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19.10.2015Europäischer Tag gegen Menschenhandel / Ausstellung „Menschenhandel – Situation, Rechte und Unterstützung in Deutschland“ im Frauenministerium | 158/2015

Menschenhandel ist ein weltweites Verbrechen, mit dem auch das Land Brandenburg konfrontiert ist. Anlässlich des Europäischen Tages gegen Menschenhandel wurde heute im brandenburgischen Frauenministerium die neue Wanderausstellung „Menschenhandel – Situation, Rechte und Unterstützung in Deutschland“ eröffnet. Sie wurde vom Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel (KOK) in Zusammenarbeit mit IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin e.V. entwickelt und ist bis zum 23. Oktober in Potsdam zu sehen. Anschließend wird sie bis zum 13. Dezember an weiteren Orten im Land Brandenburg und in Berlin präsentiert.

Frauenministerin Diana Golze: „Menschenhandel ist eine moderne Form von Sklaverei und stellt eine eklatante Menschenrechtsverletzung dar. Das betrifft auch Brandenburg, das sowohl Transit- als auch Zielland von Menschenhandel vor allem zum Zwecke der Zwangsprostitution ist. Besonders die Zwangslagen von Frauen sind oft ein äußerst gewinnbringendes Geschäft für die organisierte Kriminalität. Mit falschen Versprechen werden sie nach Westeuropa gelockt, um dann gnadenlos ausgenutzt und missbraucht zu werden. Dagegen muss entschlossen vorgegangen werden. Diese Frauen brauchen unseren Schutz. Es ist wichtig, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit dargestellt und diskutiert wird.“

Die Wanderausstellung wurde heute von Brandenburgs Landesgleichstellungsbeauftragte Monika von der Lippe, Naile Tanış, Geschäftsführerin des KOK, sowie Barbara Eritt, Leiterin der „IN VIA Beratungsstelle für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind“ in Berlin und Brandenburg, im Foyer des Frauenministeriums eröffnet.

Landesgleichstellungsbeauftragte Monika von der Lippe: „Es darf null Toleranz gegenüber skrupellosen Freiern geben, die die Situation von Zwangsprostituierten wissentlich ausnutzen. Hier muss der Staat entschlossen durchgreifen und die Nachfrage, die erst den Markt für Menschenhändler schafft, bekämpfen. Auf der anderen Seite brauchen die betroffenen Frauen Hilfe. Die Beratungsangebote von IN VIA leisten hier in Brandenburg einen unverzichtbaren Dienst. Wir müssen die Frauen ermutigen, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen, und ihnen zeigen, dass es für sie einen Ausweg gibt. Sie haben Rechte. Aber ohne Hilfe wird es ihnen kaum gelingen, ihre Rechte durchzusetzen.“

KOK-Geschäftsführerin Naile Tanış: „Aufklärung und Informationen spielen bei der Bekämpfung des Menschenhandels eine ganz entscheidende Rolle. Je besser die ganze Gesellschaft für das Thema sensibilisiert ist, umso entschlossener können auch die Rechte der Betroffenen durchgesetzt werden. Mit der Ausstellung verfolgen wir auch ganz bewusst einen Perspektivwechsel: Weg von dem alleinigen Fokus auf die Strafverfolgung der Täterinnen und Täter, hin zu einer stärkeren Wahrnehmung der Betroffenen als Trägerinnen und Träger von Menschenrechten. Auf Grund der Komplexität des Themas besteht oft ein sehr einseitiges Bild von Menschenhandel. Die Wanderausstellung des KOK, die in ganz Deutschland präsentiert wird, trägt dazu bei, ein differenziertes Bild zu vermitteln. Betroffene von Menschenhandel benötigen vor allem eine Stärkung ihrer Position durch Sicherheit, Rechte, Unterstützung und Perspektiven. Notwendig ist es, hier zügiger voranzugehen und zu handeln. Menschenhandel ist ein ganz aktuelles Thema, das uns direkt betrifft.“

IN VIA-Leiterin Barbara Eritt: „Menschenhandel ist ein Gewaltdelikt, mit deren Folgen die Betroffenen ihr Leben lang zu kämpfen haben. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass die Täter oft nur auf der Grundlage der Aussagen der Opferzeuginnen überführt und angeklagt werden können. Die Bekämpfung von Menschenhandel erfordert daher guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen Fachberatungsstellen und Ermittlungsbehörden. Betroffene von Menschenhandel sind sowohl Migrantinnen als auch deutsche Frauen und Mädchen. Besonders besorgniserregend ist die wachsende Zahl der minderjährigen Opfer von Menschenhandel. Der Opferschutz sowie die Sensibilisierungs- und Präventionsmaßnahmen sollten für die zukünftigen Handlungsansätze in der Bekämpfung von Menschenhandel eine besondere Priorität haben.“

Die Wanderausstellung informiert über verschiedene Formen und Zielgruppen von Menschenhandel, beschreibt die Rechte der Betroffenen sowie aktuelle Probleme in deren Durchsetzung und schildert die Arbeit der bestehenden Unterstützungsstrukturen in Deutschland.

In Brandenburg gibt es seit 2011 in Königs Wusterhausen eine Koordinierungs- und Beratungsstelle für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind. Sie wird vom Verein IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin betrieben. Das Angebot umfasst Informationen und Beratung in Deutsch, Russisch, Polnisch, Rumänisch und Englisch. Die Beraterinnen begleiten Frauen bei Behördengängen, Gerichtsverfahren, vermitteln medizinische Hilfen und helfen bei der Suche nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten. Das Frauenministerium fördert die Arbeit pro Jahr mit über 80.000 Euro.

Der Europäische Tag gegen Menschenhandel findet jedes Jahr am 18. Oktober statt. Mit dem Aktionstag soll die Öffentlichkeit für das Thema Menschenhandel sensibilisiert und die Aufmerksamkeit auf die Opfer von Zwangsarbeit oder erzwungener sexueller Ausbeutung gelenkt werden. Im Jahr 2012 waren in der Europäischen Union laut einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation ILO über 880.000 Menschen von Zwangsarbeit, davon 30 Prozent von sexueller Ausbeutung und 70 Prozent von extremer Arbeitsausbeutung, betroffen.

Nach der Definition der Vereinten Nationen im sogenannten Palermo-Protokoll liegt Menschenhandel vor, wenn eine Person gegen ihren Willen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder andere Formen der Nötigung von einer anderen Person ausgebeutet wird. Die Ausbeutung kann verschiedene Formen annehmen, wie zum Beispiel sexuelle Ausbeutung, Arbeitsausbeutung oder auch die Entnahme von Organen.

Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es im Internet unter www.kok-gegen-menschenhandel.de/kok-ausstellung.html.

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