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Grußwort: Eröffnung der Fotoausstellung „Max ist Marie. Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“ am 12. Oktober 2016 in der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Sehr geehrte Anwesende,

auch wenn ich heute leider nicht persönlich zu Ihnen sprechen kann, möchte ich Sie gleichwohl herzlich zur Eröffnung der Fotoausstellung „Max ist Marie. Mein Sohn ist meine Tochter ist mein Kind“ der Hamburger Fotografin Kathrin Stahl hier in der Hochschule für nachhaltige Entwicklung begrüßen.

Und wie passend dieser Ort für die Ausstellung ist – eint ihn doch das Bestreben um Nachhaltigkeit mit den Botschaften der Fotodokumentation von Frau Stahl.

Denn die Ausstellung bewegt und soll bewegen, und zwar auf lange Sicht. Mit der Ausstellung soll ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung und für die Aufklärung über transidente Lebensweisen gesetzt werden, sie soll Mut machen – ganz besonders all jenen, die Diskriminierung erfahren oder versteckt leben müssen.

Ich freue mich besonders, dass es Ihnen gelungen ist, die Ausstellung zu sich und damit erneut nach Brandenburg zu holen. Einen passenderen Zeitpunkt hätten Sie nicht wählen können. Denn die Gleichstellung aller Menschen unabhängig von Geschlecht oder sexueller Identität spielt in Brandenburg eine wichtige Rolle und hat jetzt noch einmal Aufwind erhalten. Nicht umsonst hat sich die Landesregierung vorgenommen, die Diskriminierung von Menschen abzubauen und die Akzeptanz von Vielfalt zu erhöhen. Dazu trägt u.a. die Unterstützung der alljährlich stattfindenden Lesbischwulen Tour „Brandenburg bleibt bunt!“ bei, die die Sichtbarkeit und Akzeptanz alternativer Lebensweisen landesweit erhöhen will. Darüber hinaus ist die Landesregierung unlängst berufen worden, einen Aktionsplan für die Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, für Selbstbestimmung und gegen Homo- und Transphobie in Brandenburg zu erarbeiten. Darin sollen Themen wie die Bildung zu bzw. Aufklärung über sexuelle bzw. geschlechtliche Vielfalt oder die Bekämpfung von Diskriminierung in den Fokus gerückt werden. Ich bin sehr gespannt auf den breit angelegten Dialogprozess, in dem der Aktionsplan erarbeitet werden soll und freue mich ausdrücklich darauf. Selbstverständlich werde ich mich als Landesgleichstellungsbeauftragte aktiv in den Erarbeitungsprozess einmischen. Denn ich setze mich für ein offenes gesellschaftliches Klima ein, in dem niemand Angst haben muss, anders zu sein.

Das, meine sehr verehrten Anwesenden, ist aber leider nicht selten noch Realität für transidente Menschen. Sie kämpfen oftmals mit Vorurteilen, erleben Diskriminierung und sehen sich hartnäckigen Klischees ausgesetzt, denen sie entgegen treten müssen. Das kostet Kraft, Mut und eine gehörige Portion Selbstvertrauen.

Hier muss unsere Gesellschaft, muss die Politik und müssen wir alle ansetzen: wir brauchen mehr Aufklärung und Offenheit, um Unkenntnis, Vorurteile und Intoleranz zu überwinden und ein Klima der absoluten Toleranz zu schaffen. Dabei geht es um nicht mehr, aber auch nichts Geringeres, als den Schutz von Grundrechten und die Einhaltung von Menschenrechten. Lassen Sie mich das einmal klarstellen: das Grundgesetz, die Verfassung des Landes Brandenburg und das Antidiskriminierungsgesetz geben uns allen die Handlungsleitlinien eindeutig vor. Sie müssen „nur“ im Alltag auch tatsächlich mit Leben erfüllt werden.

Die Fotoausstellung leistet insoweit einen berührenden und wichtigen Beitrag. In- dem sie trans- und intersexuelle Menschen in ihren Lebenssituationen zeigt und beschreibt, macht sie sie für die Betrachtenden (er)greifbar. Die Ausstellung verdeutlicht damit auf eindrucksvolle Weise, dass die heteronormative Zweigeschlechtlichkeit kein Naturgesetz ist. Dass verfestigte Geschlechter- und Rollenbilder eben nicht stimmen und im Übrigen durch die damit verbundene Verengung der Sicht- und Denkweise negative Folgen und verschenkte Chancen hervorrufen.  

Ein Anfang für mehr Sichtbarkeit, eine Sensibilisierung für das Thema und für den bestehenden dringenden Handlungsbedarf in verschiedenen Fragen ist gemacht: Das Thema Transgender und Intersexualität wird in der Bundesregierung auf ministerieller Ebene in einer Arbeitsgruppe diskutiert. Die Notwendigkeit bestimmter Regelungen, um die Grundrechte und Menschenrechte Betroffener zu schützen, ist also bekannt. Dem müssen jetzt Taten folgen.

Ich danke allen, die sich dafür eingesetzt haben, das Thema Transidentität mit der Ausstellung von Frau Stahl hier in Eberswalde in den Fokus der näheren Betrachtung zu rücken. Möge die Ausstellung erneut dazu beitragen, das Selbstwertgefühl der betroffenen Menschen zu stärken und vorurteilsbehaftete Menschen zum Nachdenken anzuregen und sie für die Vielfalt aller Lebensweisen zu öffnen. Das wäre mein Wunsch.

Für heute wünsche ich Ihnen einen spannenden Abend mit anregenden Gesprächen und der Ausstellung viele aufgeschlossene Gäste!

Vielen Dank.