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29.11.2018Fachtag „Transgeschlechtlichkeit“ - Karawanskij: Umgang mit trans* Menschen immer noch mit Unsicherheiten behaftet | 189/2018

Wenn eine Frau eine Arztpraxis betritt, aber auf ihrer Gesundheitskarte oder in ihrem Ausweis ein ‚Herr‘ erkennbar ist, kann es bei der Anmeldung zu Irritationen kommen. Damit das im vollen Wartezimmer nicht zu einer unangenehmen Situation führt, will das Land noch stärker Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich für die Bedarfe von transidenten Menschen sensibilisieren. Das Sozialministerium veranstaltet heute zum ersten Mal im Rahmen des Aktionsplans „Queeres Brandenburg“ einen Fachtag zum Thema „Transgeschlechtlichkeit“ für medizinisches Fachpersonal.

Sozialministerin Susanna Karawanskij sagte zu Beginn: „Wir alle müssen uns von dem Denken befreien, dass der erste Eindruck die volle Persönlichkeit eines Menschen erfassen kann. Jeder Mensch ist ein Individuum mit ganz besonderen Fähigkeiten, Eigenschaften und Interessen. Körperliche Merkmale allein sagen noch nichts darüber aus, wie ein Mensch sich selbst definiert. Es gibt weit mehr als die beiden Kategorien ‚weiblich‘ und ‚männlich‘. Wir wollen weiter daran arbeiten, jede Form von Diskriminierung zu verhindern. Diskriminierung umfasst unter anderem Nicht-Ernstnehmen, Lästern oder unangenehme Witze. Und auch die ganz konkrete Situation, im Wartezimmer einer Praxis mit dem falschen Pronomen aufgerufen zu werden.“

Besonders der medizinische Bereich sei für Personen mit Varianten der Geschlechtsidentität sowie für Personen, die sich einem anderen als dem in Ausweis eingetragenen Geschlecht oder keinen Geschlecht zugehörig fühlen, ein äußerst sensibler und emotionaler Bereich, so die Ministerin.

Hintergrund

Die Landesregierung hat im Dezember 2017 den „Aktionsplan für Akzeptanz von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, für Selbstbestimmung und gegen Homo- und Transphobie in Brandenburg“ (kurz: „Aktionsplan Queeres Brandenburg“) mit mehr als 60 Maßnahmen beschlossen. Der heutige Fachtag ist eine Maßnahme davon. Die Veranstaltung des Sozialministeriums mit zahlreichen Teilnehmenden fand im Gebäude der Kassenärztlichen Vereinigung in Potsdam statt.

Mit der Erarbeitung des Aktionsplans wurde eine Umfrage zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ*) in Brandenburg durchgeführt.

Ein Ergebnis: Der Umgang des medizinischen Personals mit trans* Menschen ist immer noch mit Unsicherheiten behaftet und von fehlenden Kenntnissen geprägt. Zwar empfinden 73 Prozent der Trans* Personen den Umgang mit medizinischen und therapeutischen Personal entsprechend respektvoll und nur jede/jeder Zweite hat das Gefühl, dass die eigene geschlechtliche Identität keinerlei ersichtliche Bedeutung im Rahmen der Behandlung spielt. Aber auch knapp jede zweite Trans*-Person war unangenehmen Fragen zur eigenen geschlechtlichen Identität ausgesetzt und 43 Prozent berichteten von einer expliziten Pathologisierung der geschlechtlichen Identität.

Der Begriff transgeschlechtlich beschreibt in einem Zweigeschlechtersystem Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht übereinstimmt. Das umfasst Menschen, die sich ‚gänzlich‘ mit ‚dem anderen‘ Geschlecht identifizieren als auch Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau fühlen. Das Sternchen * steht in diesem Fall für die verschiedenen Identifizierungsmöglichkeiten und Begrifflichkeiten für trans* Menschen.

In Verbindung mit dem Fachtag wird eine weitere Maßnahme aus dem „Aktionsplan Queeres Brandenburg“ umgesetzt. Auf der Internetseite des Sozialministeriums unter https://masgf.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.615701.de ist der Aktionsplan in Leichter Sprache verfügbar.

Als erstes Bundesland hat Brandenburg bereits 1992 ein Diskriminierungsverbot aufgrund der sexuellen Identität in seine Landesverfassung aufgenommen. Seitdem hat das Land immer wieder Zeichen gegen Benachteiligung und Diskriminierung geschlechtlicher und sexueller Vielfalt gesetzt.

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