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28.01.2018Daten und Fakten zur Pflege: Sozialministerium veröffentlicht neue Pflegedossiers | 018/2018

In Brandenburg leben rund 112.000 pflegebedürftige Menschen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt 4,5 Prozent. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wird aufgrund des demografischen Wandels weiter zunehmen: Bei unveränderten Rahmenbedingungen würde der Anteil der pflegebedürftigen Menschen an der Bevölkerung bis zum Jahr 2040 auf 8 Prozent ansteigen. Dann würden fast 174.000 Brandenburgerinnen und Brandenburger pflegebedürftig sein. In der Altenpflege gibt es rund 34.700 Beschäftigte, das sind 71 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Das geht aus der Broschüre „Daten und Fakten zur Pflege im Land Brandenburg“ hervor, die das Sozialministerium jetzt veröffentlicht hat.

Sozialministerin Diana Golze sagte: „Die Versorgung der deutlich steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen zählt zu den größten sozialpolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Damit Kommunen, Landkreise und kreisfreie Städte, Wohlfahrtsverbände, Träger und Initiativen der Altenhilfe und -pflege in Brandenburg zielsicher planen und notwendige Entscheidungen für die pflegerische Versorgung älterer Menschen rechtzeitig treffen können, stellt das Sozialministerium ihnen zum zweiten Mal ausführliches Datenmaterial zur Verfügung.“

Die Pflegedossiers wurden einmal für das gesamte Land Brandenburg sowie für jeden einzelnen Landkreis und jede kreisfreie Stadt erstellt. Dafür wurde die amtliche Pflegestatistik 2015, die das Statistische Bundesamt im Jahr 2017 veröffentlicht hat, analysiert. Die Pflegedossiers gehen aber über die Pflegestatistik hinaus: Sie enthalten neben einer Aufbereitung regionaler Daten in Form von Zeitreihen ab dem Jahr 2005 vor allem auch eine sogenannte Status-quo-Projektion bis zum Jahr 2040 unter Berücksichtigung der amtlichen Bevölkerungsvorausberechnung. Mit dieser Projektion wird gezeigt, wie sich die Anzahl der Pflegebedürftigen und der Fachkräftebedarf in der Pflege entwickeln würden, wenn die gegenwärtigen Verhältnisse stabil blieben.

Das Sozialministerium hat die zweite Ausgabe der Brandenburger Pflegedossiers jetzt als Broschüren veröffentlicht. Die kommunalen Verantwortlichen sowie weitere Akteurinnen und Akteure in der Altenhilfe und -pflege bekommen die gedruckten Broschüren kostenfrei zugeschickt. Die 19 Pflegedossiers sind außerdem auf der Internetseite des Sozialministeriums zum Download eingestellt: www.masgf.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.471732.de.

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt in Brandenburg besonders stark: Zwischen 2005 und 2015 ist die Anzahl pflegebedürftiger Menschen um über 38.000 gestiegen. Das ist eine Zunahme von 52 Prozent:

Jahr

2005

2007

2009

2011

2013

2015

Anzahl
Pflegebedürftiger

73.480

83.739

85.801

95.970

102.953

111.595

 

Der Anteil pflegebedürftiger Menschen an der Gesamtbevölkerung ist im Land Brandenburg in allen Altersgruppen höher als in Deutschland: Heute beträgt der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung 4,5 Prozent – der Bundesdurchschnitt liegt bei 3,5 Prozent.

Würde der Anteil von pflegebedürftigen Menschen je Altersgruppe gleich hoch bleiben, würde unter Berücksichtigung der jüngsten Bevölkerungsprognose die Zahl der Pflegebedürftigen im Land Brandenburg bis zum Jahr 2040 auf fast 174.000 und damit ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung auf 8 Prozent steigen:

Jahr

2016

2020

2024

2032

2036

2040

Projektion der Anzahl an Pflegebedürftigen

113.498

126.186

136.084

150.156

158.870

173.667

Entwicklung zu 2013 (= 100%)

110,2%

122,6%

132,2%

145,8%

154,3%

168,7%

 

Golze erklärte: „Die Menschen werden aufgrund des medizinischen Fortschritts und der äußeren Lebensumstände immer älter. Damit steigt auch die Anzahl der Menschen, die im Alter auf Hilfe angewiesen sind. Diese Herausforderung können wir nur meistern, wenn wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, durch gute Rahmenbedingungen für ein aktives und gesundes Älterwerden den Eintritt von Pflegebedürftigkeit zu verschieben, zu verringern oder vielleicht sogar ganz zu vermeiden. Zudem müssen die Ausbildungs- und Beschäftigungsbedingungen in der Pflege so verändert werden, dass deutlich mehr Menschen einen Pflegeberuf ergreifen und dort gern und lange tätig sind. Brandenburg hat frühzeitig damit begonnen, entsprechende Maßnahmen anzustoßen.“

Im Herbst 2015 startete Sozialministerin Golze die Brandenburger Pflegeoffensive. Grundlage ist die ein Jahr zuvor veröffentlichte „Brandenburger Fachkräftestudie Pflege“, die konkrete Handlungsfelder benennt. Zu den zentralen Maßnahmen der Pflegeoffensive gehören die Modellprojekte „Fachstelle Altern und Pflege im Quartier“ und „Innovative Personaleinsatz- und Personalentwicklungskonzepte“, das „Kompetenzzentrum Demenz für das Land Brandenburg“ sowie die Erarbeitung von Pflegedossiers für alle Landkreise und kreisfreien Städte.

Die steigende Nachfrage im Bereich pflegerische Versorgung hat im Land Brandenburg zu einem Anstieg an ambulanten Diensten und stationären Pflegeeinrichtungen geführt. Die Anzahl ambulanter Dienste stieg seit 2005 um 37 Prozent auf 697 im Jahr 2015. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl voll- und teilstationärer Pflegeeinrichtungen um 53 Prozent auf 488 im Jahr 2015.

Die Anzahl an verfügbaren Plätzen in der voll- und teilstationären Pflege stieg seit 2005 um 35 Prozent auf 29.007 in 2015. Die Auslastung der Plätze in der stationären Dauerpflege stieg im selben Zeitraum um 0,9 Prozentpunkte auf 94,4 Prozent. Fast 11 Prozent aller Plätze in der stationären Versorgung waren Plätze der Tagespflege. Damit hat die Tagespflege im Land Brandenburg eine relevant höhere Bedeutung als im Bundesdurchschnitt (5,5 Prozent).

Golze erklärte: „Die Entwicklung bei den ambulanten Diensten und die große Nachfrage an der Tagespflege zeigen, dass die meisten Brandenburgerinnen und Brandenburger so lange wie nur irgendwie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben möchten.“

Der Fachkräftebedarf in der Altenpflege steigt deutlich. Waren im Jahr 2005 im Land Brandenburg insgesamt 20.210 Menschen in ambulanten Pflegediensten und stationären Einrichtungen beschäftigt, waren es im Jahr 2015 insgesamt 34.648 Beschäftigte. Das ist ein Zuwachs von 71 Prozent. Laut der errechneten Projektion müsste die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahr 2040 auf insgesamt 57.880 steigen. Die Beschäftigung ist nach wie vor weiblich dominiert: Die Frauenquote beträgt knapp 87 Prozent. Ein zweites zentrales Beschäftigungsmerkmal ist der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigung bzw. die geringe Vollzeitquote: die Vollzeitquote der in der Altenpflege beschäftigten Männer beträgt 42,3 Prozent und der Frauen 30,5 Prozent.

Golze betonte: „Aufgrund von Altersabgängen und steigendem Fachkräftebedarf müssen in Brandenburg bis zum Jahr 2040 fast 70.000 Menschen neu für eine Tätigkeit in der Pflege gewonnen werden. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gaben 46 Prozent der teilzeitbeschäftigten Altenpflegekräfte in Ostdeutschland als Grund für ihre Teilzeitbeschäftigung an, dass eine Vollzeitstelle nicht zu finden war. Das zeigt eindrucksvoll, dass eine höhere Vollzeitquote ein wichtiger Schlüssel zur Fachkräftesicherung in der Altenpflege ist. Es gibt viele Menschen, die gerne in der Altenpflege arbeiten. Aber es sind noch viel zu viele, die das unfreiwillig in Teilzeit tun. Um den Fachkräftebedarf in der Pflege bewältigen zu können, brauchen wir deutlich mehr Vollzeitstellen, gute Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.“

Die Pflegestatistik wird in Deutschland seit Ende 1999 zweijährlich von den Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder durchgeführt, um Daten zum Angebot von und der Nachfrage nach pflegerischer Versorgung zu gewinnen. Zum einen werden dafür die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen befragt, zum anderen liefern die Spitzenverbände der Pflegekassen und der Verband der privaten Krankenversicherung Informationen über die Empfängerinnen und Empfänger von Pflegegeldleistungen.

Das Sozialministerium hatte Ende 2016 zum ersten Mal Brandenburger Pflegedossiers für alle Landkreise und kreisfreien Städte veröffentlicht.

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