Das Ministerium

Unsere Themen

Landesbeauftragte

Landesstelle

Service

Schwerpunkte der brandenburgischen Familien- und Kinderpolitik

(Stand: 30. August 2011)

C. Schwerpunkte der Brandenburgischen Familien- und Kinderpolitik

  1. Bewährte und weiter zu entwickelnde Schwerpunkte und Maßnahmen
    1. Familienunterstützende Systeme
    2. Familienbildung
    3. Familien- und kinderfreundliche Infrastruktur
    4. Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit
    5. Bürgerschaftliches Engagement
  2. Neue Schwerpunktsetzung
    1. Ausbau familienunterstützender Systeme
    2. Stärkerer Fokus auf Bildungsübergänge
    3. Fördern von Bildungspatenschaften und der Schule als Teil des Gemeinwesens
    4. Unterstützung zivilgesellschaftlicher Beteiligung vor Ort
    5. Weiterentwicklung der Familienbildung

1. Bewährte und weiter zu entwickelnde Schwerpunkte und Maßnahmen

Familienpolitik wird in Brandenburg als Querschnittsaufgabe zur Verwirklichung des sozialstaatlichen Leitbildes umgesetzt. Die Landesregierung der 4. Legislaturperiode verständigte sich - unter Einbeziehung des Landesbeirats für Familienpolitik - auf zehn familienpolitische Leitziele, die Kinder-, Jugend, Bildungs-, Gesundheits-, Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialpolitik in die Verantwortung nehmen. Mit dem Programm für Familien- und Kinderfreundlichkeit „Die Brandenburger Entscheidung: Familien und Kinder haben Vorrang!“ wurden damit bereits 2005 die Weichen dahin gehend gestellt, Brandenburg zu einer besonders kinder- und familienfreundlichen Region in Europa zu gestalten.

 

Anspruch und Herausforderung für eine moderne und nachhaltige Familien- und Kinderpolitik wurden mit den  folgenden 10 Zielen beschrieben:

  1. Freude mit Kindern und Familie – Familienpolitik aus einem Guss
  2. Gute und gleiche Bildungschancen von Anfang an
  3. Familien- und kinderfreundliche Infrastruktur
  4. Gesund und gewaltfrei aufwachsen
  5. Unterstützung für Familien bei Erziehung und Bildung
  6. Solidarität und Verantwortung zwischen den Generationen
  7. Familien in der politischen Willensbildung stärken
  8. Familie und Erwerbsarbeit unter einem Hut
  9. Familien wirtschaftlich stärken
  10. Keine Benachteiligung von Familien und Kindern

Die Verwirklichung dieses gesamtpolitischen Vorhabens erfordert eine langfristig angelegte familienpolitische Strategie. Das „Maßnahmenpaket für Familien- und Kinderfreundlichkeit“ umfasste anfangs 61 Maßnahmen. Es wurde und wird stetig weiterentwickelt sowie aktuellen Erfordernissen angepasst. Unter dem Motto „Familien haben Zukunft in brandenburgischen Städten und Gemeinden“ brachten die kommunalen Akteure auf acht Regionalkonferenzen ihre vor Ort entwickelten und realisierten Maßnahmen ideenreich in das Programm ein. Der mit den eigenen Maßnahmen der Kommunen verbundene erhebliche Finanzbeitrag und die Akzeptanz bei den Akteuren des gesellschaftlichen und politischen Lebens haben bewirkt, dass die Wahrnehmung einer Politik für Familie und Kinder spürbar aufgewertet wurde. Erfolgreich abgeschlossene Vorhaben, neue Impulse aus den Ressorts und ergänzende Aktivitäten in der Öffentlichkeitsarbeit trugen dazu bei, dass das Paket im Juni 2009 67 Maßnahmen umfasste. Die Schwerpunkte waren:

 

a)      Familienunterstützende Systeme

 

Das Land Brandenburg hat in den letzten Jahren den Aufbau familienunterstützender Systeme - wie die „Lokalen Bündnisse für Familie“, das „Netzwerk Gesunde Kinder“ oder die „Eltern-Kind-Zentren“ - gefördert und begleitet. Familien-, Kinder- und Jugendverbände, Landes- und regionale Jugendhilfeausschüsse und vor allem die mittlerweile 47 engagiert arbeitenden „Lokale Bündnisse für Familie“ sind geeignete Partner, um die Bedürfnisse von Familien und Kindern zu artikulieren und durchzusetzen. Mit ihrer Hilfe wurden viele Projekte - wie z. B. Internetcafés, Freiwilligenagentur und soziokulturelle Veranstaltungen - in verschiedenen Städten ins Leben gerufen. Das schafft auf lange Sicht bessere familien- und kinderfreundliche Rahmenbedingungen in der Region.

 

Das „Netzwerk Gesunde Kinder“ startete 2006 mit dem Ziel, Schwangeren, Müttern und Familien mit präventiven Angeboten und frühen Hilfen die erforderliche Unterstützung für eine gesunde Entwicklung ihrer Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu geben. Heute decken 18 regionale Netzwerke an 30 Standorten gut drei Viertel der Fläche Brandenburgs ab - bundesweit einmalig. Unterstützt von Akteuren im ambulanten und stationären Bereich, der freien Wohlfahrtspflege, der Gesundheits-, Jugend- und Sozialämter sowie von geschulten ehrenamtlichen Patinnen und Paten, bietet das Netzwerk allen jungen Familien mit kleinen Kindern - professionell und individuell angepasst - regelmäßige Begleitung und Hilfen aus einer Hand.

 

Kindertagesstätten oder andere geeignete Einrichtungen wurden zu „Eltern-Kind-Zentren“ ausgebaut. Gerade auch in sozial benachteiligten Einzugsbereichen haben sie sich zu niedrigschwelligen familienunterstützenden Angeboten entwickelt. Die Zentren sind wichtige und anerkannte Orte der Beratung, Bildung und Unterstützung von Familien. Sie vernetzen die regionalen Angebote kultureller und sozialer Einrichtungen, geben Hilfen für Familien und mobilisieren freiwilliges Engagement für diese Arbeit. In den Jahren 2006 bis 2008 wurden 20 „Eltern-Kind-Zentren“ und Familientreffs gefördert. Um deren Fortführung und den Ausbau der Angebote zu sichern, werden die Zentren heute von Jugendämtern finanziert.

Bildungs- und Begegnungsangebote für Kinder und ihre Eltern, in denen sich Familienbildung, Kindertagesbetreuung und soziale Begegnung zu einer besonders niedrigschwelligen Form der Familienunterstützung verbinden, erwiesen sich als besonders wirkungsvoll. Insbesondere Familien mit unter dreijährigen Kindern, die kein Betreuungsangebot in Kindertagesstätten oder in Kindertagespflege in Anspruch nehmen wollen oder deren Kinder keinen Rechtsanspruch haben, fanden in diesen Gruppen einen passenden Rahmen.

 

Vor diesem Hintergrund wurde das Folgeprojekt „Eltern-Kind-Gruppen“ entwickelt, das von 2009 bis Ende 2011 mit 398.000 € pro Jahr vom Land unterstützt wird. Eltern-Kind-Gruppen sind Angebote für Eltern und Kinder, die Kindern wie auch ihren Eltern die Gelegenheit zu sozialen Kontakten geben, Bildungsangebote und hilfreiche Anregungen bieten sowie Familien den Zugang zu anderen Unterstützungsangeboten und Hilfen erleichtern.

 

Die Resonanz der Mütter und Väter ist groß. Insbesondere für Eltern mit Kindern bis zum Vorschulalter zeigen die bereits initiierten Maßnahmen sichtbare Erfolge. Es besteht zunehmend die Bereitschaft, unterstützende und beratende Angebote anzunehmen und selbst Verantwortung zum Wohl eigener und anderer Kinder wahrzunehmen.

 

b)      Familienbildung

 

Die Familienbildung hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die hohe Nachfrage nach dem „Ratgeber für Familien“, dem „Familienpass Brandenburg“ oder dem Begrüßungspaket mit den kostenfreien Elternbriefen zeigt deutlich, dass Familien die Angebote nach wie vor gut annehmen. Informationen stehen bei Müttern und Vätern hoch im Kurs. Darüber hinaus bieten die „Eltern-Kind-Zentren“ eine vielfältige Angebotspalette zur Elternbildung. Inzwischen haben die Ressorts - in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Brandenburg, Kindertagesstätten und Schulen, Kliniken, Unternehmen, Familien und Sponsoren - beispielhafte (niedrigschwellige) Informations- und Beratungsangebote für die gesunde frühkindliche Entwicklung und zur Stärkung der Elternkompetenzen entwickelt. Gleichzeitig ist es damit gelungen, die Öffentlichkeit und Familien für diese Thematik stärker zu sensibilisieren.

 

c)      Familien- und kinderfreundliche Infrastruktur

 

Um die Lebensqualität für Familien zu steigern, fördern das Land und die Kommunen eine nachhaltige Wohnungs- und Stadtentwicklung, vor allem im ländlichen Raum. Zudem wurden Kitas, Spielplätze, Schulen, Schul- und Radwege, Freizeitsportanlagen, Jugendclubs und Begegnungszentren saniert und modernisiert. Attraktive Kommunen, in denen man gern wohnt und lebt - mit guter Betreuung und Bildung in Kitas oder in generationsgerechten Wohnungen. Im Rahmen des familien- und kinderpolitischen Programms wurde darüber hinaus das kita-integrierte verbindliche Programm zur kompensatorischen Sprachförderung im Jahr vor der Einschulung flächendeckend implementiert. Seit 2006 wurden mehr als 2.000 Erzieherinnen 11 Tage lang zur Sprachentwicklung, Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung fortgebildet. Die Erzieherinnen setzen das Programm seit dem Schuljahr 2009/2010 landesweit um.

 

d)         Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit

 

Familie und Erwerbstätigkeit gehören zusammen. Das ist das Leitbild der Landesregierung. Dafür schafft die Landesregierung die geeigneten Rahmenbedingungen und übernimmt selbst eine Vorbildfunktion. Das MASF sowie viele Unternehmen Brandenburgs - darunter 38 kleine und mittlere Unternehmen mit Förderung aus Mitteln des ESF - absolvierten freiwillig einen Optimierungsprozess zum Erwerb des Zertifikats „audit berufundfamilie“. Mit dem Zertifikat werden eine familienbewusste Personalpolitik und familienfreundliche Arbeitsbedingungen auszeichnet. Das Angebot an familienbewussten betrieblichen Weiterbildungs- und Vereinbarkeitsmaßnahmen wurde in vielen Behörden und Unternehmen ausgebaut. Dazu gehören die Arbeitszeit, die Arbeitsorganisation, die Führungskompetenz, die Personalentwicklung, der Service für Familien und das betriebliche Klima. Durch Kita-Betreuungsangebote und Teilzeitstudienpläne unterstützen Brandenburgs Hochschulen gezielt die Balance zwischen Studium und Familie für Frauen und Männer. Qualifizierten Fachkräften wird auf ihrem Weg oder bei ihrer Rückkehr in die Erwerbstätigkeit geholfen.

 

Eine verlässliche finanzielle Absicherung erhalten Familien aber zuerst durch Erwerbstätigkeit. Gute Arbeit, Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen sowie faire Entlohnung sind Themen, denen sich die Landesregierung auch im Kontext von Familienpolitik stellt.

 

e)      Bürgerschaftliches Engagement

 

Bürgerschaftliches Engagement hat im Land Brandenburg viele Gesichter. Die Spannweite reicht von der Unterstützung Angehöriger über die ehrenamtliche Tätigkeit im Verein, Projekte auf ehrenamtlicher Basis bis hin zu Freiwilligenagenturen und unternehmerischem Engagement. Mit einer Koordinierungsstelle und dem Landesvertrag zur Unfallversicherung wurden die Rahmenbedingungen für ehrenamtlich oder freiwillig Tätige deutlich verbessert. Ihre Arbeit wird zudem gefördert durch Informationen, Öffentlichkeitsarbeit und Anerkennung.

Auch im Kinder- und Jugendhilfebereich sind die Beteiligungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten speziell von Kindern und Jugendlichen durch die Änderung des AGKJHG verbessert worden. So können bereits 14-jährige als stimmberechtigtes Mitglied im örtlichen Jugendhilfeausschuss oder Landesjugendhilfeausschuss mitarbeiten.

 


2.      Neue Schwerpunktsetzung

 

Mit dem Koalitionsvertrag „Gemeinsinn und Erneuerung: Ein Brandenburg für alle“ vom 5. November 2009 verständigte sich die Regierungskoalition darauf, das familien- und kinderpolitische Programm weiterzuentwickeln.

 

Die Familienpolitik ist dem erklärten Ziel, Brandenburg zu einer besonders kinder- und familienfreundlichen Region in Europa zu gestalten, in den letzten Jahren deutlich näher gekommen. Aufgabe bleibt es aber auch künftig, nachhaltige Perspektiven und Angebote für alle Lebensphasen von Kindern und Familien zu schaffen. Das neue „Familien- und Kinderpolitische Programm“ knüpft hier an die positiven Erfahrungen der letzten fünf Jahre an. Die bewährten familien- und kinderpolitischen Leitziele bilden auch künftig das Fundament für eine fortschrittliche, integrierte und gleichstellungsorientierte Familien- und Kinderpolitik in Brandenburg. Damit bleiben der Generationenverbund von Müttern und Vätern, Kindern, Geschwistern und Großeltern sowie alle Formen des dauerhaft angelegten privaten Zusammenlebens mit Kindern wesentliche Grundlage politischen Handelns. Durch Vernetzung administrativer Strukturen und Steuerung über Ressortgrenzen hinweg wird auf Landesebene ein modernes und familienfreundliches verwaltungspolitisches Handeln gefördert.

Die Landesregierung sieht sich weiterhin als Impulsgeber für die qualitative und quantitative Verbesserung von Angebotsstrukturen. Lebensphasenorientiert stehen dabei insbesondere Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende, Patchwork-Familien und Familien mit Migrationshintergrund im Fokus. Die Landesregierung legt weiter eine besondere Aufmerksamkeit auf die Übergänge zwischen einzelnen Bildungsphasen sowie die Chancengerechtigkeit bei Bildungszugängen und für Jugendliche auf dem Weg ins Erwerbsleben.

 

Fünf Themenschwerpunkte bestimmen - unter Berücksichtigung der besonderen demografischen und räumlichen Situation Brandenburgs - in den nächsten Jahren das staatliche Handeln:

 

 

Das Maßnahmenpaket wurde nach diesen Aspekten neu strukturiert. Sowohl bewährte als auch neu entwickelte Maßnahmen und Instrumente wurden aufgenommen. Es enthält konkrete Positionen und identifiziert Handlungsbedarfe, insbesondere für alleinerziehende Mütter und Väter, Familien mit mehreren Kindern, Familien mit Migrationshintergrund, aber auch für die Pflege und Betreuung von Angehörigen im familiären Umfeld. Bei der Erarbeitung wurden die Berichte des Landes „Lebenslagen in Brandenburg – Chancen gegen Armut“, des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie „Familienform: Alleinerziehend – Soziale Situation alleinerziehender Mütter und Väter im Land Brandenburg“, „Zuwanderung und Integration im Land Brandenburg“ der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg sowie das „Familien- und kinderpolitische Konzept für das Land Brandenburg“ des Landesbeirats für Familienpolitik des Landes Brandenburg berücksichtigt.

 

Eine gute Vernetzung und gemeinsame Handlungsstrategien von politischen und fachspezifischen Akteuren sind Voraussetzungen dafür, dass sich die Lebenssituation und Bildungschancen für alle Kinder und deren Familien verbessern. Die Relevanz familienpolitischer Themenfelder hinsichtlich der Gleichstellung, Menschen mit Behinderung sowie Seniorinnen und Senioren hat erheblich zugenommen – daher werden für entsprechende Handlungsschwerpunkte eigenständige Programme und Maßnahmen entwickelt und miteinander verknüpft. So wurde im neuen Programm u.a. die Geschlechterperspektive geschärft und zugleich familien- und kinderpolitische Maßnahmen, die zu einem fairen Verhältnis zwischen Mütter und Vätern beitragen, im Gleichstellungspolitischen Rahmenprogramm verankert. Im Rahmen des Familien- und Kinderpolitischen Programmes sind für diese Legislaturperiode folgende Schwerpunkte hervorzuheben:

 

a)         Ausbau familienunterstützender Systeme

 

Frühkindliche Bildung und Förderung sind das Fundament für eine gute Ausbildung und damit entscheidend für eine erfolgreiche Lebensgestaltung. Die positiven Wirkungen der frühkindlichen Erziehung und Bildung auf die geistige, soziale und emotionale Entwicklung sind bei allen Kindern nachweisbar, unabhängig vom sozialen Kontext. Eine gute Infrastruktur der Kinderbetreuung bietet zudem die Möglichkeit für frühe gesundheitliche Vorsorge. Mit dem verbesserten Personalschlüssel für Kinder im Krippen- und Kindergartenalter seit dem 1. Oktober 2010 können die Kindertagesstätten den gewachsenen Anforderungen besser gerecht werden. Zukünftig werden jährlich mehr als 36 Mio. Euro - zusätzlich zu den Landeszuschüssen für Kindertagesbetreuung von über 150 Mio. Euro - aufgewendet. Die Mehrkosten trägt das Land - in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine erhebliche finanzielle Anstrengung. Damit setzt die Landesregierung eines der wichtigsten kinder- und bildungspolitischen Vorhaben um.

 

Die regionalen „Netzwerke Gesunde Kinder“, „Lokalen Bündnisse für Familie“, „Eltern-Kind-Zentren“ und „Eltern-Kind-Gruppen“ sind Weiterentwicklungen und Ergänzungen der kinder- und familienbezogenen Infrastruktur. Mit niedrigschwelligen Angeboten der Betreuung, Bildung und Lebenshilfe aus einer Hand tragen sie dazu bei, die elterlichen Erziehungskompetenzen zu stärken. Sie sind Anlaufstelle, Netzwerk und Drehscheibe für familienorientierte Dienstleistungen, Erziehungs- und Familienberatung, Gesundheitsförderung, Krisenintervention und Hilfeplanung und sollen so allen Familien die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Diese Strukturen werden positiv genutzt und qualitativ weiter ausgebaut, auch um familienergänzende Bildungsangebote richtig zu platzieren - ihre Bedeutung ist insbesondere für Mütter sehr hoch, da diese oft immer noch den wesentlichen Anteil der Familienarbeit leisten.

 

b)         Stärkerer Fokus auf Bildungsübergängen

 

Bildungsangebote sollen so ausgestaltet sein, dass alle Kinder in ihrer Entwicklung davon profitieren. Dazu ist es auch erforderlich, die Eltern einzubeziehen und insbesondere die Übergänge mit ihren Chancen positiv zu gestalten. Nach Einschätzung des Landesbeirates für Familienpolitik besteht im Zusammenwirken zwischen Eltern, Nachbarschaft, freiwilligen und professionellen Angeboten sowie bei den Übergängen vom Kindergarten in die Schule und von der Schule in den Beruf noch Entwicklungsbedarf.

 

Die Landesregierung wird demzufolge auch weiterhin einen gelingenderen Übergang von der Familie in die Kindertagesbetreuung und vom Kindergarten in die Grundschule im Blick haben. Es bietet sich an, an die positiven Erfahrungen bestehender Maßnahmen anzuknüpfen und deren Strukturen im Lebensumfeld der Familien zu nutzen. Künftige Konzepte müssen den weitergehenden Bedürfnissen angepasst bzw. auf deren Grundlage vergleichbar wirksame Maßnahmen entwickelt werden.

 

Mit Blick auf die demografische Entwicklung bedeutet die Forderung, „kein Kind zurückzulassen“ für den vorsorgenden Sozialstaat aber auch, den Fokus stärker auf Jugendliche im Übergang in das Berufsleben zu richten. Stärker als bisher müssen Bildungsangebote aufeinander abgestimmt und miteinander verzahnt werden. Wichtig ist dabei auch, dass Schülerinnen und Schüler frühzeitig Arbeitswelt- und Berufsorientierung erfahren.

 

In Brandenburg verlässt immer noch eine erhebliche Anzahl von Schülerinnen und Schülern die Schule ohne qualifizierten Abschluss. Gerade Jugendliche mit niedrigen Bildungsabschlüssen und aus Familien mit niedrigem Sozialstatus brauchen eine intensivere Förderung sowie außerschulische Unterstützung. Sie brauchen Hilfe in der Berufsorientierung und bei Leistungsproblemen in Ausbildung und Beruf.

 

Mit der „Initiative Oberschule“ und dem „Netzwerk Zukunft“ sollen die Ausbildungsfähigkeit und die Berufsorientierung in den Schulen deutlich verbessert werden - hier bedarf es einer geschlechtersensiblen Herangehensweise. Zudem sollen die Erfahrungen Berufstätiger für die ehrenamtliche Begleitung von Jugendlichen auf dem Weg in die Ausbildung stärker genutzt werden. Dies kann den Jugendlichen helfen, frühzeitiger eine selbstbestimmte Berufsperspektive zu finden, einen gelingenden Berufsstart zu durchlaufen. Ziel ist es, Ausbildungsabbrüche in Schule, Berufsausbildung und Studium zu verringern.

 

Die existierenden Unterstützungsangebote und Ressourcen aller Akteure sollen zu einem systematischen „Übergangsmanagement“ auf regionaler Ebene gebündelt werden, um den Übergang von Schule zur Ausbildung zu erleichtern.

 

c)         Fördern von Bildungspatenschaften und der Schule als Teil des Gemeinwesens

 

Gemeinsam mit Kommunen und Jugendhilfe möchte die brandenburgische Familien- und Kinderpolitik darüber hinaus Eltern und Kinder mittels Bildungspatenschaften intensiver auch während der Schulzeit unterstützen. Über Altersgrenzen hinweg soll so schulisches und außerschulisches Lernen in den Mittelpunkt gestellt werden. Das umfasst sowohl schulische Mitwirkungsmöglichkeiten von Müttern und Vätern als auch gesellschaftliche Akteure und Engagements. Obgleich die Förderung durch die Familie ein entscheidender Faktor für den Bildungserfolg von Kindern bleibt, ist die Bedeutung der Schule angesichts der zeitlichen Relevanz für den Familienalltag groß. Schule muss daher stärker als Teil des Gemeinwesens verstanden werden, als Lern- und Lebensort mit einer starken Willkommens- und Gemeinschaftskultur – geprägt von gegenseitiger Achtung. Vielfalt muss als positives anregungsreiches Element erlebt werden können.

Es gilt, die Wechselbeziehung zwischen Schule und Familie und zwischen Schule und Gemeinwesen stärker in den Fokus der Aktivitäten zu nehmen. Dass die Schule auch als Stätte des Lebens und der Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen verstanden wird, ist bereits im § 4 Abs. 1 Satz 1 BbgSchulG verankert. Schule ist für den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung und dient zugleich der Unterstützung von Eltern in ihrer Erziehungsverantwortung. Bildungsnetzwerke, in denen die lokalen Bildungs-, Erziehungs- und Beratungssysteme zusammenarbeiten, können Bildungsfortschritte für alle jungen Menschen und gleiche Teilhabe fördern. Aufgabe ist es, die Schule stärker zu einer „Schule für alle“ zu entwickeln. Eine inkludierte frühe und intensive Förderung insbesondere benachteiligter Schülerinnen und Schüler ist ebenso bedeutsam wie die Entwicklung von sozialen Kompetenzen auch im Umgang mit individuellen Unterschieden und gegenüber Schülern mit Lernschwierigkeiten. Dabei gilt es auch, die immer längere aktive Lebensphasen der Seniorinnen und Senioren zu mobilisieren. Hierbei fördert insbesondere das Seniorenpolitische Maßnahmenpaket der Landesregierung, dass sich „Ältere“ aktiv in den Prozess mit einbringen können.

 

d)         Unterstützung zivilgesellschaftlicher Beteiligung vor Ort

 

Eine solidarische Gemeinschaft braucht bürgerschaftliches Engagement. Im sozialen Zusammenhalt und damit in der Solidarität innerhalb einer Gemeinschaft wie der Familie, der Nachbarschaft oder der Kommune zeigt sich das Leistungsvermögen einer Gesellschaft. Die Landesregierung stärkt daher bürgerschaftliches Engagement. Die Unterstützung lokaler Initiativen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Es gilt, die Brandenburgerinnen und Brandenburger zunehmend für kommunale Politik zu gewinnen und ihnen ihre Beteiligungsmöglichkeiten bewusster zu machen und die aktive Nutzung partizipativer Instrumente zu stärken. Sich aktiv in die Gestaltung des demografischen Wandels vor Ort einzubringen, kann dazu beitragen, junge Menschen in der Kommune zu halten und Zuziehenden eine Heimat zu bieten, in der sie sich zu Hause und willkommen fühlen.

 

Die Freiwilligentätigkeit birgt noch viele ungenutzte Potentiale für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Brandenburgs und damit für die Teilhabe von Kindern und Eltern. Unterstützungssysteme für jene Familien, die anderen Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Bildungs- und Erziehungsaufgaben helfen, bekommen wachsende Bedeutung. Unverzichtbarer Bestandteil einer lebendigen Bürgergesellschaft ist aber auch, dass es viele Menschen gibt, die sich für ihr Lebensumfeld, ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger einsetzen. Die kommunale Infrastruktur für Familien kann durch bürgerschaftliche Ressourcen in der Kommune ergänzt und gestärkt werden.

 

Eine innovative Gesellschaftspolitik muss auf strukturelle gesellschaftliche Veränderungen neue, eigene Antworten geben. So ist der Landesregierung bewusst, dass kommunale Akteure die Situation vor Ort am besten einschätzen, Bedarfslagen genau identifizieren und passgenaue Angebote entwickeln können. Die Weiterentwicklung von Infrastrukturangeboten für Kinder und Familien in unterschiedlichen Regionen des Landes muss nachhaltig gelingen. Daher setzt die Landesregierung auch weiterhin Impulse für die kommunale Familienpolitik und lädt alle Beteiligten ein, sich an ihrer Ausgestaltung zu beteiligen. Im Landkreis Elbe-Elster wurde ein Pilotmodell initiiert, um - wissenschaftlich begleitet - die vorhandenen Initiativen sowie neue Angebote zu bündeln und zu optimieren. Ziel des Pilotmodells ist, einen familien- und kinderfreundlichen Landkreis im ländlichen Raum zu entwickeln.

 

e)         Weiterentwicklung der Familienbildung

 

Darüber hinaus müssen die Eltern mitgenommen und darin gestärkt werden, wie sie die Entwicklung und Entfaltung ihrer Kinder unterstützen können. In den letzten Jahren wurden in Brandenburg zahlreiche Maßnahmen der Familienbildung initiiert, die für die erfolgversprechende Umsetzung dieses politischen Anliegens sprechen. Ziel ist es, die Erfahrungen und Fachkompetenzen familienunterstützender Systeme in Form von regionalen Kooperationen zusammen zu führen. Einzelne Aktivitäten sollen gezielt gebündelt werden, um eine nachhaltige Unterstützungsstruktur für Mütter und Väter auch in ländlichen Regionen auf- und auszubauen, wobei es insbesondere um die Stärkung der Erziehungsfähigkeit von Familien geht. Die Angebote der Kindertagesbetreuung und die Schulen sollen ebenso mit einbezogen werden wie die Maßnahmen der Kommunen. Wohnortnahe und niedrigschwellige Angebote, die auch Gesprächs-, Beteiligungs- und Unterstützungsangebote für Eltern bieten, müssen ausgebaut werden.

 

In der Familie werden die entscheidenden Wertorientierungen vorgelebt und vermittelt. Das Land Brandenburg wird in einem breiten Diskurs mit der Bevölkerung den Dialog über Werte in der Erziehung engagiert fortführen.

 

Familienpolitik verlangt tragbare und praktikable Lösungen für den Umgang mit einer „alternden“ Gesellschaft. Die veränderten Lebensbedingungen von Familien in bevölkerungsarmen Regionen des Landes und der Rückgang familiärer Unterstützungsnetze machen das nötig. Durch die Entwicklung lokaler Bildungsmanagements und eines lebenslangen, aufeinander abgestimmten Lernens gilt es, allen Menschen erfolgreiche Bildungsbiografien und Perspektiven in allen Lebensphasen zu ermöglichen. Das beginnt in der Familie und setzt sich über die Ausbildung und das Studium sowie Qualifizierung und Weiterbildung fort. Bildungsangebote sollen attraktiver gemacht und die Beteiligung daran erhöht werden. Hier zeigt das in den Landkreisen Barnim und Elbe-Elster initiierte Bundesprojekt „Lernen vor Ort“ bereits gute Lösungsansätze. Die Angebote der Bildungseinrichtungen werden angesichts sinkender Zahlen Jüngerer und einer anders verteilten Lebensarbeitszeit neu ausgerichtet, wobei die bessere Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familie besonders berücksichtigt wird. Darüber hinaus werden innovative Konzepte für Weiterbildungsangebote und Qualifikationsmöglichkeiten zum Nachholen und zur Anerkennung von Abschlüssen geschaffen.