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12.08.2019

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Dank Digitalisierung: Verbesserung der Notfallversorgung von Herzinfarkt-Patienten in Berlin und Brandenburg

Ministerin Karawanskij und Senatorin Kalayci informieren über innovatives Projekt „QS-Notfall“


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Ministerin Karawanskij und Senatorin Kalayci informieren am 12. August 2019 über Projekt „QS-Notfall“
Foto: Oberhavel Kliniken GmbH / H. Wittstock

Der Herzinfarkt ist einer der häufigsten medizinischen Notfälle. Bei der Versorgung zählt jede Minute. Die eindeutige Diagnose Herzinfarkt durch den Notarzt oder die Notärztin kann die weitere Versorgung der Patienten und damit ihre Überlebenschancen verbessern. In vielen Fällen ist das aufgrund von atypischen Beschwerden aber nicht so einfach. Deshalb hat das Berlin-Brandenburger Herzinfarktregister das Projekt „QS-Notfall“ initiiert. QS-Notfall steht für Qualitätssicherung in der Notfallversorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt. Dabei werden u.a. aus dem Rettungswagen EKG-Daten elektronisch in eine Klinik zu Fachärzten übertragen, um von dort eine sichere Diagnose zu erhalten und im Ernstfall eine schnellere Notfallversorgung zu erreichen. Brandenburgs Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij und Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci informierten heute in der Klinik Hennigsdorf (Oberhavel) über den aktuellen Projektstand.

Das Modellprojekt startete im März 2017 und wird für drei Jahre mit 1,5 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert. Daran beteiligt sind 22 Berliner Kliniken und die Kliniken Nauen und Hennigsdorf aus Brandenburg sowie die Rettungsdienste aus Berlin, Havelland und Oberhavel. Das Projekt umfasst neben der Notfall-EKG-Übertragung auch Schulungen von Notärztinnen und Notärzten sowie Rettungskräften.

Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij sagte: „Dank der modernen Herzmedizin ist die Sterblichkeit bei akuten Herzinfarkten in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. Jetzt geht es darum, die notärztliche Versorgungskette mit Hilfe der Digitalisierung weiter zu optimieren. Brandenburg hat ein besonderes Interesse. Zwar ist hier die Sterblichkeit bei Herzinfarkten, die in einer Klinik ankommen, vergleichbar mit den anderen Bundesländern. Aber die gesamte Anzahl an Verstorbenen mit Todesursache Herzinfarkt ist mit am höchsten in der Bundesrepublik. Wir müssen alles unternehmen, um bei einem Infarkt die Behandlungszeiten so kurz wie möglich zu halten. Die Erfahrungen von ‚QS-Notfall‘ überzeugen. Ich wünsche mir, dass dieses Innovationsfondsprojekt vom G-BA in die Regelversorgung überführt und damit zum landesweiten Standard wird.“

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sagte: „In Berlin werden jährlich ca. 8.600 Menschen mit Herzinfarkt im Krankenhaus behandelt. Für sie zählt jede Minute. Ich freue mich sehr, dass sich schon jetzt alle 22 Berliner Kliniken, die rund um die Uhr Herzinfarkte behandeln, an dem Innovationsprojekt beteiligen. Digitalisierung ist der Schlüssel für ein noch besseres Gesundheitswesen. Daran arbeiten wir in Berlin kontinuierlich. Das Projekt „QS-Notfall“ ist ein sehr gelungenes Beispiel, wie Fortschritt durch Digitalisierung den Menschen zu Gute kommt. Die Stärke des Projektes liegt darin, dass die Ergebnisse Ende 2020 ausgewertet werden. Sollten diese überzeugen, ist das eine Technik, die landesweit in Berlin und Brandenburg ausgerollt werden sollte. Die gemeinsame Krankenhausplanung ist ein wichtiger Schritt, die Gesundheitsstadt Berlin als Teil der Gesundheitsregion Berlin-Brandenburg zu verankern.“

Projekt-Leiterin Dr. Birga Maier erklärte: „Wir wollen mit unserem Projekt die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Herzinfarkt an der Schnittstelle zwischen Rettungsdienst und Kliniken beschleunigen und verbessern. In den Kliniken ist nachts und am Wochenende das qualifizierte Personal nicht anwesend und muss erst in die Klinik gerufen werden. Wird es schon vom Notarzt vom Bett des Patienten aus gerufen, ist das spezialisierte Katheterteam im günstigsten Fall zeitgleich mit dem Patienten in der Klinik und kann gleich behandeln. Dieses ambitionierte Ziel funktioniert nur, wenn alle Rädchen im Ablauf perfekt und schnell ineinandergreifen, was uns hoffentlich mit dem QS-Notfall Projekt gelingt.“

PD Dr. Martin Stockburger, Vorsitzender des Berlin-Brandenburger Herzinfarktregisters und Chefarzt Kardiologie an der Klinik Nauen, erklärte: „Das Berlin-Brandenburger Herzinfarktregister ist ein Beispiel für die gelebte Gemeinsamkeit beider Länder zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Es hat zum Ziel, die stationäre Versorgung von Infarktpatienten zu verbessern und kann zeigen, dass sich die Krankenhaussterblichkeit am Infarkt im Register seit 1999 von 14% auf 7% halbiert hat. Das Register ist auch insofern eine Erfolgsgeschichte, weil mittlerweile 23 Berliner Kliniken und 3 Brandenburger Klinikverbünde sowie 3 weitere Brandenburger Kliniken freiwillig am Register teilnehmen. Mit seinem selbstorganisierten Ansatz und seinem 20-jährigen Bestehen ist das B2HIR einmalig in Deutschland.“

Dr. Stefan Poloczek, Ärztlicher Leiter Berliner Feuerwehr, erklärte: „Damit die Kliniken alles für die Ankunft eines Patienten mit ST-Streckenhebungsinfarkt im EKG vorbereiten können, wurden mit QS-Notfall die technischen und kommunikativen Voraussetzungen für die flächendeckende, elektronische EKG Übertragung vom Rettungs- oder Notarztwagen in die Kliniken und direkt zu den behandelnden Kardiologen geschaffen. Beim Patienten vor Ort wird vom Rettungsdienst ein EKG geschrieben und auf Knopfdruck in die Klinik übertragen, in die der Patient vom Rettungsdienst gefahren werden soll. Das EKG lässt sich in den Kliniken zeitgleich von einem Server abrufen und erscheint auch anonymisiert auf den Handys der diensthabenden Kardiologen. Mit QS-Notfall ist es bisher gelungen, 1.290 EKGs in die Berliner Kliniken mit Herzkatheterlabor zu übertragen.“

Hintergrund

Bei einem Herzinfarkt kommt es zu einem plötzlichen Verschluss eines Herzgefäßes, sodass der Herzmuskel beziehungsweise Teile des Herzmuskels nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Je früher das beim Infarkt verschlossene Herzkranzgefäß wieder eröffnet wird, umso weniger Herzmuskelgewebe geht unwiederbringlich verloren und mehr Menschen überleben.

In einer Pilotstudie konnte das Berlin-Brandenburger Herzinfarktregister (B2HIR) zeigen, dass die Eindeutigkeit der durch den Rettungsdienst gestellten EKG-Erstdiagnose bei Infarktpatienten maßgeblich die Versorgungszeiten beeinflusst.

Im Rahmen des Projekts „QS-Notfall“ wird eine interventionelle Studie mit einem „Vorher-Nachher Vergleich“ durchgeführt, bei der die Daten des B2HIR und der teilnehmenden Rettungsdienste in Berlin, Oberhavel und Havelland analysiert werden. Aus den Ergebnissen der Analysen sollen Interventionen abgeleitet und langfristig umgesetzt werden. Ziel des Projektes ist es, durch qualifizierte Notfallhilfe die Versorgung von Herzinfarktpatienten zu verbessern und damit letztendlich auch die Sterblichkeit am Herzinfarkt zu senken.

Weitere Kooperationspartner des Projektes „QS-Notfall“ sind die Ärztekammer Berlin, das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg (MASGF) und die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung des Landes Berlin (SenGPG).

Seit dem Jahr 2017 ist das B2HIR als Verein etabliert. Die Daten der teilnehmenden Kliniken werden erfasst, in ihrer Qualität bewertet und die Ergebnisse an die Kliniken zurückgemeldet. In Konferenzen werden die Ergebnisse und Maßnahmen besprochen. In Berlin gab es auf Initiative von führenden Kardiologen der Stadt, von der Ärztekammer Berlin und der TU-Berlin bereits seit 1998 eine flächendeckende klinische Registrierung der Herzinfarktdaten. Aufbauend auf diese Erfahrungen sind ab dem Jahr 2014 auch Brandenburger Kliniken dem Register beigetreten, sodass im Jahr 2017 das Register in das Berlin-Brandenburger Herzinfarktregister umbenannt wurde.

Das Herzinfarktregister ist eine länderübergreifende Erfolgsgeschichte: mittlerweile nehmen 23 Berliner Kliniken mit Herzkatheterlabor freiwillig daran teil und auch Brandenburger Kliniken sind zunehmend am Register interessiert. So hat das Herzinfarktregister inzwischen drei Brandenburger Klinikverbünde und drei Kliniken integriert und zwei weitere Brandenburger Anwärter auf eine Mitgliedschaft. Das B2HIR wird vom MASGF und vom SenGPG aktiv unterstützt.

Bis Ende 2018 waren mehr als 50.000 Patientinnen und Patienten im B2HIR erfasst, davon fast 2.800 Patientinnen und Patienten aus Brandenburg.

Mehr Informationen unter https://herzinfarktregister.de/projekte/qs-notfall-projekt/.

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