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Grußwort zur CSD Demo in Cottbus am 15. Juli 2017

Sehr geehrter Herr Weise,
liebe Miss Moonlight,
lieber Herr Bergmann,
lieber Herr Ziltz,
sehr geehrte Anwesende,

Herzlichen Dank für die Einladung, den heutigen Cottbuser CSD zu eröffnen. Ich habe mich sehr darüber gefreut!

Einen großen Dank möchte ich gleich zu Beginn allen aussprechen, die an der Organisation des heutigen CSD, aber auch der vorangegangenen CSD-Wochen mitgewirkt haben - toll, was ihr wieder auf die Beine gestellt habt!

Es ist noch gar nicht lange her, beim Picknick der Regenbogenfamilien in Potsdam, da habe ich Judy Garland mit der Filmmusik „Over the  Rainbow“ zitiert. Für alle noch einmal zur Erinnerung: Sie sang darin von Land hinter dem Regenbogen, in dem Sorgen einfach wegschmelzen, in dem der Himmel immer blau ist und - jetzt kommt`s -: in dem Träume wahr werden. Als hätte Judy Garland es geahnt: Träume werden wahr!

Sie wissen es alle: die Ehe für alle ist durch!

Das ist ein riesengroßer Meilenstein. Ein großes Kapitel zähen Ringens und Kämpfens geht damit zu Ende. Das ist deshalb eine so großartige Neuigkeit und ein wahr gewordener Traum, weil lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen damit endlich als das wahrgenommen werden, was sie sind, nämlich: Ein Teil der Gesellschaft - wie alle anderen auch, ein Teil des großen Ganzen - wie alle anderen auch, ein Mosaikstein, der ebenso bunt und hell leuchtet, wie alle anderen. Es ist auch ein wichtiger Schritt, dass all diese Menschen ohne Einschränkungen, Repressalien und Diskriminierung in ihrer ganz persönlichen Freiheit leben können - wie alle anderen auch.

Ich denke aber, wir sind uns einig: das war noch nicht alles, wir sind noch nicht am Ziel. Wir haben noch kein wirklich offenes und tolerantes Miteinander, noch keine volle Akzeptanz, keine vollständige Gleichstellung erreicht. Und wir wissen auch: das gibt es nicht zum Nulltarif – das müssen wir einfordern, uns dafür einsetzen, aufklären, diskutieren, bunt und laut sein. Das passiert zum Beispiel heute und in der gesamten Zeit des CSD. Auch in diesem Jahr haben hier in Cottbus wieder wichtige, interessante, bunte und tolle Veranstaltungen stattgefunden.

Ich bin stolz, dass sie hier in Cottbus stattfinden. Die Stadt Cottbus ist damit in Brandenburg Vorreiterin, Klassenbeste, Vorzeigestadt, die auch durch die  Landesregierung immer wieder gern lobend präsentiert wird. Hier passiert so viel im Bereich LSBTIQ*. Die Bürgermeisterin, Frau Tzschoppe, ist Schirmherrin des heutigen CSD. Da wundere ich mich schon etwas, dass ausgerechnet die Stadtverwaltung heute keine Regenbogenfahne hisst. Diese steht ja so sehr für die Identität aller LSBTTIQ*-Menschen. Meine Versuche der kurzfristigen Vermittlung in dieser Woche waren leider nicht von Erfolg gekrönt.

Aber wir sollten auch nicht vergessen: um die Stadt herum und auch in der Stadt gibt es so viele kleine und größere Unternehmen, Behörden, Institutionen, die die Regenbogenfahne bei sich aufgehängt haben. Angesichts der Zahl von über 200 Fahnen stelle ich mir ein buntes Regenbogenmeer vor – und es werden immer mehr! Das ist eine schöne Vorstellung und ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, schon so viele Institutionen zu gewinnen – vielen Dank an alle, die mitmachen!

Denn es geht dabei um die Sichtbarkeit der LSBTTIQ*-Menschen und ihrer Identität, ihrer Wünsche, Hoffnungen und ihrem Selbstverständnis als Facette unserer Gesellschaft. Vielleicht bewegt das Regenbogenmeer Stadtverwaltung ja noch zu einem Umlenken - ich würde es mir wünschen.

Das ist ein wichtiger Akt für Menschen, die sich noch immer rechtfertigen müssen, die noch immer Ausgrenzung und Ablehnung erfahren.

Und es ist wichtig für alle, die noch vor dem Coming Out stehen. Sie sehen, dass sie keine Angst haben müssen, zu sich zu stehen.

Und für viele, die schon seit Jahren dabei sind, ist es jedes Jahr wieder eine Erinnerung daran, wie man selbst diesen schwierigen Prozess durchlebt hat und heute zurecht feiern kann.

Es ist aber auch eine Art und Weise der gesamten Gesellschaft, aller kleinen Firmen, Sportvereine usw. zu zeigen, dass eine Gesellschaft nur gut sein kann, wenn sie auf Vielfalt und Gleichberechtigung baut. Wenn man in andere Länder schaut, etwa nach Kanada, so ist es dort eine Selbstverständlichkeit, dass zum CSD das gesamte Land in Regenbogenfarben getaucht ist. Selbst die Busse im Stadtverkehr von Toronto sind entsprechend gefärbt - so berichtete es mit die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die in diesem Jahr den Schwerpunkt Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität behandelt.

Die Gleichstellung aller Menschen unabhängig von Geschlecht oder sexueller Identität spielt in Brandenburg eine wichtige Rolle. Die Landesregierung hat sich vorgenommen, Diskriminierung von Menschen abzubauen und Akzeptanz von Vielfalt zu erhöhen. Im vergangenen Jahr haben wir ein Leitbild verabschiedet für die Gleichstellung von Frauen, Männern und Menschen mit anderen Geschlechtsidentitäten, für eine offene und vielfältige Gesellschaft.

In diesem Jahr erarbeiten wir einen Landesaktionsplan „Queeres Brandenburg“. Dabei ist seit April schon viel passiert: wir haben einen breiten Beteiligungsprozess gestartet, es gab eine Online- Beteiligungsplattform und drei Dialogveranstaltungen - eine davon in der vergangenen Woche hier an der btu. Vielen Dank schon einmal an alle, die sich beteiligt haben!

Wir haben auch eine Online-Umfrage zur Lebenssituation von LSBTIQ* in Brandenburg durchgeführt, die gerade ausgewertet wird.

Über den Sommer werden wir aus den vielen Ideen und Hinweisen einen Entwurf für den Aktionsplan schreiben. Diesen können wir am 4. September in Potsdam noch einmal öffentlich diskutieren. Wer nicht so weit fahren kann oder will, hat auch noch einmal die Möglichkeit, den Entwurf online zu kommentieren. Und dann wollen wir uns den Aktionsplan zu Weihnachten schenken - am 19. Dezember soll er im Kabinett beschlossen werden.

Aber wir haben schon jetzt Geld für das Thema LSBTIQ* zur Verfügung gestellt. Ich bin ganz froh, dass wir damit schon in diesem Jahr einiges bewegen konnten: Erstmalig in der Geschichte des Landes Brandenburg wird etwas für die Regenbogenfamilien im Land getan. Ein Projekt zur Beratung und Unterstützung läuft seit 1. Juli und es gibt regelmäßige Termine auch hier in Cottbus. Die Projektleiterin ist hier - sprechen Sie sie ruhig an!

Und wir unterstützen wieder die alljährlich stattfindende Lesbischwule Tour „Brandenburg bleibt bunt!“. Als Landesgleichstellungsbeauftragte begleite ich diese Prozesse ganz aktiv, mische mich ein und setze mich für offenes gesellschaftliches Klima ein. Dazu habe ich auch eigene Aktionen und Projekte aus dem Bereich LSBTIQ*. Nur ein paar Beispiele:

  • Seit 2016 läuft das Projekt „Queer Haven“ für Empowerment und Vernetzung von queeren Geflüchteten - ich freue mich, dass einige auch heute hier sind! Und ich setze mich für den Schutz dieser Gruppe auch in separaten Unterkünften in Brandenburg ein.
  • In Brandenburg befand sich das einzige Frauen-Konzentrationslager. Wir haben eine international besetzte Fachkonferenz in Ravensbrück gefördert, die sich dafür ausgesprochen hat, endlich auch den lesbischen NS-Opfern zu gedenken. Ich bin froh, dass wir die Forschung auf diesem Gebiet ins Rollen kriegen!

Und ich habe selbstverständlich regelmäßige Treffen und Austausche mit relevanten Akteurinnen und Akteuren. Sprechen Sie mich ruhig an. Ich finde, NIEMAND sollte Angst haben müssen, so zu sein, wie er/sie ist. Denn die Folgen von Vorurteilen, Intoleranz, Diskriminierung und Hass sind gravierend. Nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für unsere Gesellschaft. Wir müssen uns alle fragen: Wo wollen wir hin? als Individuen, als Teil der Gesellschaft, als Gesellschaft selbst. Ich für meinen Teil weiß, wohin ich will: ins Land von Judy Garland, das Land der Träume, das nun schon wieder ein bisschen mehr Stück unserer Realität geworden ist.

Vielen Dank!