozialen Unternehmen sprechen, die sich die Beschäftigung und Förderung von langzeitarbeitslosen Menschen mit Produktivitätseinschränkungen und/oder Vermittlungshindernissen zum Ziel gesetzt haben. Sie werden im deutschsprachigen Raum häufig als Sozialbetriebe aber auch als sozial-ökonomische Betriebe oder Sozialfirmen bezeichnet. Als vorwiegendes Ziel verfolgen sie die Arbeitsmarktintegration ihrer Beschäftigten in den regulären Arbeitsmarkt. Man kann sie somit als Teil eines sozialen bzw. integrativen Arbeitsmarktes sehen, der letztendlich den Blick auf reguläre Beschäftigung beibehält. Um ihre Ziele zu erreichen, handeln sie unternehmerisch. Sie erwirtschaften eigene Einnahmen, indem sie Produkte und/oder Dienstleistungen mit der Arbeitskraft der vormals Arbeitslosen erstellen, anbieten und verkaufen. Darüber hinaus kann es auch Sozialbetriebe geben, die überwiegend Menschen mit schwerwiegenden, berufsbezogenen Beeinträchtigungen beschäftigen, die auf lange Sicht keine Chancen auf eine Integration in den sogenannten regulären Arbeitsmarkt zulassen. Hier macht das unternehmerische Denken und Handeln der Beschäftigungsträger Sinn, da hierdurch eine reale Arbeitswelt für die eingestellten Arbeitslosen geschaffen wird und keine künstliche Maßnahme-Umgebung, die gerade langzeitarbeitslose Menschen satt haben. Für langjährige Arbeitslose mit zahlreichen Maßnahme-Erfahrungen kann es nichts Besseres geben, als wieder eine richtige Arbeit zu haben. Dies ermöglichen Sozialbetriebe, die Aufträge akquirieren und abarbeiten und dabei den Beschäftigten Betreuungs- und Unterstützungsstrukturen zur Seite stellen.

Diese Art von Sozialbetrieben werden in Brandenburg vor allem durch Arbeits-, Bildungs- und Strukturfördergesellschaften (ABSen) – wenn auch nicht allein - repräsentiert; aktuell im besonderen Maße durch das Sozialwerk Horizont. Die ABSen haben seit der Wende tausenden Arbeitslosen - allein die Mitglieder des Brandenburger Landesverbandes der ABSen ( BLV) über 300.000 Personen[3] - immerhin zeitlich befristet Arbeit gegeben, sie qualifiziert und ihnen Wege geebnet und aufgezeigt, sich berufliche Perspektiven zu erschließen und ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen.

Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) incl. Vergabe-ABM, Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM) und § 19 Bundessozialhilfegesetz (BSHG) waren die wesentlichen gesetzlichen Instrumente, mit denen der Transformationsprozess in den neuen Bundesländern nach der Wende abgefedert wurde. Mit ABM konnten zusätzliche und im öffentlichen Interesse liegende Aufgaben umgesetzt werden. Um darüber hinaus auch regionalpolitisch sinnvolle Aufgaben zu erledigen, bedurfte und bedarf es eines ständigen Aushandlungsprozesses mit der örtlichen Wirtschaft. Mit Vergabe-ABM wurde zeitweilig ein Instrument geschaffen, ABM unmittelbar mit der Erbringung öffentlicher Aufträge zu verknüpfen. Weitere gesetzliche Instrumente waren § 19 Bundessozialhilfegesetzes (BSHG), das Landesprogramm „Arbeit statt Sozialhilfe“ und die im Jahre 1991 (§ 249 h AFG) eingeführten später sog. Strukturanpassungsmaßnahmen (SAM), welche in 2003 mit ABM zusammengefasst wurden. Hiermit sollte „Arbeit statt Arbeitslosigkeit“, wie es vom Brandenburger Arbeitsministerium formuliert wurde, gefördert werden. Eingesetzt wurden von der Bundesanstalt die eingesparten Mittel für Arbeitslosengeld und -hilfe und vom Land ergänzende Mittel. Ein weiter Kanon von Einsatzfeldern wurde möglich: Erhaltung und Verbesserung der Umwelt, Verbesserung des Breitensports, der Kulturarbeit, der Denkmalpflege, der Städtebauerneuerung, städtebaulicher Denkmalschutz und die Verbesserung des Wohnumfeldes und der Infrastruktur.

Die ABSen bildeten dabei seit der Wende eine arbeitsmarktpolitische Infrastruktur. Die ABSen mussten sich ständig neuen Förderbedingungen stellen, Finanzierungsmöglichkeiten suchen, sich an Ausschreibungen beteiligen, um ihren Geschäftszweck erfüllen zu können. Sie bieten eine gute Basis, um sie zu Sozialbetrieben weiterzuentwickeln, die von privaten und öffentlichen Akteuren Aufträge akquirieren und nachhaltig eigene Einnahmen zur Finanzierung der Lohnkosten der eingestellten Arbeitslosen erzielen.

Sozialbetriebe stehen vor der Herausforderung einerseits, unterschiedliche Förderungen zu nutzen und andererseits, Aufträge aus der Wirtschaft oder der öffentlichen Hand zu akquirieren bzw. am Markt tätig zu werden. Dafür sind ABSen aus meiner Sicht gut gerüstet.

Sie haben jahrelange Erfahrung

  • mit der Betreuung von Langzeitarbeitslosen
  • in der Akquisition von Fördermitteln und
  • sie besitzen in vielen Fällen die unternehmerische Kompetenz, um Geschäftsfelder aufzuschließen, wo sie auf unterschiedliche Weise Langzeitarbeitslosen Beschäftigung geben können.

 

Darüber hinaus sind sie in ihrer Region verankert und eingebunden, so dass sie die sozialen Belange sowie die Unternehmen in den Gemeinden kennen. Dies sollte helfen, um erfolgreich Aufträge akquirieren zu können.

Ich möchte in diesem Zusammenhang erwähnen, dass das MASGF in den letzten Jahren die organisatorische Weiterentwicklung der ABSen immer wieder unterstützt hat. Um nur einige aus meinem Hause geförderte Projekte zu nennen:

  • Modellprojekt „ProbE“ - Im Projekt ging es um die Entwicklung von Qualitätsstandards für Prozesse in öffentlich geförderter Beschäftigung unter Nutzung anerkannter Qualitätsnormen, wie DIN ISO 9001 und AZAV
  • Das Projekt „Stärkung sozialbetrieblicher Strukturen in ABS“ wurde im Rahmen der Transnationalen Richtlinie gefördert. Durch den Austausch mit internationalen Partnern wurden Wege und Instrumente für sozialbetriebliche Geschäftsmodelle für Brandenburger ABSen entwickelt.

Ohne eine ausreichende Förderung von Beschäftigungsverhältnissen für ehemals Langzeitarbeitslose ist das Betreiben eines Sozialbetriebes jedoch nur schwer durchführbar. Brandenburg, wie jedes andere Bundesland, wäre mit einer entsprechenden Förderung überfordert. Daher ist zu hoffen, dass der Bund ein Gesetz zur Neuausrichtung öffentlich geförderter Beschäftigung in Angriff nehmen wird. Insbesondere müssten die Förderbedingungen des § 16 e SGB II verbessert werden. Die Förderung von Arbeitsverhältnissen nach § 16e SGB II ist auf zwei Jahre begrenzt und beträgt maximal 75 % des Arbeitsentgelts. Hier wäre es sinnvoll, wenn zumindest eine Entfristung auf Bundesebene erzielt werden könnte.
Sinnvoll für Langzeitarbeitslose, die schon sehr lange zu Hause sind, wäre auch, wenn in der ersten Beschäftigungsphase der komplette Lohn gefördert werden könnte. Zudem können Beschäftigungsverhältnisse für diese Menschen auch im Rahmen der freien Förderung nach § 16f SGB II realisiert werden. Die Kommunen könnten z.B. im Rahmen eingesparter Kosten der Unterkunft  einen Teil der anfallenden Lohnkosten übernehmen. In jedem Fall ist die intensive Zusammenarbeit mit den örtlichen Jobcentern und Kommunen für Sozialbetriebe unerlässlich.

Das MASGF bemüht sich zurzeit um Möglichkeiten, aus Mitteln des ESF die Arbeit von Sozialbetrieben finanziell zu unterstützen. Ich bin zuversichtlich, dass zu Beginn des nächstens Jahres eine entsprechende Förderung zur Verfügung steht. Hierzu sind neben inhaltlichen Fragen auch noch die finanziellen und formellen Voraussetzungen im Rahmen des bestehenden neuen Operationellen Programms des ESF zu prüfen.

Klar ist für mich bereits jetzt, dass aufgrund der besonderen sozialunternehmerischen Zielsetzung - Beschäftigung und Förderung von Langzeitarbeitslosen - Sozialbetriebe spezifische Belastungen zu tragen haben.
Zum einen müssen sie mit Beschäftigten agieren, deren Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist. Zum anderen fallen im Produktionsprozess zusätzliche Kosten für Betreuung und Anleitung an. Diese Zusatzbelastungen könnten förderpolitisch ausgeglichen werden. Das schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber Unternehmen ohne arbeitsmarktintegrative Zweckbindung.

Für das Land wäre aus heutiger Sicht die Bezuschussung von Personalkosten für Betreuung und Anleitung denkbar. Die Zuschüsse für die eingestellten Langzeitarbeitslosen sollten jedoch, wie bereits dargestellt, primär aus Mitteln der Arbeitsförderung des Bundes kommen. Für Overheadkosten sowie Mieten und Sachkosten sind eigene Erlöse heranzuziehen. Investitionskosten wären über Kredite und Instrumente der Wirtschaftsförderung zu decken.

Grundbedingungen für eine Förderwürdigkeit von Sozialbetrieben wären:

  • es liegt ein nachvollziehbar und erfolgsversprechender Businessplan vor,
  • es werden Produkte und/oder Dienstleistungen erstellt, die am Markt abgenommen werden können,
  • der Sozialbetrieb wird durch die betreffenden Kommunen unterstützt und von einem breiten regionalen Umfeld getragen,
  • für die angedachten Tätigkeitsfelder wird der regionale Konsens mit der regionalen Wirtschaft hergestellt,
  • es stehen ausreichende Produktionskapazitäten zur Verfügung (Werkstätten, Büros etc.),
  • Absicherung einer längerfristigen degressiven Förderung der Lohnkosten der eingestellten Langzeitarbeitslosen.

Wir bemühen uns in der Landesregierung nach allen Kräften, dem Recht auf Arbeit für alle gerecht zu werden. Wir setzen dazu Landesmittel und Gelder vom Bund und der Europäischen Fonds ein. Hier sind die Möglichkeiten immer wieder neu auszutarieren. Die Förderung von Sozialbetrieben, die explizit langzeitarbeitslosen Menschen einen Arbeitsvertrag geben und sie in der Arbeit und mit der Arbeit aktiv bei der Wiedereingliederung in den regulären Arbeitsmarkt unterstützen, ist ein Mosaikstein für die Neugestaltung eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors. Machen wir uns nichts vor, von einem nachhaltigen öffentlich finanzierten Arbeitsmarkt sind wir jedoch noch weit entfernt. Hier ist in der politischen Arena noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Ich bin mir aber sicher, dass gelungene Beispiele, wie es das Sozialwerk Horizont darstellt, die Akzeptanz für langfristige Förderungen von Lohnkosten für langzeitarbeitslose Menschen steigern werden. Lassen sie uns mehr von diesen guten Beispielen in Brandenburg schaffen.



[1] Vgl.: Ökonomisierungstrends im Dritten Sektor, Patrick J. Droß, WZB Berlin, 2013.

[2] Siehe: Zur Situation, zu den Leistungen und sozialen Effekten von Dritte-Sektor-Organisationen im Land Brandenburg, Projektgruppe Zivilengagement und WZB Berlin, S. 102.

[3] Angabe des Brandenburger Landesverband der ABSen e.V.