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Grußwort der Staatssekretärin des Fachforum „Aufstellung eines Teilhabeplanes für den Landkreis Barnim", am 22.11.2016

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste,

ich begrüße Sie herzlich zum heutigen Fachforum „Aufstellung eines Teilhabeplanes für den Landkreis Barnim“.

Es ist noch nicht so lange her, da habe ich genau hier in diesem Saal das 4. Inklusionsforum zur Weiterentwicklung des Behindertenpolitischen Maßnahmenpaketes der Landesregierung eröffnet.

Einige der heute hier Anwesenden waren Anfang des Jahres dabei und erinnern sich sicherlich an die diskussionsreiche und fruchtbringende Atmosphäre dieser Veranstaltung. Gerade bei der Veranstaltung in Eberswalde erlebte ich einen lebendigen, ernsthaften und zugewandten Austausch. Umso mehr freut es mich, dass der Landkreis Barnim unsere Veranstaltungsreihe auf kommunaler Ebene fortführt.

Meine Damen und Herren,

Vielfalt wird als Chance und Bereicherung begriffen. Jedem wird gleichermaßen – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, Herkunft, Geschlecht, Alter oder Behinderung – Achtung und Wertschätzung entgegengebracht. Jeder kann mitmachen, jeder kann sich gleichberechtigt in die Gesellschaft einbringen und an all ihren Prozessen teilhaben. Gebäude, Verkehrsflächen und Transportmittel sind barrierefrei zugänglich. Informations- und Kommunikationsdienste sind so ausgelegt, dass sie auch von Menschen mit Behinderungen genutzt werden können.

Alle haben die Möglichkeit, mit ihrer eigenen Arbeit und dem damit verdienten Einkommen ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Diese Vision hat einen Namen: INKLUSION.

Unter diesem Schlagwort wird in der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion in Deutschland der Inhalt der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) zusammengefasst, deren Umsetzung auf der Ebene des Landes Brandenburg aktuell durch die Weiterentwicklung des Behindertenpolitischen Maßnahmenpakets erfolgt und heute auch auf der Ebene des Landkreises Barnim mit dem zu erarbeitenden Kommunalen Teilhabeplan auf den Weg gebracht werden soll.

Inklusion bedeutet die uneingeschränkte, selbstverständliche und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Das Ideal der Inklusion ist, dass die Unterscheidung „behindert/nichtbehindert“ keine Relevanz mehr hat. „Integration bedeutet Duldung, Inklusion ist Zugehörigkeit“, so hat ein Erziehungswissenschaftler den von der UN-BRK angestoßenen Paradigmenwechsel treffend zusammengefasst.

Es wird deutlich, dass es bei den Bemühungen um die Umsetzung der UN-BRK auf Landes- wie auch auf Landkreis-Ebene nicht darum geht, einen Maßnahmenkatalog aufzustellen und abzuarbeiten. Inklusion ist nicht eine zusätzliche Aufgabe zu allem anderen dazu. Inklusion ist vielmehr eine Grundhaltung, die jede politische Entscheidungsfindung, alles Verwaltungshandeln und auch unsere Alltagskultur durchdringen will.

Davon sind wir noch weit entfernt. Wir können nicht sagen, in 10, 20 oder 100 Jahren haben wir das Ziel erreicht.

Die gelebte inklusive Gesellschaft ist ein Ideal und höchster Anspruch.  Aber das heißt nicht, dass es sinnlos ist, daran zu arbeiten. Wir müssen - in den Worten von Hermann Hesse - „das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“.

Dementsprechend nimmt das kurz vor der Verabschiedung stehende weiterentwickelte  Behindertenpolitische Maßnahmenpaket der Landesregierung nicht für sich in Anspruch, das Thema Inklusion im Land Brandenburg umfassend und abschließend zu behandeln.

Es geht vielmehr darum,

  • einen Beitrag zu einer gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten, die als gut und richtig erkannt wurde,
  • sich einzureihen in eine Vielzahl von Akteuren, die sich mit dem Thema Inklusion auseinandersetzen, und so dem gesamtgesellschaftlichen Prozess Schwung zu geben,
  • Signale zu setzen und auch bei den Städten und Gemeinden des Landes dafür zu werben, sich mit dem Thema Inklusion auseinanderzusetzen.

Wie ich an der heutigen Veranstaltung erkenne, ist uns schon ein kleiner Anstoß gelungen.

Meine Damen und Herren,

Die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderungen ist eines unserer großen Themen – heute und in Zukunft. Damit meine ich, dass alle Menschen in unserer Gesellschaft die gleichen Möglichkeiten bekommen müssen, aktiv zu sein.

Dass sie selbst bestimmen können, wie, wo und mit wem sie leben wollen. Das Recht darauf ist selbstverständlich, aber die Umsetzung im Alltag ist nach wie vor schwierig.

"Ein Gebäude kann nicht betreten werden, wenn die Beine den Menschen dort nicht hintragen.

Der Weg kann nicht begangen werden, wenn ihn der Mensch nicht sieht.

Dem Konzert kann nicht gelauscht werden, wenn der Mensch es nicht hört".

Dinge, die für viele von uns selbstverständlich sind, sind für andere ohne Assistenz nur schwer erfahrbar und erlebbar.

Menschen mit Behinderungen treffen im Alltag auf viele Hürden.

Es fallen mir viele verschiedene Bereiche ein, in denen die Verwirklichung der Rechte aus der UN-Behindertenrechtskonvention in Brandenburg besser werden muss. Ich denke z. B. an das noch mangelnde Angebot an barrierefreien Wohnraum in unseren Städten und Gemeinden, an das Angebot barrierefreier Arztpraxen oder Kultureinrichtungen. Aber auch in der Bildung und am Arbeitsmarkt muss sich einiges ändern.

Alle Menschen sollen ein Wunsch- und Wahlrecht haben, wie und wo sie lernen, arbeiten, wohnen, Familie leben, Freundschaften pflegen, Freizeit verbringen oder politisch teilhaben wollen. Wunsch- und Wahlrecht heißt, dass man mindestens zwei Möglichkeiten hat, aus denen man auswählen kann. Das ist in einem großen Bundesland – einem Flächenland wie Brandenburg mit manchmal langen Fahrwegen – oft zusätzlich schwer.

Meine Damen und Herren,

es reicht eben nicht, dass wir auf Landesebene an der Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention arbeiten. Auch und gerade in den Kommunen, hier vor Ort muss dies geschehen. Dort wo konkret Politik für und mit Menschen mit Behinderungen gestaltet wird, dort muss die UN BRK ebenfalls umgesetzt werden.

Einige der heute hier anwesenden Akteure haben unser Inklusionsforum hier in Eberswalde besucht.

Bei diesem und den anderen vier regionalen Inklusionsforen mit insgesamt rund 500 Teilnehmenden wurden viele gute Ideen, Hinweise und Anregungen gegeben, wie die Landesregierung das Behindertenpolitische Maßnahmenpaket von 2011 weiterentwickeln kann. Die Ergebnisse wurden aufgeschrieben und sind in den aktuell vor der Verabschiedung stehenden Entwurf eingeflossen. 

Heute ist es nun bei Ihnen im Landkreis Barnim soweit.

Gemeinsam mit Menschen mit und ohne Behinderungen, Vertreterinnen und Vertreter von Politik, Verbänden, Vereinen, Verwaltung und Zivilgesellschaft sollen Ziele für Maßnahmenfelder herausgearbeitet werden. Sie werden darüber reden, was von den Ideen als Maßnahmen in den Teilhabeplan des Landkreises einfließen soll.

Der Prozess hin zu einer gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen kann nicht nur vom Landkreis Barnim allein, sondern nur gemeinsam mit allen Verantwortungsträgern und mit den Bürgerinnen und Bürgern hier im Landkreis zum Erfolg führen. Mit der heutigen Veranstaltung gehen Sie genau diesen Weg, den wir mit unseren Inklusionsforen Anfang des Jahres erfolgreich gegangen sind.

Ich wünsche Ihnen zunächst einmal viel Spaß und gute Gespräche und der Veranstaltung einen guten Verlauf.

Vielen Dank!

Kontakt

Marina Ringel
Pressesprecherin

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