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Eröffnung Wanderausstellung „Frauensache?!“ der Cartoonlobby e.V., 14. Mai 2019, Rathaus Schönefeld

Sehr geehrter Bürgermeister Dr. Haase,
sehr geehrter Landrat Loge,
liebe Frau Vogt,
lieber Herr Nicolai,
sehr geehrte Anwesende,

vielen Dank für die Einladung anlässlich der heutigen Ausstellungseröffnung ein Grußwort zu sprechen.

Kennen Sie auch diese Vorfreude? Diese Neugierde, wenn Sie es sich mit einer Tasse duftendem Kaffee und ihrer Zeitung gemütlich machen und dann als erstes bis zur Seite mit den Karikaturen blättern?
Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen, dann sind Sie vermutlich schon im Cartoon- Museum in Luckau gewesen. Ein toller Ort! Mit einer in Deutschland einzigartigen Sammlung. Ich kann Ihnen einen Besuch nur wärmstens ans Herz legen.

Mein letzter Besuch im Cartoonmuseum ist bereits ein Jahr her. Gemeinsam mit Frau Voigt besuchte ich die Ausstellung „Frauensache?!“ mit Karikaturen von Künstlerinnen aus ganz Deutschland. Wir waren begeistert! Schnell entstand die Idee einer Wanderausstellung, um dieses Highlight einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. 

Wir leben nun mal in einem weitläufigen Bundesland. Natürlich kommen nicht alle Brandenburgerinnen und Brandenburger mal eben so schnell nach Luckau. Wenn die Menschen nicht zu den Zeichnungen kommen können, dann kommen die Zeichnungen eben zu den Menschen. Herr Nikolai und der Verein Cartoonlobby e.V. ergriffen die Initiative zu diesem Projekt, und es ist mir eine besondere Freude, dass ich diese Ausstellung als Landesgleichstellungsbeauftragte finanziell unterstützen konnte.

Die Exponate wurden für die Wanderausstellung noch etwas zugespitzt und Bilder ausgewählt, die rund um das Thema Gleichstellung der Geschlechter kreisen. Ich finde es faszinierend wie verschieden und vielschichtig die Bilder dieses Thema aufgreifen. Es sind Bilder von vielen tollen Künstlerinnen: Renate  Alf, Barbara Henniger, Christiane  Pfohlmann und viele mehr! Ich kann hier leider gar nicht alle aufzählen.

Ihre Werke für ein breites Publikum sichtbar zu machen, ist ein wichtiges Anliegen. Schließlich sind Frauen nicht nur in Führungspositionen unterrepräsentiert. Auch in der Kunst haben Künstlerinnen schwierigere Bedingungen.  Barbara Henniger hat dies einmal mit ihrer gemalten Forderung nach einer Frauenquote für Karikaturistinnen auf den Punkt gebracht, wie Sie hier sehen.
Dem ist nichts hinzuzufügen, finde ich.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte, heißt es ja. Ich bewundere die Fähigkeit politischer Karikaturistinnen ihre Botschaft so unmissverständlich auf den Punkt zu bringen. Wir Politikerinnen und Politiker können davon viel lernen. Manche Zeichnung hat sogar schon einen weltweiten Lernprozess ausgelöst.

Kein Witz! Haben Sie schon einmal vom Bechdel-Test gehört?

Der Bechdel-Test besteht aus drei knackigen Fragen, mit denen der „Emanzipationsgrad“ eines Films oder Romans ermittelt werden kann.


Die Fragen lauten:

  • Kommen darin zwei Frauen vor?
  • Führen diese beiden Frauen ein Gespräch miteinander?
  • Geht es in diesem Gespräch um etwas anderes als einen Mann?

Die Idee ist so einfach wie entlarvend. Avatar und Harry Potter fallen da ganz klar durch.

Probieren Sie es einfach mal aus. Sie sind dabei in bester Gesellschaft. Besonders in den 2000er Jahren wurde der Bechdel-Test intensiv diskutiert und das Internet ist voll von Listen und Medienberichten, zum Beispiel über Filmfestspiele bei denen das Programm dem Bechdel-Test unterzogen wurde.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil der Bechdel-Test eigentlich Bechdel-Wallace-Test heißen müsste. Das findet zumindest Alison Bechdel, der diese Idee seit Mitte der 1980er Jahre zugeschrieben wird. Alison Bechdel ist eine Comiczeichnerin aus den USA, die mit ihren Comics über das Leben von Lesben berühmt geworden ist. In einem dieser Comics lässt sie eine der Figuren erklären, dass sie nur Filme schaue, die die oben genannten Fragen positiv beantworten lassen. Die Inspiration zu dieser Idee habe sie von ihrer Karate-Partnerin Liz Wallace bekommen.

Doch ohne die Bilder von Alison Bechdel, die meine Generation bewegt haben, wäre diese Idee sicher nicht um die Welt gegangen. Immerhin werden bei uns in Brandenburg sogar die Werke von Theodor Fontane auf den Bechdel-Test abgeklopft. Fällt übrigens auch durch.

Ich bin mir sicher: viele der Themen, die die hier ausgestellten Künstlerinnen ansprechen, werden Ihnen ebenfalls im Gedächtnis bleiben. Egal ob es um Themen wie Altersarmut, Frauen in Führungspositionen, die Rollenverteilung bei der Erziehung von Kindern oder die Entgeltungleichheit zwischen Männern und Frauen geht.

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Mir macht es Spaß zu reizen und die Absurditäten und Widersprüche, die unter einer scheinbar glatten Oberfläche verborgen liegen, ans Licht zu bringen“. Dieses schöne Zitat ist von der leider bereits verstorbenen Marie Marcks, einer der ersten Frauen, die politische Karikaturen zeichnete und viele frauenpolitische Themen mit spitzer Feder verewigte. Ich finde, dieses Zitat, passt auch zu den hier ausgestellten Künstlerinnen.

Es erinnert mich daran, was Henri Nannen der Kunst zusprach. Er sagte einmal: „Kunst muss anstößig sein; sie muss Denkanstöße geben.‘‘ Das haben die Bilder der hier ausgestellten Karikaturistinnen zumindest bei mir erreicht. Ich hoffe auch bei Ihnen.

Denken ist wichtig – und Lachen ist auch extrem wichtig! Gemeinsam lachen ganz besonders. Das sagt Ihnen eine echte „von der Lippe“. Ich wünsche also interessante neue Gedanken und vor allem: viel Spaß!

Vielen Dank!