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26.11.2018Fachtagung pro familia: Sozialministeriums Susanna Karawanskij: „Niemand darf Gewalt hilflos ausgesetzt sein“ | 182/2018

Ministerin Susanna Karawanskij Neues Fenster: Bild - Ministerin Karawanskij Portrait 1 - vergrößern Foto: Johanna Bergmann

„Menschen mit Behinderungen sind deutlich häufiger von sexualisierter Gewalt bedroht. In Brandenburg haben viele Einrichtungen der Behindertenhilfe das Thema erkannt und bieten Unterstützung an. Das wollen wir weiter ausbauen. Niemand darf Gewalt hilflos ausgesetzt sein“, sagte Sozialministerin Susanna Karawanskij heute in Potsdam. Im Sozialministerium eröffnete sie eine Fachtagung des Landesverbandes pro familia Brandenburg zum Thema „Sexualpädagogische Schutzkonzepte – Die Prävention sexualisierter Gewalt und die Umsetzung der UN-Behindertenrechts-konvention zusammendenken“. Die Veranstaltung findet im Zusammenhang mit dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen statt.

Der Landesverband pro familia setzt seit 2015 in Brandenburg das Modellprojekt „Sexuelle Gewaltprävention im Lebens-, Lern- und Arbeitsumfeld von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen“ um. Daran beteiligen sich sechs Einrichtungen der Behindertenhilfe. Das Sozial- und das Bildungsministerium fördern das auf drei Jahre ausgelegte Projekt im Rahmen des Behindertenpolitischen Maßnahmenpaketes der Landesregierung mit insgesamt 109.000 Euro.

Sozialministerin Karawanskij sagte: „Mit dem Modellprojekt haben wir zum ersten Mal ein Beratungsangebot zu sexueller Gewaltprävention und Krisenintervention für Menschen mit Behinderungen, deren Familienangehörige sowie für Beschäftigte der Behindertenhilfe und der Wohneinrichtungen erprobt. Die gesammelten Erfahrungen sind positiv. Das Projekt zeigt, wie sexuelle Gewaltprävention auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen organisiert und umgesetzt werden kann. Jetzt wollen wir den Ansatz gemeinsam weiterentwickeln, um das Angebot in Brandenburg dauerhaft zu etablieren.“ Dafür sind in den nächsten Jahren Mittel aus dem Behindertenpolitischen Maßnahmenpaket in Höhe von jährlich rund 30.000 Euro eingeplant.

Sandra Schramm, Geschäftsführung pro familia Brandenburg, erklärte: „Die 2009 in Deutschland in Kraft getretene Behindertenrechtskonvention stärkt auch die sexuellen und reproduktive Rechte von Menschen mit Beeinträchtigung. Darin ist auch das Recht auf Sexualfreundlichkeit von Einrichtungen verankert. Diese Rechte können nur in Einrichtungen umgesetzt werden, die Fachkompetenz im Umgang mit dem Thema Sexualität und Schutz vor sexualisierter Gewalt bzw. sexuellem Missbrauch besitzen. Sexualpädagogische Schutzkonzeptionen ermöglichen es sexuelle Bildung, Prävention und Notfallintervention zu verbinden. Einrichtungen können so einen individuellen und gleichzeitig fachlich kompetent begleiteten Weg finden.“

Hintergrund

Die Landesregierung unternimmt seit Jahren verschiedene Bemühungen in Form von Projektförderungen, um die Interessenvertretung von Frauen mit Behinderungen und generell den Gewaltschutz in Einrichtungen zu fördern.

Das Modellprojekt hat der pro familia Landesverband Brandenburg e.V. entwickelt. Es wird fachlich unter der Leitung des Sozialministeriums durch einen Projektbeirat aus Einrichtungsträgern, Leistungserbringern, Landesbehindertenbeirat, Landesverwaltung und Landesamt für Soziales und Versorgung – Aufsicht für unterstützende Wohnformen (LASV-AuW) begleitet. Das Modellprojekt und die Ergebnisse sollen in die Gewaltschutzstrategie des Landes für Menschen mit Behinderungen einfließen.

Bisher wurde in Einrichtungen der Behindertenhilfe häufig die Prävention von sexueller Gewalt auf einer strukturell-bürokratischen Ebene und Sexualpädagogik auf einer pädagogisch-individuellen Ebene gedacht. Das Modellprojekt initiiert nun in den Einrichtungen der Behindertenhilfe einen organisationsentwickelnden Bildungsprozess, der alle Ebenen der Einrichtungen zusammendenkt. Dabei sollen alle Menschen, die in der Einrichtung leben und arbeiten an diesem teilnehmen und ihn mitgestalten.

Seit Ende 2015 setzt der pro familia Landesverband mit seinen Mitarbeitern/innen das neuartige Beratungsangebot für Wohneinrichtungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen und Behindertenwerkstätten um. Kern ist eine fachlich fundierte Organisationsberatung, die auf allen Ebenen, von der Leitung, über Betreuungskräfte, gewählte Frauenbeauftragte bis zu den zu betreuenden Menschen mit Behinderungen greift.

In Form von Workshops und Gesprächskreisen erhalten Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Behinderteneinrichtungen konkrete sexualpädagogische Angebote zur Stärkung ihrer Selbstbestimmung. Alle Beteiligten und Interessierten werden darin begleitet und unterstützt, gemeinsame Regeln und Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Miteinander in Partnerschaft und/oder Sexualität ohne gewalttätige Grenzüberschreitungen zu vereinbaren. Am Ende des Coachings steht eine sexualpädagogische Schutzkonzeption in den Einrichtungen, die gelebt und tagtäglich angewandt wird. Sechs Einrichtungen wurden dabei im Modellzeitraum intensiv beraten, weitere werden folgen.

In Brandenburg gibt es über 580 Einrichtungen der Behindertenhilfe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Dazu zählen zum Beispiel Wohnstätten und Werkstätten für Menschen mit Behinderungen.

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