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04.05.2015Europäischer Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung: Golze und Dusel: Barrierefreiheit weiter verbessern | 060/2015

Rollstuhlfahrer vor Treppe, © peppi18 - Fotolia.com Neues Fenster: Bild - Rollstuhlfahrer vor Treppe - vergrößern © peppi18 - Fotolia.com

Nur bei vier Prozent von allen Menschen mit Behinderungen in Deutschland sind die Behinderungen angeboren. In der überwiegenden Mehrzahl werden die Behinderungen zu einem späteren Zeitpunkt im Leben zum Beispiel durch einen Unfall oder einer Krankheit erworben. Vor dem morgigen Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (5. Mai) sagten Brandenburgs Sozialministerin Diana Golze und Landesbehindertenbeauftragter Jürgen Dusel heute in Potsdam: „Von einer barrierefreien Umwelt profitieren alle Menschen. Jeder Mensch kann irgendwann in seinem Leben einmal auf barrierefreie Zugänge im öffentlichen Raum angewiesen sein. Die Wahrscheinlichkeit, eine Behinderung zu erwerben, steigt mit zunehmendem Alter. Deshalb ist es für die ganze Gesellschaft so wichtig, die Barrierefreiheit weiter zu verbessern.“

Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ist 1992 auf Initiative der „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben“ entstanden. Er findet jedes Jahr am 5. Mai – gleichzeitig der Europatag des Europarates – statt. In Berlin veranstalten morgen der Berliner Behindertenverband, der Sozialverband Deutschland - Landesverband Berlin-Brandenburg und die Bundesinitiative „Daheim statt Heim“ eine Demonstration mit anschließender Kundgebung am Brandenburger Tor. Unter dem Motto „Aufzug statt Auszug“ soll gegen jegliche Formen der Diskriminierungen durch bauliche Maßnahmen protestiert werden.

Golze sagte: „Bahnsteige und öffentliche Gebäude, die nur über Treppen zu erreichen sind, hohe Bordsteinkanten oder zu kleine Schrift auf Anzeigetafeln. Jede Barriere ist eine zu viel. Uneingeschränkte Teilhabe ist ein Menschenrecht. Grundvoraussetzung dafür ist eine barrierefrei gestaltete Umwelt. Seit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 wurden auch in Brandenburg verstärkt Barrieren abgebaut. Aber es gibt trotzdem noch viel zu tun. Deswegen ist es auch wichtig, dass die Menschen für die Umsetzung ihrer Rechte demonstrieren.“

Dusel betonte: „Bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention geht es nicht nur um bauliche Fragen. Es sind vor allem die einstellungsbedingten Barrieren in den Köpfen, die Teilhabe behindern oder unmöglich machen. Das Motto: ‚Behindert ist man nicht, behindert wird man‘ drückt dies sehr gut aus. Es geht auch um Wertschätzung, Respekt und Anerkennung. Leider werden Menschen mit Behinderungen im Alltag noch viel zu oft eher als Bittsteller denn als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger wahrgenommen. Hier muss ein Umdenken stattfinden.“

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes treten Behinderungen vor allem bei älteren Menschen auf. So waren im Jahr 2013 in Deutschland nahezu ein Drittel der schwerbehinderten Menschen 75 Jahre und älter, knapp die Hälfte gehörte der Altersgruppe zwischen 55 und 75 Jahren an. Mit 85 Prozent wurde der überwiegende Teil der Behinderungen durch eine Krankheit verursacht, vier Prozent der Behinderungen waren angeboren beziehungsweise traten im ersten Lebensjahr auf und zwei Prozent waren auf einem Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen.

In Brandenburg leben rund 480.000 Menschen mit Behinderungen. Davon sind rund 325.000 schwerbehindert.

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