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Zur Situation von Kindern und Familien im Land Brandenburg

(Stand: 30. August 2011)

B. Zur Situation von Kindern und Familien im Land Brandenburg

  1. Demografische Entwicklung
  2. Soziale Lage
  3. Betreuung und Bildung
  4. Fazit

1. Demografische Entwicklung

Die Familienstrukturen ändern sich: Im Land Brandenburg sinkt insgesamt die Zahl der Familien mit Kindern, wobei der Anteil der Alleinerziehenden und Ein-Kind-Familien unter allen Familien steigt. Zwar leben weiterhin die meisten Kinder in Familien verheirateter Eltern, aber die Gruppe der nichtehelichen Lebensgemeinschaften nimmt zu. Das „Ehepaar“ als traditionelle Familienform verliert an Bedeutung. Definiert man eine Familie so, dass mindestens ein minderjähriges Kind im Haushalt lebt, dann gibt es im Land Brandenburg rund 224.400 Familien, in denen knapp 750.000 Menschen leben.

Im Jahr 2009 lebten 333.568 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren im Land, davon waren 134.145 oder gut 40 % jünger als sieben Jahre. Der Anteil der unter 18-jährigen entspricht damit 13 % der Gesamtbevölkerung Brandenburgs; somit zählt etwa jede achte Brandenburgerin oder jeder achte Brandenburger zu den Kindern und Jugendlichen.

Mit 18.537 Geburten im Jahr 2009 wurde zwar die höchste Geburtenzahl seit der Wende aus 2008 (18.808) nicht ganz erreicht –  die Geburtenquote hat sich in den letzten Jahren mit 1,4 Kinder pro Frau jedoch stabilisiert, wenn auch räumlich sehr differenziert: So ist im Berliner Umland der Anteil kleinerer Kinder deutlich höher als in der Peripherie des Landes. Vereinzelt ist dies aber auch in ländlich strukturierten Regionen so – wie etwa im Umland größerer Städte wie Frankfurt oder Cottbus. Daneben ist der demografische Wandel im Land neben der höheren Lebenserwartung und der zu niedrigen Geburtenrate auch durch die anhaltende Abwanderung vor allem junger Menschen ebenso wie die Binnenwanderung von berlinfernen in berlinnahe Regionen des Landes gekennzeichnet.

Um den Bevölkerungsstand - unberücksichtigt von Zuwanderungen nach Brandenburg - auf gleichem Niveau zu halten, wäre eine Geburtenquote von 2,1 Kindern pro Frau notwendig. Doch nach den Prognosen wird sich die Geburtenquote in den kommenden 20 Jahren nicht wesentlich verändern. Die Geburtenzahl wird sich auf Grund des „demografischen Echos“ weiter reduzieren. Die Bevölkerung in Brandenburg würde also ohne Zuwanderung kontinuierlich abnehmen, vor allem in den strukturschwachen ländlichen Räumen. Und dabei ist diese unmittelbar sichtbare Bevölkerungsabnahme nur die eine Seite: Denn infolge des überproportional hohen Fortzugs junger Erwachsener verkleinert sich die nächste Elterngeneration noch über diese Situation hinaus. Das wirkt sich - als Brandenburg-spezifisches Problem - nachhaltig auf die ohnehin sehr unterschiedliche räumliche Entwicklung und damit besonders auf strukturschwache ländliche Räume aus.

 

2. Soziale Lage

Kinder und Jugendliche wachsen in ihren Familien in sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen auf. Etwa jedes vierte Kind gilt in Brandenburg als armutsgefährdet. Kinder Alleinerziehender sind dabei gefährdeter als Kinder aus Paarfamilien, kinderreiche stärker als Familien mit einem Kind.

In Brandenburg erhielten im Jahr 2009 insgesamt 22 % der Kinder unter 15 Jahren Transferleistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (Sozialgeld). Damit leben Kinder gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung deutlich häufiger in Bedarfsgemeinschaften als erwachsene Brandenburgerinnen und Brandenburger. Speziell jüngere Kinder sind überdurchschnittlich oft betroffen: 34.425 Kinder und damit 25 % der Kinder unter sieben Jahren erhalten Sozialgeld.

Kinderarmut ist eines der drängendsten Probleme der Gesellschaft und bedeutet nicht nur einen Mangel an Einkommen sondern häufig auch ein Defizit an gesellschaftlicher Teilhabe. Hier setzt das Bildungs- und Teilhabepaket an. Schätzungsweise 77.600 Kinder und Jugendliche haben derzeit ergänzende Ansprüche auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket nach dem Zweiten und Zwölften Buch Sozialgesetzbuch sowie dem Bundeskindergeldgesetz.

Die Erwerbstätigkeit sichert den allermeisten Familien ihr Einkommen. Damit sie Arbeit und familiäre Pflichten besser miteinander vereinbaren können, ist die Betreuung von kleinen Kindern eine wichtige Voraussetzung. Mit seinem Versorgungsgrad bei Kinderbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren übertrifft Brandenburg bereits heute deutlich die Planungsgrößen zur Erfüllung des Rechtsanspruchs nach dem Kinderförderungsgesetzes (KiföG), bis 2013 für jedes dritte Kind dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz bereitzustellen.

 

3. Betreuung und Bildung

Die Lebenslagen von Familien sind aber nicht nur einkommensabhängig definiert. Auch zeitliche und soziokulturelle Ressourcen sind wesentliche Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern. Kindertageseinrichtungen sichern nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit, sondern eröffnen frühzeitig Bildungschancen über den Familienrahmen hinaus. So zeigen Studien, dass der Besuch einer guten Kita zu Entwicklungsvorsprüngen von bis zu einem Jahr führen und den Anteil von Kindern, die später Abitur machen, erhöhen kann. Dieser Unterschied zeigte sich für alle Kinder, unabhängig vom Bildungsabschluss der Eltern. Insgesamt ist eine qualitativ hochwertige Kita-Versorgung eine wichtige Voraussetzung dafür, die Chancengerechtigkeit für Kinder zu verbessern.

Das Land Brandenburg verfügt über ein bundesweit vorbildliches Netz an bedarfsgerechten und wohnortnahen Angeboten der Kindertagesbetreuung mit hohen Versorgungsquoten: Bei Krippenkindern (unter 3 Jahren) liegt der Versorgungsgrad bei 51 % (Bundesjugendstatistik, Stichtag 1.3.2010); bei Kindergartenkindern (3 bis unter 6 Jahren) stieg er in den vergangenen Jahren stetig und liegt nun bei 95,5 %. Und auch die Hort-Betreuungsquote - also der Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit - liegt mit fast 55 % überdurchschnittlich hoch.

Zwischen sozialer Lage und Entwicklungsstörungen von Kindern besteht ein enger Zusammenhang: Im Jahr 2009 wiesen brandenburgische Schulanfängerinnen und Schulanfänger mit niedrigem Sozialstatus mit einem Anteil von rund 33 % fast viermal so häufig Sprachstörungen auf, wie Kinder aus Familien mit hohem Sozialstatus und doppelt so viele wie mit einem mittleren Sozialstatus. Allerdings gingen bei Einschülerinnen und Einschülern in allen drei Gruppen die Befunde von Sprachstörungen gegenüber 2008 leicht zurück.

Im Schuljahr 2009/2010 haben insgesamt knapp 21.000 Absolventinnen und Absolventen die allgemeinbildenden Schulen des Landes verlassen. Mit 37 % erreichte weit mehr als ein Drittel die allgemeine oder die Fachhochschulreife; das ist der zweithöchste Wert nach dem Schuljahr 2008/2009 seit Beginn der Erfassung 1992/1993. Fast 40 % der gleichaltrigen Wohnbevölkerung erreichte im Schuljahr 2009/2010 den Realschulabschluss bzw. die Fachoberschulreife und knapp jeder Sechste den erweiterten Hauptschulabschluss bzw. die erweiterte Berufsbildungsreife oder den Hauptschulabschluss bzw. die Berufsbildungsreife. 10 % der Schülerinnen und Schüler verließen die Schule ohne Hauptschulabschluss bzw. ohne Berufsbildungsreife.

Zum Schuljahr 2010/2011 wurden 14 Grundschulen, 13 Oberschulen und drei Gesamtschulen neu in das Ganztagsprogramm aufgenommen; 194 der 445 Grundschulen (44 %) und 143 der 215 weiterführenden Schulen (67 %) bieten in der Sekundarstufe I Ganztagsangebote an; 21 Förderschulen arbeiten mit Ganztagsangeboten. Um die Teilhabe aller Schülerinnen und Schüler an kostenpflichtigen schulischen Angeboten zu sichern, stellt das Land im Rahmen des Schulsozialfonds 2,2 Mio. Euro jeweils für die Haushaltsjahre 2009, 2010 und 2011 zur Verfügung (Ist 2009: 2.219.911 €).

 

4. Fazit

Trotz positiver Entwicklung zeigt sich, dass die politischen Schwerpunkte und das Programm für Familien- und Kinderfreundlichkeit „Die Brandenburger Entscheidung: Familien und Kinder haben Vorrang!“ aus dem Jahr 2005 weiterentwickelt werden müssen. Sowohl im Hinblick auf die Verwirklichung von Chancengleichheit als auch im Hinblick auf die demografischen Herausforderungen und den Fachkräftemangel gilt es, jedem Kind, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Brandenburg eine Perspektive zu geben; d.h. schulverweigernde oder vom Schulausstieg bedrohte Schülerinnen und Schüler bedürfen einer besonderen Aufmerksamkeit.