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Grußwort: Workshop Gewalt - Trauma - Sucht, Traumabewältigung gezielt unterstützen am 26.09.2016

Sehr geehrte Frau Rünger,
sehr geehrte Frau Sandrock,
sehr geehrte Referentinnen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

 

vielen Dank für die Einladung zum heutigen Workshop, der sich der gezielten Unterstützung von Traumabewältigung nach Gewalterfahrungen widmet. Ich denke, dass Sie mit der Wahl dieses Themas einen wichtigen und dringend zu erörternden Punkt in der Arbeit mit gewalterfahrenen Frauen ansprechen und freue mich daher sehr, heute hier sein zu können. Frau Ministerin Golze kann leider nicht teilnehmen, ich darf Sie aber ganz herzlich von ihr grüßen!

Gewalt gegen Frauen – sie passiert täglich und überall: zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit und im Internet. Und sie hat viele Gesichter: sie kann physischer und psychischer, aber auch sexualisierter Natur sein. Besonders im häuslichen Bereich geschieht sie zudem erschreckend oft:  im Jahr 2014 registrierte die Brandenburger Polizei 2.909 weibliche Opfer von häuslicher Gewalt. Das sind rund 75 % aller Opfer häuslicher Gewalt in Brandenburg und bedeutet  einen Anstieg der häuslichen Gewalt um 5,3 % gegenüber dem Vorjahr. Und wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Dunkelziffer derjenigen, die nicht zur Polizei gehen, deutlich höher ist. So zeigt eine aktuelle Dunkelfeldstudie (Dezember 2015) der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern, dass im Bereich häuslicher Gewalt 98,4 % und im Bereich der Sexualstraftaten 98,9 % der Fälle nicht zur Anzeige gebracht werden.

Angesichts dieser Zahlen brauchen wir eine gute, sinnvolle und hilfreiche Unterstützung für die betroffenen Frauen. Dabei ist es nicht immer leicht, erlittene Gewalt zu identifizieren und ihre Folgen richtig und gut zu erkennen. Diese Aufgabe stellt Betroffene wie Fachleute in jedem Einzelfall vor ganz besondere Herausforderungen.

Was aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, können die Folgen erlittener Gewalt sein? Neben sozioökonomischen Folgen, beispielsweise für das Familiengefüge, möchte ich hier passend zum Thema der heutigen Veranstaltung die gesundheitlichen Folgen nennen. Nicht selten kämpfen Frauen nach Gewalterfahrungen mit Depressionen, Angstzuständen, Panikattacken, Schlafstörungen und anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Auslöser sind oft erlittene Traumata, die es fachgerecht und sensibel zu bearbeiten gilt. Geschieht dies nicht, können Traumata Symptome wie Überregung, Vermeidung, Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen oder selbstzerstörische Verhaltensweisen hervorrufen. Die betroffenen Frauen sehen sich wieder und wieder mit negativen Erfahrungen und Emotionen konfrontiert, die sie ohne fachgerechte angemessene Betreuung und Begleitung viel zu oft mit Alkohol, Drogen, Medikamenten oder anderen Suchtmitteln zu betäuben versuchen. Ich bin in diesem Zusammenhang auf eine interessante Aussage von Frau Dr. Brigitte Bosse vom Traumainstitut Mainz gestoßen, die anlässlich einer Fachtagung zum Zusammenhang von Trauma und Sucht bei Frauen im Jahr 2012 äußerte, dass der Missbrauch von Drogen ein „Phänomen des Unverbundenseins“ darstelle. Mir erschloss sich die Plastizität dieser Aussage sofort: suchen die betroffenen Frauen über die Drogen eine Loslösung aus dieser Welt mit all den verbundenen Problemen. Andererseits versuchen die betroffenen Frauen damit aber auch, das erlittene Leid zu bewältigen. Da aber Suchtmittel immer nur temporär und nur scheinbar eine Linderung bieten können, geraten die Frauen in einen Teufelskreis der Abhängigkeit. Eine erfolgreiche Bewältigung der Traumafolgen schlägt fehl. Dies kann nur über eine gute Beratung und fachspezifische Versorgung gelingen. 

Hier muss eine gute Beratung ansetzen, um die jeweiligen Bedarfe richtig zu erkennen und hilfreiche Unterstützungswege anbieten zu können, die es den betroffenen Frauen ermöglicht, irgendwann einmal ein selbstbestimmtes, gesunde Leben zu leben – frei von  Angst und Sucht.

Frauen, die Gewalt erfahren haben und in der Folge unter einer Suchtmittelabhängigkeit leiden, brauchen also bezogen auf die Gewalterfahrung ebenso Angebote und Hilfe, wie im Hinblick auf die Sucht. Das bedeutet nichts anderes, als dass Gewalt und Sucht erkannt werden und die jeweiligen Unterstützungssysteme ineinandergreifen müssen. Vorausgesetzt, beide Fachbereiche wissen um das Angebot und die Arbeitsweise des jeweils anderen und kooperieren im Sinne der betroffenen Frauen.

Hier gilt es, Aufklärungsarbeit zu leisten und Brücken zu schlagen. Dies, meine sehr verehrten Damen und  Herren, ist das Ziel der heutigen Veranstaltung, für die ich viel Erfolg und Ihnen allen spannende und anregende Diskussionen wünschen will. Vielen Dank!