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Hissung der Regenbogenfahne an der btu zur Eröffnung des 10. CSD Cottbus und Niederlausitz am Montag, 18. Juni 2018

„Sehr geehrte Teilnehmende,

vielen Dank für die Einladung zur Hissung der Regenbogenfahne an der btu Cottbus-Senftenberg!

Ich freue mich sehr über die Einladung, hier ein paar Worte zu sprechen, da ich seit Jahren am CSD in Cottbus teilnehme und immer mit Spannung verfolge, wie viele Vereine, Verbände, Geschäfte und viele andere öffentlich ihre Solidarität und Unterstützung durch die Regenbogenflagge zeigen. Ich bin sicher, dass es in diesem Jahr wieder eine besonders große Zahl sein wird – dieses Ziel, die gesamte Stadt in ein Meer von Regenbogenfahnen zu verwandeln, ist eine einmalige Aktion in Brandenburg. Ich bin auch froh, dass sich die Stadt Cottbus wieder darauf verständigt hat, am Stadthaus die Fahne zu hissen.

Einmalig in Cottbus sind auch die CSD-Botschafterinnen und Botschafter, die diesmal auch in Videos für Respekt werben.

Im vergangenen Jahr waren wir zum CSD alle noch etwas geplättet – gerade war nach jahrzehntelangem vergeblichem Warten doch noch die „Ehe für alle“ beschlossen worden. Bis zum heutigen Tag haben nur in Brandenburg über 240 schwule und lesbische Paare von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Ich habe aber auch von heterosexuellen Freundinnen und Freunden erfahren, dass viele jetzt erst heiraten. Jetzt, da die Ehe keine Institution mehr ist, die Homosexuelle ausschließt. Das, finde ich, ist eine sehr schöne Geste!

Wenn wir aber die heutige Fahnenhissung mit der Situation vor einem Jahr vergleichen, gibt es auch in anderen Bereichen einiges zu erzählen:
Erst vor Kurzem hat Bundespräsident Walter Steinmeier die Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen und queeren Menschen für erlittenes Unrecht und langes Schweigen dazu um Vergebung gebeten. Das ist eine große Geste angesichts des Unrechtes, der Strafverfolgung, dem Kindesentzug, den medizinischen Eingriffen, der Verleugnung und den zahlreichen aus Angst ungelebten Leben – kurz: angesichts all des Unheils, das die Verfolgung von LSBTIQ* über die Jahrzehnte verursacht hat. Und denken wir doch mal ein paar Jahrzehnte, vielleicht an unsere Jugend, zurück – wer hätte jemals mit einem solchen Schritt gerechnet?

Natürlich ist das „nur“ in Anführungszeichen eine Geste und noch lange nicht alles gut. Das brandenburgische Sozialministerium hat im vergangenen Jahr erstmalig eine anonyme Online-Umfrage unter LSBTIQ*-Personen in Brandenburg durchgeführt. Sie hat uns erstmals Zahlen geliefert über die Situation, in der LSBTIQ* hier im Land leben. Zahlen, mit denen wir jetzt umgehen können. Die Ergebnisse sind vielleicht nicht überraschend, und trotzdem erschreckend: fast die Hälfte der Befragten hat in den vergangenen 5 Jahren Diskriminierung erfahren, jede 6. Person sogar Gewalt oder ein anderes strafrechtlich relevantes Verbrechen. Besonders Transsexuelle sind betroffen. Und leider auch Jugendliche, die ausgerechnet während der schwierigen Phase des Coming Outs Diskriminierung und Anfeindungen in der Familie und in der Schule erfahren. Also: Hier ist noch viel zu tun.

Außerdem haben wir gemeinsam den ersten Landesaktionsplan Queeres Brandenburg erarbeitet. Eines der öffentlichen Regionalgespräche zur Sammlung von Themen und Ideen hat hier in der btu stattgefunden. Mit dem Aktionsplan ist uns ein großer Schritt nach vorn gelungen – erstmals haben wir uns einen Überblick über alle Aktivitäten im Land verschafft und überlegt, in welchen Bereichen und in welche Richtung sie weiterentwickelt werden sollen. Ich möchte mich noch einmal bei allen bedanken, die daran mitgewirkt haben!

Außerdem gibt es seit dem vergangenen Jahr erstmals ein Förderprogramm für Projekte aus dem LSBTIQ*-Bereich. Ein Beispiel ist die Wanderausstellung „Schwules, lesbisches und Trans*-Leben in Brandenburg früher und heute“, die hier an der btu, vom Team um Prof. Heike Radvan erarbeitet wurde. Am vergangenen Freitag haben wir sie im Sozialministerium in Potsdam eröffnet – ich habe mich sehr gefreut! Und ich bin gespannt, wie das nächste Modul aussieht, das noch erarbeitet wird, schließlich wurde im Rahmen eines Fachtages hier an der btu nach Hinweisen und Kontakten gefahndet.

Sie sehen: Es ist Vieles in Bewegung und auch noch vieles zu tun. Der Bundespräsident hat in seiner Rede allen Aktiven für ihr Engagement gedankt und praktische Verbesserungen wie auch den größeren Respekt und die größere Akzeptanz auf ihre Arbeit zurückgeführt.
Die Aktiven – das sind auch Sie, die Sie diese Fahnenhissung möglich machen und die Sie sich die Zeit nehmen, an ihr teilzunehmen. Ich bin Ihnen dafür sehr dankbar. Bitte machen Sie so weiter!

Vielen Dank!“