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04.07.2018Brandenburger Jahrestagung zum Europäischen Sozialfonds / Arbeitsministerin Golze: Digitalisierung wird enorme Herausforderung für Beschäftigte und Betriebe | 101/2018

Die Digitalisierung der Arbeitswelt steht im Fokus der diesjährigen Brandenburger Jahrestagung zum Europäischen Sozialfonds (ESF). Die Veranstaltung des Arbeitsministeriums findet am heutigen Mittwoch (04. Juli) an der Technischen Hochschule Wildau (Dahme-Spreewald) statt. Das Motto lautet „Gute Arbeit im digitalen Wandel“. Diskussionsgrundlage ist die neue Studie „Arbeit 4.0 in Brandenburg“, die vor einer Woche zum ersten Mal öffentlich vorgestellt wurde.

Arbeitsministerin Diana Golze: „Dank der Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds können wir in Brandenburg aktiv Gute Arbeit fördern. Ein zentraler Befund der heute diskutierten Studie Arbeit 4.0 ist die besondere Rolle der Beschäftigten im Digitalisierungsprozess. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen hat angegeben, die Impulse für Digitalisierung gehen von den Beschäftigten selbst aus. Sie sind häufig der Dreh- und Angelpunkt im Unternehmen. Dafür brauchen sie Weiterbildung, Qualifizierung, aber auch eine lernförderliche Arbeitsumgebung. Betriebsräte werden in dem Prozess immer wichtiger. Mit unseren ESF-Förderprogrammen können wir diesen Prozess konkret unterstützen.“

Golze weiter: „Schon bei den Verhandlungen zur laufenden ESF-Förderperiode war klar, dass die ostdeutschen Länder in Zukunft weniger Geld aus Brüssel erhalten werden. Da gab es aber noch nicht den Brexit. Die Situation ist mit dem Brexit für uns noch schwieriger geworden. Aber auch in der neuen Förderperiode 2021-2027 brauchen wir jeden einzelnen Euro aus dem ESF.

Der Brandenburger Arbeitsmarkt entwickelt sich zwar gut. Aber im Vergleich zu den westdeutschen Ländern haben wir immer noch einen zu hohen Anteil von Langzeitarbeitslosen. Und der Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte wird härter. Wer hier mithalten will, muss vor allem attraktive Arbeitsbedingungen bieten.“

Zu der Brandenburger ESF-Jahrestagung 2018 kamen rund 280 Arbeitsmarktexpertinnen und -experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Gewerkschaften. Gastredner war Egbert Holthuis, Leiter des Länderreferats D5 – Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien – bei der Europäischen Kommission, Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration. In einem anschließenden Gespräch diskutierten Arbeitsministerin Diana Golze und Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer über Chancen, Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung in Arbeitswelt und Wirtschaft in Brandenburg.

Ministerin Golze: „Die Arbeitswelt befindet sich in einem rasanten Wandel. Davon sind nahezu alle Berufe betroffen. Wir erwarten durch die Digitalisierung aber keinen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die Arbeit wird uns in Brandenburg nicht ausgehen. Aber es werden in den kommenden Jahren einige Berufsbilder verschwinden, dafür werden neue entstehen. Die Anforderungen an Ausbildung und Qualifizierung steigen deutlich. Die Zeit, in der man einmal einen Beruf gelernt und dann sein Leben lang darin gearbeitet hat, ist endgültig vorbei.

Lernen findet nicht mehr temporär außerhalb vom Betrieb statt, sondern das ganze Berufsleben lang, idealerweise während des Arbeitsprozesses. Auch die Unternehmen müssen sich darauf einstellen. Der technische Fortschritt verlangt von ihnen deutlich mehr Investitionen in die Qualifizierung der Beschäftigten. Weiterbilden ist der Schlüssel für die Fachkräftesicherung.

Das wird eine enorme Herausforderung für Beschäftigte und Betriebe gleichermaßen. Darauf müssen wir die Weiterbildungsangebote im Land Brandenburg ausrichten. Brandenburg ist bislang bei der beruflichen Weiterbildungsbeteiligung im Ländervergleich sehr gut aufgestellt. Diesen Vorteil müssen wir ausbauen. Dafür muss es der Weiterbildungslandschaft gelingen, Arbeits- und Lernprozesse besser miteinander zu verzahnen.“

Vor dem Beginn der Jahrestagung besichtigten Golze und Holthuis gemeinsam mit der Präsidentin der TH Wildau, Prof. Ulrike Tippe, das neue Labor für Verkehrssystemtechnik der Hochschule, die einen besonderen Fokus auf das Thema Digitalisierung setzt und stellvertretend für die erfolgreiche Verbindung von Wissenschaft und betrieblicher Praxis steht.

Der Europäische Sozialfonds ist das wichtigste und älteste Finanzinstrument der Europäischen Union, um Beschäftigung zu fördern und Arbeitslosigkeit abzubauen. In der aktuellen Förderperiode 2014 bis 2020 erhält Brandenburg rund 362 Millionen Euro aus dem ESF, die durch Landesmittel bzw. Drittmittel aufgestockt werden.

Die ESF-Mittel werden in Brandenburg für arbeitspolitische Maßnahmen vor allem in den Bereichen Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit, Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit, Aus- und Weiterbildung, Fachkräftesicherung, Existenzgründung sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie verwendet. Weitere Informationen zum ESF gibt es im Internet unter www.esf.brandenburg.de.

Die Kurzfassung der Studie „Arbeit 4.0 in Brandenburg“ kann auf der WFBB-Internetseite https://www.wfbb.de als PDF-Datei heruntergeladen werden. Im Herbst soll eine Langfassung folgen.

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