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Grußwort Fachtag "Lesben, Schwule, Trans* in BB - gestern und heute", 17.02.2018, btu Cottbus

Liebe Frau Professorin Radvan,
liebe Mitwirkende,
liebe Frau Dr. Leidinger,
meine sehr verehrten Anwesenden,

ich freue mich sehr, heute hier zu sein! Und schön, dass Sie alle gekommen sind!
Ich bin ganz glücklich, dass wir heute diesen Fachtag zu lesbischem, schwulem und trans* Leben in Brandenburg durchführen. Herzlichen Dank an die Organisatorinnen und die Mitwirkenden!
Fast ein bisschen mehr noch freue ich mich, dass wir heute auch die Anfänge der Wanderausstellung „Lesben, Schwule, Trans* in Brandenburg - gestern und heute“ erleben können. Warum das als Teil des Sichtbarmachens so wichtig ist, erzähle ich Ihnen gleich.
Sabine Hübner, eine österreichische Autorin, hat einmal gesagt:
„Sichtbare Ergebnisse machen das Warten erträglich. Gute Geschichten trösten darüber hinweg.“

Ich finde, das Zitat passt ganz gut zu unserer heutigen Veranstaltung. Denn dass lesbisches, schwules und trans* Leben in Brandenburg wirklich sichtbar gemacht wird, hat leider gedauert.

Zwar spielt Gleichstellung aller Menschen unabhängig von Geschlecht oder sexueller Identität in Brandenburg eine wichtige Rolle. Sie ist sogar in Landesverfassung fest verankert. Deshalb unterstützt das Sozialministerium auch seit Jahren Engagement für lesbisches, schwules und trans* Leben in Brandenburg, z.B. über die Förderung der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule und Trans* Belange, die Förderung der LesBiSchwulen Tour und vieler anderer Projekte.

Aber dass themenübergreifend, quasi „global“, über alle Gesellschaftsschichten hinweg und öffentlichkeitswirksam über lesbische, schwule und trans* Belange gesprochen wird, das hat es in Brandenburg noch nicht gegeben. Das hat dem Thema einen ganz kräftigen Aufwind gegeben. Der Aufwind hat auch einen Namen: Landesaktionsplan Queeres Brandenburg. Die Landesregierung hat sich mit Aktionsplan nochmals ganz klar und eindeutig zu Vielfalt in unserer Gesellschaft bekannt.

Das drückt sich auch in der Art der Erarbeitung aus. Alle Menschen waren eingeladen, sich einzubringen, es wurde kein Unterschied gemacht, alle waren herzlich willkommen. Ich finde, das zeigt sich auch in den Zielen des Landesaktionsplans. Ein paar möchte ich nennen:

  • Integration der LSBTTIQ*-Thematik in die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsangebote,
  • Sensibilisierung der Akteur*innen, die mit Menschen arbeiten
  • Förderung und Schaffung von diskriminierungsfreien Räumen
  • Verbesserung der Sichtbarkeit von LSBTTIQ*- Themen.

Das Besondere ist auch, dass tatsächlich alle Gruppen, die sich unter LSBTTIQ* verbergen, gleichermaßen in den Maßnahmen und in der Förderung vertreten sind. Fällt Ihnen etwas auf? Wir sind mit unserem heutigen Fachtag und der Wanderausstellung schon mitten drin und dabei, brandenburgische Geschichte neu zu schreiben. Und Sie sind dabei!

Für mich ist eines ganz klar: die Themen Toleranz und Vielfalt werden durch den Aktionsplan und Tage wie den heutigen lebendig, greifbar und sichtbar - darüber bin ich sehr glücklich.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und Intersexuelle haben auch heute noch eine besondere Lebenssituation. Auch wenn wir keinen Paragraf 175 Strafgesetzbuch mehr haben, auch wenn der Begriff „Regenbogenfamilie“ nicht als Teil eines Fantasy-Märchens verstanden, sondern richtig als eine von vielen möglichen Familienkonstellationen eingeordnet wird. Dennoch existiert nach wie vor die heteronormative Mehrheitsgesellschaft mit ihren Rollenbildern und Erwartungen und mit ihren gesellschaftlichen Ausschlüssen. Für LSBTTIQ*-Personen bedeutet das nicht nur in BB:

  • noch heute erfahren sie Diskriminierungen
  • noch heute kämpfen trans* Menschen mit der Stigmatisierung, als krank angesehen zu werden
  • noch heute begegnen lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und inter* Menschen Hass und Vorurteile, auch in Form von Gewalt.

Jüngst hat das DIW Einkommen, soziale Netzwerke und Lebenszufriedenheit von Lesben, Schwulen und Bisexuellen in Deutschland untersucht mit dem Ergebnis (Durchschnittswerte bzw. Tendenzen):

  • in Deutschland leben mehr von ihnen, als die Statistik abbildet
  • sie leben seltener in Partnerschaften
  • sie haben häufiger Netzwerke außerhalb der Familie
  • und sie sind mit ihrem Leben weniger zufrieden und berichten häufiger von Depressionen.

All das hat seine Wurzeln in der Geschichte unserer Gesellschaft: Ich erinnere nur beispielhaft an den Paragrafen 175 Strafgesetzbuch, an die Klassifizierung von Homosexualität als Krankheit und an zwangsweise verordnete Psycho- und Hormontherapien, an den Sorgerechtsentzug bei lesbischen Müttern und an Heimlichkeit und Scham und Verleugnung der eigenen Veranlagung. Nicht selten haben Betroffene ihre sexuelle Identität verleugnet und haben ein heterosexuelles Leben gelebt, zum Beispiel geheiratet und Familien gegründet. Weil die sexuelle Orientierung aber die Identität der betreffenden Person ist, haben sie sich damit selbst verleugnet.

Eine der wenigen Mutigen, die auch in der Lage waren, sich anders zu äußern, war beispielsweise Johanna Elberskirchen. Sie hat offen für gleichgeschlechtliches Leben plädiert, auch selbst offen lesbisch gelebt (auch wenn sie das wahrscheinlich nicht so genannt
hätte). Sie hat gegen Vorurteile, gegen feste und starre Rollenzuweisungen und für Frauenrechte gekämpft und geschrieben und Missstände offen angeprangert. Damit ist sie regelmäßig angeeckt und galt nicht umsonst als „unbequem“.

Ich möchte betonen, dass ich ihren Namen stellvertretend für all die anderen Menschen nenne, die sich unermüdlich und unerschrocken für die Gleichstellung der Geschlechter und sexuellen Identitäten eingesetzt haben. Und doch ist es natürlich bezeichnend, was ich neulich auf der Webseite lesbengeschichte.de zu Johanna Elberskirchen gelesen habe, da stand:

„Johanna Elberskirchen ist eine der wohl außergewöhnlichsten und dennoch fast vergessenen Figuren der deutsch(sprachig)en politischen Lesbengeschichte.“

Dass Sichtbarmachen vor diesem Hintergrund essentiell und von großer Bedeutung ist, leuchtet spätestens jetzt ein. Deshalb finde ich so großartig, dass die kleine Gemeinde Rüdersdorf im letzten Jahr eine Gedenktafel für Johanna Elberskirchen und Hildegard Moniac eingeweiht hat. Damit leistet die Gemeinde einen wichtigen Beitrag dazu, lesbisches, schwules und trans* Leben als Teil unserer Gesellschaft begreifbar zu machen. Ich bin sicher: Wir müssen nur weiter suchen, um noch weitere spannende Brandenburginnen und Brandenburger aus der Vergessenheit zu holen!
Wir dürfen nicht vergessen: wir leben in einer Demokratie und die lebt von Vielfalt. Ministerin Diana Golze hat einmal gesagt:

Nur mit einer vielfältigen Gesellschaft kann echte Demokratie auch wirklich leben.“

Wie Recht sie hat! Vielfalt aber braucht Toleranz und Akzeptanz und die wiederum gibt es nicht zum Nulltarif. Sie müssen manchmal auch hart erarbeitet und eingefordert werden. Es braucht viel Engagement, viel Aufklärung, viel Transparenz, oftmals Geduld und gute Geschichten und nicht zuletzt den unerschütterlichen Glauben daran, das Richtige zu tun.

Hier möchte ich Frau Elberskirchen selbst zu Wort kommen lassen:

 „Als Frauenrechtlerin müssen sie alle radikal, demokratisch denken, fühlen, handeln. Wir gehören alle zusammen! Wir haben alle ein Interesse, sind alle solidarisch verbunden durch Zweck und Ziel der Frauenbewegung: Gleiches Recht für alle!“

Mit diesen kämpferischen und hoffentlich motivierenden Worten möchte ich Sie in die heutige Veranstaltung entlassen.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Veranstaltung, anregende Diskussionen - auf dass möglichst Vieles sichtbar wird!

Vielen Dank!