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Neu in Brandenburg: Koordinierungsstelle für von Gewalt betroffene (Flüchtlings-)Frauen

von Monika von der Lippe

Geflüchtete Frauen, die zu uns kommen, haben vermutlich fast alle Gewalt erleiden müssen. Übergriffe fanden im Heimatland statt, waren vielleicht auch Fluchtgrund, sie wurden während der Flucht verübt, vom eigenen Partner, von Mitreisenden oder von Tätern im Ankunftsland. Auch in den Unterkünften gibt es Übergriffe auf geflüchtete Frauen. Das ist leider keine überraschende Erkenntnis – man geht davon aus, dass hierzulande jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Opfer gewalttätiger Übergriffe wird. Für Flüchtlingsfrauen ist die Situation allerdings noch komplizierter: So haben sie möglicherweise einen kulturellen Hintergrund, der ihnen verbietet, diese Übergriffe öffentlich zu machen. Oder sie sind traumatisiert, ziehen sich zurück und möchten sich nicht äußern. Oder sie befürchten Auswirkungen auf ihr Asylverfahren, wenn sie sich an die Polizei wenden. Aus diesen und anderen Gründen geht man davon aus, dass nicht alle Übergriffe auf geflüchtete Frauen auch bekannt werden. Aber schon aufgrund der vorhandenen Fallzahlen und mit dem Hintergrund einer vermuteten hohen Dunkelziffer, die auch Nicht-Geflüchtete betrifft, muss der Schutz der geflüchteten Frauen vor Gewalt besonders erstgenommen werden. Vorsorglich sollten bauliche Maßnahmen getroffen werden, die etwa eine getrennte Unterbringung von alleinreisenden Frauen ermöglicht. Außerdem sollte das gesamte Personal in Unterkünften sensibilisiert und für den Umgang mit Gewalt geschult werden. So gibt es viele Möglichkeiten, präventiv tätig zu werden. Leider können auch durch Vorsorgemaßnahmen nicht alle Gewaltvorfälle verhindert werden, deshalb ist es auch wichtig, dass in solchen Situationen richtig reagiert wird. Hinweise zum richtigen Verhalten, Ansprechpartner/ innen und konkrete Informationen dazu werden in einer Handreichung zusammengefasst, die die Unterarbeitsgruppe Flüchtlingsfrauen beim Landesintegrationsbeirat erarbeitet hat. Sie wird im August veröffentlicht und ist dann auch auf der Webseite www.gleichstellung.brandenburg.de abrufbar.

In den verschiedenen Landkreisen Brandenburgs gibt es bereits eine ganze Reihe von positiven Beispielen für Gewaltschutzmaßnahmen. Diese werden auf einer Fachtagung im Herbst in Potsdam präsentiert. Die Idee dahinter ist, dass die Beteiligten sich gegenseitig über ihre best practice-Beispiele informieren und austauschen und diese so weitere Anwendung vielleicht auch landesweit finden können.

Geflüchtete Frauen, die in Brandenburg Opfer sexualisierter Übergriffe werden, können in Frauenhäusern und Frauenschutzwohnungen Zuflucht suchen. Diese Möglichkeit für alle Frauen unabhängig von ihrem Status ist nicht in allen Bundesländern gegeben. Und in der Tat kommen in den brandenburgischen Frauenhäusern immer mehr Geflüchtete mit ihren Kindern an. Damit ergeben sich für die Mitarbeiterinnen zunehmend neue Herausforderungen: So etwa Fragen zur Absicherung des Eigenanteils für den Frauenhausaufenthalt, Sprachmittlung für die Beratung, schwierige aufenthalts- und asylrechtliche Fragen, insbesondere auch bei Landkreiswechseln, Unterstützungsmöglichkeiten bei vorliegender Traumatisierung und die Wahrung der Anonymität der Schutzeinrichtungen bei zunehmend gut vernetzten Tätergruppen. Mit diesen Herausforderungen sind landesweit alle Frauenschutzeinrichtungen konfrontiert. Deshalb hat die Landesregierung zum 1. Juli 2016 eine Koordinierungsstelle für von Gewalt betroffene (Flüchtlings)Frauen eingerichtet. Hierhin können sich die Schutzeinrichtungen mit ihren speziellen Fragen wenden und hier werden diese gesammelt einer Lösung zugeführt. Außerdem wird von hier aus konkrete Hilfestellung für die Beschäftigten in Unterkünften, für Träger und Behörden geleistet und es werden auch Schulungen angeboten. In der Koordinierungsstelle in der Potsdamer Charlottenstraße sind derzeit zwei Mitarbeiterinnen beschäftigt, die die Arbeit aufnehmen und die Kontakte zu Behörden und Hilfeeinrichtungen herstellen. Die Anbindung an die Landesregierung in Person der Landesgleichstellungsbeauftragten Monika von der Lippe gewährleistet einen direkten Draht zu Politik und Verwaltung. Wenn Sie mit Frau Buschmann in der Koordinierungsstelle in Kontakt treten möchten, können Sie das tun unter der Adresse koordinierung@frauenhaeuser-brandenburg.de.