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Grußwort: Picknick für Regenbogenfamilien am 17. September 2016

„Liebe Regenbogenfamilien,
liebe Constanze,
lieber Holger,
liebe Gäste,
liebe Kinder,

vielen Dank für die Einladung zum öffentlichen Picknick für Regenbogenfamilien und ein herzliches Willkommen an alle, die der Einladung gefolgt sind! Ich freue mich sehr, dass es den Organisatoren Constanze Körner und Holger Baumgart gelungen ist, mit dem gemeinsamen Essen eine wunderbare Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen und Austauschen auf die Beine zu stellen. Denn was viele nicht wissen: Regenbogenfamilien sind in Brandenburg nicht selten. Nur viel zu oft wissen sie voneinander ebenso wenig wie von den diversen Netzwerk-, Unterstützungs- und Beratungsangeboten für Regenbogenfamilien. Brandenburg ist groß! Ein gemeinsames Picknick ist also eine hervorragende und willkommene Möglichkeit, daran etwas zu ändern.

Ich will nicht lange reden, um nicht nur die Kinder nicht zu lange hinzuhalten. Erlaubt mir aber ein paar begrüßende Worte.

Liebe Picknickfreunde, „Over the Rainbow“  - wer kennt sie nicht, die Filmmusik zum Musicalfilm „Der Zauberer von Oz“. Judy Garland sang darin von einem Land hinter dem Regenbogen, in dem Sorgen einfach wegschmelzen, der Himmel immer blau ist und Träume wahr werden. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Da wünschen wir uns alle hin?

Ich kann euch sagen: ein Stückchen des Weges dorthin haben wir schon geschafft. Mit dem Symbol des Regenbogens, dieser bunten, aber auch flüchtigen Brücke zwischen Regen und Sonne, machen wir auf besondere Weise auf uns aufmerksam und geben uns ein Zeichen der Wiedererkennung. Denn Regenbogenfamilien sind beides - sie sind besonders im wohlverstandenen Sinne und normal zugleich. In jedem Fall sind sie wie alle Familien auch einzigartig.

Familienformen sind heutzutage vielfältig, und das ist gut so. Leider wird aber die traditionelle Mutter-Vater-Kind-Familie immer noch als die gesellschaftliche Norm angesehen und von manchen politischen Strömungen, aber auch im Alltag (z.B. in Schulbüchern), auch als solche propagiert.

Schon hier können Regenbogenfamilien auf Widerstände stoßen. Denn als Regenbogenfamilie definieren sich Familien, in welchen mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bi- oder transsexuell ist. Die Kinder dieser Eltern können aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen stammen, in eine lesbische oder schwule Beziehung hineingeboren, adoptiert oder als Pflegekinder aufgenommen worden sein.  Der Vielfalt der Familienkonstellationen sind hier keine Grenzen gesetzt, eine Normierung gibt es nicht.

Das macht es auch in rechtlicher Hinsicht nicht immer leicht, wie heterosexuelle Paare einen lang gehegten Kinderwunsch zu realisieren und Kindern ein Zuhause zu bieten. Zwar können homosexuelle Menschen seit 2001 eine Lebenspartnerschaft eingehen. Der Ehe ist die Lebenspartnerschaft jedoch noch immer nicht gleichgestellt, was besonders im Hinblick auf die Familiengründung viele Schwierigkeiten aufwirft. Nur beispielhaft möchte ich den rechtlichen Status in die Partnerschaft hereingeborener Kinder erwähnen. Bei der Ehe werden sie -unabhängig von der tatsächlichen Realität- ganz automatisch als leibliche Kinder der Ehepartner angesehen. Um dasselbe Ergebnis im Rahmen einer Lebenspartnerschaft erreichen zu wollen, muss der langwierige, kraftzehrende und nicht einfache Weg über ein Stiefkind-Adoptionsverfahren gegangen werden. Schon dieses Beispiel zeigt, dass eine umfassende Gleichstellung wünschenswert und sinnvoll ist. Vor allem im Interesse unserer Kinder. Dabei bin ich froh, dass das Land Brandenburg sich seit Jahren vehement für eine Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare einsetzt.

Von ungefähr kommt das nicht, ist doch die Gleichstellung aller Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Identität und ihrer Geschlechtsidentität ein wichtiges Anliegen der Landesregierung.

Das spiegelt sich im neuen Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm wieder, in dem sich die Landesregierung ein Leitbild für ein tolerantes Miteinander gegeben hat und dies in entsprechenden Maßnahmen manifestiert. Auch das neu zu schreibende Familienpolitische Maßnahmepaket wird den Aspekt der Gleichstellung aufgreifen.

Ein aus meiner Sicht jedoch ganz großes Highlight ist der „Aktionsplan für Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, für Selbstbestimmung und gegen Homo-und Transphobie in Brandenburg“, den die Landesregierung bis Ende 2017 in einem partizipativen Prozess erstellen wird. Mit diesem Plan sollen bereits vorhandene und vom Land Brandenburg geförderte Aktivitäten zusammengeführt und sinnvoll ergänzt werden. Ziel ist es, einen umfassenden Prozess der Auseinandersetzung mit Homo-, Bi- und Transphobie in der Gesellschaft sowie auf allen politischen Ebenen zu initiieren und einen positiven gesellschaftlichen Wandel hin zu Akzeptanz, Respekt, Wertschätzung und vor allem Dialog zu bewirken und zu verstetigen.

Es braucht also ein breites Feedback aus der Gesellschaft, so dass ich euch alle ermuntern will, sich an dem Erarbeitungsprozess rege zu beteiligen und Hinweise, Anregungen oder Kritikpunkte vorzutragen! Und ich hoffe, dass es gelingt, über den Erarbeitungsprozess und den Plan selbst mehr Offenheit und Toleranz für und Solidarität mit den vielfältigen Lebensweisen in unserem Land zu erreichen. Das ist mein Traum….

Nichts Geringeres ist es auch, wofür der Regenbogen als Markenzeichen auch der Regenbogenfamilien steht. Er ist ein Zeichen der Toleranz, Akzeptanz, Vielfältigkeit,  Hoffnung und Sehnsucht und steht als Symbol für lesbischen und schwulen Stolz, aber auch die Vielfalt dieser Lebensweise. Damit verkörpert die Regenbogensymbolik auch eine Forderung an unsere Gesellschaft: wir brauchen Solidarität und eine offene, tolerante Gesellschaft. Dafür stehe auch ich ein.

Ich danke dem Autonomen Frauenzentrum Potsdam, das uns heute unterstützt gemäß eines Ausspruchs von niemand geringerem als Prinzessin Lillifee: „Fremde Tiere, fremde Feen können in meinem Garten rasten!“

Herzlichen Dank nochmal an die Organisatorinnen und Organisatoren!

Ich wünsche uns allen einen sonnigen und geselligen Nachmittag mit vielen interessanten und bunten Gesprächsmöglichkeiten und vor allem viel Spaß! Lasst uns über diesen heutigen Tag hinweg in Kontakt bleiben und das Projekt Queerfamily auch noch an anderen Orten in Brandenburg weiterführen. Es ist gut, zu wissen, dass wir als Regenbogenfamilien nicht allein im Land sind. Aber vielleicht ist noch mehr möglich? Das Regenbogenfamilienzentrum in Berlin hat ein sehr umfangreiches Angebot. Könnte das irgendwann einmal ein Vorbild für Brandenburg sein? Ich hoffe, dass dies heute der Auftakt für eine andauernde Vernetzung von Regenbogenfamilien im Land ist und möchte dies gern unterstützen. Vielen Dank und genießt den Tag!“