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15.02.2018Gesundheit von Kindern und Jugendlichen muss stärker unterstützt werden | 030/2018

Brandenburg und Hessen legen Zwischenergebnisse der Evaluationen zum Modellprojekt Schulgesundheitsfachkräfte an öffentlichen Schulen vor

Potsdam – Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen muss stärker unterstützt werden. Dafür braucht es neue und attraktive Ansätze in der Schule. Einen Beitrag können dazu Schulgesundheitsfachkräfte leisten. Im Rahmen einer Fachtagung vor rund 150 Teilnehmern in Potsdam wurden am Donnerstag die Zwischenergebnisse der umfassenden Evaluationen zum Modellprojekt „Schulgesundheitsfachkräfte in öffentlichen Schulen in den Bundesländern Brandenburg und Hessen" vorgestellt. „Die Arbeit in den vergangenen Monaten und die Zwischenergebnisse zeigen uns, dass wir mit dem Modellprojekt auf dem richtigen Weg sind" sagt Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksverband Potsdam e.V. und Projektträger der Schulgesundheitsfachkräfte in Brandenburg.

Seit vergangenem Jahr sind im Rahmen des Modellprojektes jeweils 10 Schulgesundheitsfachkräfte in Brandenburg an 20 und in Hessen an 10 Schulen im Einsatz. Sie sind vor allem bei Verletzungen oder Erkrankungen schnell zur Stelle, beraten in Gesundheitsfragen von der richtigen Ernährung bis zu ausreichender Bewegung, unterstützen die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste der Kommunen und betreuen chronisch kranke Kinder an den Schulen. Das zweijährige Modellprojekt wird umfassend evaluiert. Die Charité Universitätsmedizin Berlin misst gesundheitliche Effekte, die Gesellschaft zur Förderung sozialer Innovationen e.V. (GFSI) evaluiert das Curriculum und die Leuphana Universität Lüneburg prüft Bildungseffekte.

In Brandenburg endet das Modellprojekt im Oktober, in Hessen im Dezember dieses Jahres. Ziel ist es zu prüfen, welchen Beitrag Schulgesundheitsfachkräfte zur Gesundheit und zum Bildungserfolg in öffentlichen Schulen leisten können. Darüber hinaus gilt es, mögliche Leistungen und Strukturen für die Zukunft zu erkennen.

Das Projekt wird in Brandenburg in Kooperation mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, der AOK Nordost – Die Gesundheitskasse und der Unfallkasse Brandenburg umgesetzt. Die Projektpartner in Hessen sind das hessische Ministerium für Soziales und Integration sowie das Kultusministerium.

Zwischenergebnisse der Evaluation des Gesamtprojektes durch die Charité Universitätsmedizin:

Für die Evaluation des Gesamtprojektes durch das Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaften der Berliner Charité werden Erhebungen jeweils zu Projektbeginn und -ende durchgeführt und auf Veränderungen und Effekte durch die Arbeit der Schulgesundheitsfachkräfte hin abgeglichen. Außerdem beinhaltet die wissenschaftliche Untersuchung umfassende Befragungen aller Akteure vor Ort sowie die Auswertung der Dokumentation der Schulgesundheitsfachkräfte.

Die Zahlen der Auswertung der Leistungsdokumentation der Charité für Brandenburg zeigen schon jetzt die Tendenz auf, dass an der Grundschule ein enormer Bedarf an gesundheitlicher Versorgung vorhanden ist. So zeigt die Auswertung in der Zeit vom 9.10. bis 08.12.2017,dass jedes zweite Kind zur Schulgesundheitsfachkraft kommt, um sich gesundheilichen Rat zu holen.Bei jedem zweiten Kind findet aufgrund der Krankheitsbeschwerden eine Verlaufsbeobachtung statt. In der Sekunderstufe ist der Bedarf nicht ganz so hoch, aber die Zahlen zeigen, dass insgesamt jedes vierte Kind im genannten Zeitraum das Krankenzimmer aufsuchte.

In Hessen liegen die Daten der Datenleistungsdokumentation wegen des späteren Projektbeginns ab Juni 2017 nur für die ersten Monate vor. Zugleich weisen die Wissenschaftler daraufhin, dass der Erhebungszeitraum zu kurz bemessen ist, um Effekte jetzt schon benennen zu können. Dazu müsse der Beobachtungszeitraum verlängert werden.

Ergebnisse der Evaluation Curriculum:

„Schüler*innen, Lehrkräfte, Eltern und das Gesundheitssystem als Ganzes sind die Gewinner bei diesem Modell", sagte Martin Sauer, der die Evaluation des Curriculum für die Weiterbildung der examinierten Gesundheits- und Kinder-/Krankenpflegekräfte zu Schulgesundheitsfachkräften erstellt hat. Hier liegt für Brandenburg bereits der Abschlussbericht vor, in Hessen folgt er im Frühjahr.

Darin urteilen die Wissenschaftler von der Gesellschaft zur Förderung sozialer Innovationen e.V. (GFSI), dass Brandenburg und Hessen „wichtige Vorreiter" sind und das Projekt „unbedingt fortsetzen, ausweiten und (…) dafür werben sollten". Für die Evaluation wurden 2017 Interviews mit Mentor*innen Lehrkräften, Schulleitern, Eltern, Kindern und den Schulkrankenschwestern geführt und ausgewertet. Außerdem wurden die Lernumgebungen und das Lehrverhalten bewertet. Schließlich fanden zwei Gruppendiskussionen mit den Schulgesundheitsfachkräften statt.

Zwischenergebnisse der Evaluation im Bildungsbereich:

Die Evaluation im Bereich Bildung begann erst im zweiten Halbjahr 2017 und wird nur in Brandenburg durchgeführt. Auch hierfür werden noch bis zum Ende des Schuljahres zahlreiche Interviews mit den Akteuren vor Ort geführt. Die Evaluatoren Prof. Dr. Peter Paulus und Dr. Thomas Petzel befragten in der

ersten von drei Phasen die Schulgesundheitsfachkräfte (SGFK) und die Schulleitungen sowie Mentor*innen, die den SGFK an den Schulen zur Seite stehen. Demnach ist die Akzeptanz der Tätigkeit der SGFK bereits nach einem Jahr enorm hoch und die hohen Erwartungen der Schulen wurden zum großen Teil erfüllt. Zwar gibt es eine gewisse Skepsis bei den Eltern, die aber durch den bürokratischen Aufwand und die Aktivitäten rund um die erforderlichen wissenschaftlichen Untersuchungen begründet liegt. Den bisherigen Ergebnissen zufolge haben die gesundheitliche Versorgung der Schüler*nnen und der Bereich Prävention eindeutig Vorrang vor den anderen Tätigkeitsbereichen der SGFK.

Statements:

Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost – Die Gesundheitskasse:
„Für das tägliche und erfolgreiche Lernen ist die Gesundheit eine entscheidende Voraussetzung. Die Schulgesundheitsfachkräfte können mit ganzheitlichem Blick den Gesundheitsgedanken in der Schule verbreiten und gemeinsam mit dem Schulpersonal weiterentwickeln. Von dieser Verbindung profitieren alle Beteiligten und allen voran: unsere Schulkinder im Land! Ob die gewünschten Effekte eintreten, werden die Gesamtergebnisse der Evaluation zeigen."

Ministerin Britta Ernst, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg:
„Wir werden die Erfahrungen aus dem Modellprojekt gründlich auswerten. Die Schulgesundheitsfachkräfte ergänzen sehr wirksam unsere zahlreichen weiteren Aktivitäten für gesunde Kinder und Jugendliche. Wir wissen: gesunde Kinder und Jugendliche lernen besser. Gesundes Aufwachsen und Bildungserfolg hängen untrennbar zusammen."

Ministerin Diana Golze, Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg:
„Die ersten Ergebnisse des Modellprojektes sind vielversprechend. Bereits nach kurzer Zeit sind die Schulgesundheitsfachkräfte in den Modellschulen zu einem wichtigen Bestandteil des Schulalltags geworden. Es gibt eine hohe Akzeptanz bei allen Beteiligten. Allen ist klar, dass Kinder am besten lernen, wenn sie gesund und fit sind. Die Schulgesundheitsfachkräfte tragen diesen Gesundheitsaspekt in die Schulen, können dort alle Kinder direkt ansprechen sowie Lehrerinnen und Lehrer unterstützen. Die gesundheitliche Versorgung der Schülerinnen und Schüler hat sich damit verbessert. Es geht dabei nicht nur um Pflaster für kleinere Blessuren oder eine Erstversorgung bei Kopfschmerzen und Übelkeit. Es geht vor allem auch um Prävention, gesunde Ernährung und Bewegung. Jedes Kind hat das Recht auf ein gesundes Aufwachsen. Die Schulgesundheitsfachkräfte leisten hierfür einen wichtigen Beitrag. Wichtig ist aber auch, dass das Modellprojekt intensiv und mit wissenschaftlichen Daten ausgewertet wird. Erst dann kann entschieden werden, ob und zu welchen Bedingungen Schulgesundheitsfachkräfte einmal regulär an allen öffentlichen Schulen eingesetzt werden können."

Claus Heuberger, Vorstandsvorsitzender der Unfallkasse Brandenburg (UKBB):
"Das Kinder gesund und sicher aufwachsen und bereits in der Schule präventives Denken und Handeln vermittelt wird, liegt uns als Träger der gesetzlichen Schüler - Unfallversicherung besonders am Herzen. Die Schulgesundheitsfachkräfte leisten dazu einen wichtigen Beitrag, das hat die bisherige Praxis an den Modellschulen gezeigt. Sie vermitteln auf direktem Weg Präventionsinhalte an Kinder und Lehrkräfte."

Dieter Schulenberg, Geschäftsführer der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. (HAGE):
„Studien belegen mangelnde Gesundheitskompetenz von Erwachsenen. An den Schulen mit Schulgesundheitsfachkräften haben wir gute Chancen, frühzeitig alle Kinder und Jugendlichen mit Angeboten anzusprechen, um die Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Ziel sollte dabei sein, den Lernort Schule auch als gesundheitsfördernden Ort zu entwickeln. Die aktuellen Veränderungen wie Ganztag und Inklusion legen nahe, dass auch Lösungen für die damit verbundenen gesundheitlichen Herausforderungen in der Schule gefunden werden."

Angela Schweers, Vorstandsvorsitzende des AWO Bezirksvernades Potsdam e.V.:
„Kinder haben ein Anrecht auf Bildung und Gesundheit. Alle Kinder haben die gleichen Chancen verdient. Um dies möglich zu machen, braucht es neue und attraktive Ansätze in der Schule und im Berufsfeld Pflege durch die Einführung von Schulgesundheitsfachkräften."

Die auf der Fachtagung veröffentlichten Zwischenergebnisse der Evaluationen sowie weitere Hintergrundinformationen zum Modellprojekt können auf der Internetseite des AWO Bezirksverbandes Potsdam e.V. unter www.awo-potsdam.de abgerufen werden.

Die Endergebnisse der Evaluationen sollen im Oktober dieses Jahres auf einer Abschlussveranstaltung veröffentlicht werden. Das genaue Datum steht noch nicht fest.

Pressekontakt Modellprojekt „Schulgesundheitsfachkräfte":
Stefan Engelbrecht
Tel.: 0331 730 41788
Tel.: 0160 970 746 29
E-Mail: stefan.engelbrecht@awo-potsdam.de 
Internet: https://www.awo-potsdam.de/projekte/schulgesundheitsfachkraefte-im-land-brandenburg.html 
Internet: http://www.hage.de/aktivitaeten/gesund-aufwachsen/projekte/projekt-schulgesundheitsfachkraefte.html

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