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Statement auf der Landesweiten Auftaktveranstaltung zur 28. Brandenburgischen Frauenwoche, 1. März 2018, Plenarsaal Rathaus Potsdam

Liebe Anwesende,

Vielen Dank für die vielen Eindrücke an diesem Tag! Bevor ich in meinem Abschlussstatement versuche, sie zusammenzufassen, lassen Sie mich Ihre Aufmerksamkeit auf die Dame hinter mir lenken:

Hier auf dem Roll Up begleitet uns schon den ganzen Tag ein Zitat von Clara Zetkin. Ich möchte sie auch deswegen erwähnen, weil sie Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht war, dessen Jubiläum wir in diesem Jahr feiern. Und ohne sie wären wir nicht hier – denn sie hat auch für den Internationalen Frauentag gekämpft. Außerdem wird in dieser Woche wieder der bundesweite Clara-Zetkin-Frauenpreis verliehen und erstmalig ist ein Projekt aus Brandenburg nominiert, nämlich die Kontaktstelle „Frauen für Frauen“ des Demokratischen Frauenbunds in Cottbus. Ich drücke fest die Daumen! 

Clara Zetkin hat gesagt, hier steht es: „Ich will dort kämpfen, wo das Leben ist.“ Und genau das haben wir heute getan! Ich bin sehr froh, dass wir heute so intensiv, inhaltlich und auch kontrovers diskutiert haben. Eigentlich schade, dass wir das nur einmal im Jahr in dieser Form machen. Daran sind wir doch nicht schuld! Oder doch? 

Wir haben uns intensiv mit dem Motto der Frauenwoche und der Schuldfrage beschäftigt und damit auch mit struktureller und intersektionaler Diskriminierung. Wir haben das Motto positiv und negativ gewendet und dabei erfahren, dass es sich aus unterschiedlicher Perspektive auch verschieden darstellt. 

In ihrem Inputvortrag hat sich Magdalena Möbius intensiv mit der Schuldfrage aus theologischer Perspektive beschäftigt. Das war anspruchsvoll und vielleicht für die eine oder andere auch etwas ungewohnt. Sie hat uns gezeigt, woran feministische Theologinnen positiv betrachtet Schuld sind. Und sie hat uns auf der anderen Seite von „struktureller Sünde“ erzählt. Sie hat uns auch dazu aufgefordert, uns selbst zu prüfen, wo wir Dominanzkultur vertreten. 

Henrike von Platen hat uns über die Tricks von Lohnlückenleugnern aufgeklärt. Sind Frauen nicht doch ihres eigenen Glückes Schmiedin? Oder zumindest Haushaltshilfe? Gibt es überhaupt ein Problem? Sind Frauen womöglich an etwas Schuld, das es gar nicht gibt?! 

Die anschließende Podiumsdiskussion war sehr vielfältig besetzt und ich habe Frau Letsch bewundert, wie es ihr gelungen ist, die unterschiedlichen Sichtweisen und Ursprünge der Diskutantinnen aufeinander zu beziehen. Dieses Podium war ein Ausdruck von Vielfalt! Wir wollten Vielfalt – wir haben sie bekommen! Gewissermaßen wurde uns hier vor Augen gehalten, wie unterschiedlich Frauen sind, aus welch unterschiedlichen Zusammenhängen sie kommen und wie verschieden ihre Handlungsspielräume sind. Das fand ich sehr belebend. 

Ich bin auch froh über die Hinweise, die wir von den geflüchteten Frauen bekommen haben. Wir arbeiten ja seit langem intensiv daran, ihre Situation in Brandenburg zu verbessern und arbeiten mit Women in exile auch in der UAG Flüchtlingsfrauen regelmäßig zusammen. Die geflüchteten Frauen bereichern unser Zusammenleben und wir sind froh, dass sie hier sind. 

Ich habe der Presse vergangene Woche angekündigt, dass uns eine ganz besonders intensive Frauenwoche bevorsteht - und ich bin zuversichtlich, dass wir diese intensive Frauenwoche auch bekommen werden – heute umso mehr. Denn:

  • Es wurden viel mehr Veranstaltungen gemeldet und es gibt noch eine gewisse „Dunkelziffer“.
  • Wir haben eine wunderbare regionale Verteilung.
  • Es gibt eine größere Vielfalt unter den Frauen - das haben wir heute schon erlebt. Und das finde ich ganz großartig!
  • Wir haben ein provokantes Motto, das ausspricht, was schon lange ein Problem ist.
  • Und dazu kommen noch drei aktuelle und relevante Themen (Wahlrecht, meetoo, Istanbul-Konvention), die derzeit alle irgendwie politisch Interessierten bewegen. Schon im Vorfeld waren Veranstaltungen zu diesen Schwerpunkten sehr gut besucht. Es ist an der Zeit, dass wir uns auch in Brandenburg zu diesen Themen verständigen.

 

Die Frauenwoche, eigentlich sind es zwei Wochen, ist der frauenpolitische Höhepunkt im Jahr in Brandenburg. Ich bin aber auch sehr froh über alle, die das Thema das ganze Jahr über in der Öffentlichkeit halten. Dafür bin ich insbesondere den kommunalen Gleichstellungsbeauftragten dankbar, aber auch dem Frauenpolitischen Rat und allen anderen. 

Diese Frauenwoche verspricht neuen Schwung für die Frauenpolitik in Brandenburg. Ich bin froh, dass es gemeinsam gelungen ist, die Frauenwoche so aufzuwerten. In diesem Jahr wird besonders deutlich, wie wichtig Frauenpolitik für die gesamte Gesellschaft ist. Wir machen hier keine Insider-Veranstaltung, sondern diskutieren Grundlagen unseres Zusammenlebens mit breiten Bevölkerungskreisen. Wir haben unseren Radius deutlich erweitert. Heute haben wir schon eine große Vielfalt hier: Viele neue Gesichter, neue Themen, neue Inspiration. Die Veranstalterinnen und Veranstalter der Frauenwoche gehen in diesem Jahr mit neuem Schwung ans Werk. 

Lassen Sie uns dieses Jahr nutzen - für erfolgreiche Frauen- und Gleichstellungspolitik Wir alle sind gefordert! Wir haben die Ideen, wir haben Kraft und Schwung und werden das Land weiter verändern! Legen wir los und legen wir noch eine Schippe drauf! Die Zeit ist reif! 

Im vergangenen Jahr sollte ich einen Ausblick geben und in die Glaskugel schauen und habe Ihnen das Horoskop vorgelesen. Auch heute soll ich das Schlusswort halten. Ein Schlusswort in einer Auftaktveranstaltung. Wir feiern den Auftakt und ich halte das Schlusswort. Aber nichts ist vorbei! Im Gegenteil: Jetzt geht es los. 

Das würde man im kirchlichen Umfeld, anknüpfend an Frau Möbius heute Vormittag, vielleicht ganz klassisch “Sendung” nennen. Ich würde Sie jetzt segnen, in geschlechtergerechter Sprache natürlich, so wie es die feministischen Theologinnen erfunden haben, und Sie dann senden, aussenden an Ihren Platz, wo Sie Ihr Werk tun und die Botschaft verkünden. Aber das muss ich Ihnen ja nicht sagen - Sie wissen schon, was Sie zu tun haben, das habe ich ja im Kalender gesehen! 

Ich wünsche Ihnen alles Gute.
Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Veranstaltungen und interessante Diskussionen.
Und damit entlasse ich Sie in die 28. Brandenburgische Frauenwoche!

Vielen Dank!